Geburtstag ist ein schöner Tag: 1 Jahr Café Paul

1CP13 Brezn

Geburtstag ist ein schöner Tag, ich jeden Tag Geburtstag mag…

Naja, dieses unpassend scheinende Zitat aus einer bekannten Kinderserie ging mir durch den Kopf, als ich überlegte, wie ich diesen Bericht einleiten soll. Denn dieser Tag heute war so rundum schön, so gelungen, dass die Freude darüber noch mitschwingt.

Aber der Reihe nach: Es ist fast auf den Tag genau ein Jahr her, da gab es zum ersten Mal das Café Paul. Eine der Ideen war, dass die Flüchtlinge – oder auch Schutzsuchende – mal raus kommen aus dem Alltag in der GU, und dass Bruchsaler Bürger in einem gelockerten Rahmen mit den GU-Bewohnern in Kontakt kommen. Einander kennenlernen, miteinander statt übereinander reden.

Es war ein Start ins Ungewisse, den Christen aus der Pfarrei St.Vinzenz da versuchten – übrigens ausdrücklich von Beginn an offen auch für Menschen anderer Konfessionen und ohne religiöse Bindung.

Der Blick zurück auf das vergangene Jahr, der heute auch Teil des Programms war, zeigte, wie sich der Cafébetrieb nach und nach verändert hat. Neue Helfer kamen mit interessanten Ideen. Einer solchen ist das gut frequentierte Büchereiangebot zu verdanken, das Kindern wie Erwachsenen hilft, die Sprache und Kultur kennen zu lernen. Oder seit Herbst das für Kinder konzipierte Angebot in der Turnhalle, das auch gerne angenommen wurde.

Heute nun wurde mit größerem Aufwand Geburtstag gefeiert. Auf angenehme Weise wurden die routiniert laufenden Aufbauarbeiten „behindert“:  Der Syrisch-Deutsche Chor unter der Leitung von  Klaus Heinrich war mit Soundcheck beschäftigt, was manch einen Helfer dazu brachte, langsamer zu arbeiten und den hörbar gut einstudierten Musikern zu lauschen.

Soundcheck beim Cafè Paul

Soundcheck

Schnell war auch klar: Das hier wird etwas Großes: Die verteilten Einladungen wurden vielfach angenommen, wer nicht kam, hatte sich im Vorfeld entschuldigt. Viele ehemalige GU-Bewohner, die längst in den Nachbarorten eine Anschlussunterkunft gefunden haben, kamen vorbei, aber auch Menschen die noch in den beiden Kernstadt-GUs wohnen, besuchten uns. Auch das Team aus Hambrücken „minham“ war wieder zu Gast.

Full House

Full House

Der Cafébetrieb lief zunächst wie gewohnt. Naja fast. Neben dem gespendeten Kuchen der Bäckerei Gerweck (Nochmal DICKES Danke für diese verlässliche Dauerspende! Das ist keine Selbstverständlichkeit) brachten einige aus dem Helferteam selbstgebackenen Kuchen mit. Und Café Paul wäre nicht Café Paul, wenn es nicht auch ein neues Angebot gegeben hätte: Eine neue Helferin brachte Luftballonbasteleien und ein paar Bewegungsspiele mit.

Daneben das unverändert beliebte Schach, Spiele, Kaffee, Kuchen, viele Unterhaltungen, Begegnung at its best.

Dann, gegen 17 Uhr begann der Chor zu singen. Wer sie vom Weihnachtsmarkt noch nicht kannte, durfte jetzt erfreut staunend feststellen, wie Syrer und Deutsche, Kinder und Erwachsene – alles Laien, wohlbemerkt –  ihr Bestes gaben um mit Freude zwiesprachigen Gesang darzubieten. Dann wurde es dunkel und ein pointierter Rückblick auf das vergangene Jahr folgte, in deutscher, arabischer (Danke an unseren Übersetzungsdauerdienst Khaled) und englischer Version.

Musikalisch ging es dann wieder mit dem Chor und der Band weiter, während – auch das neu im Café Paul – Riesenbrezln bereitgestellt wurden. So klang der Abend nach und nach und – trotz aller zu erledigenden Arbeit – sehr gemütlich aus.

Im zweiten Jahr seines Bestehens wird das Café Paul nun neue Wege gehen. Weniger Gäste durch weniger GU-Bewohner erfordern eine Anpassung. Diese erfolgt in der Verlagerung des Cafébetriebs in die unteren Räume des Paulspfarrzentrums. Zudem wird es künftig „nur noch“ alle zwei Wochen stattfinden.

Die Bedürfnisse unserer Gäste verändern sich, je länger sie hier sind. Die Flüchtlingshilfe St.Vinzenz war auch von Beginn an mehr als „nur“ das Cafè Paul. Die Arbeit geht weiter. In welcher Form? Ideen und erste Umsetzungen gibt es. Den dankbaren Rückblick auf das was hinter uns liegt verbinde ich mit der Neugier auf das was kommen wird.

Schließen möchte ich mit einem von Rudi Carell abgeleiteten, sehr persönlichen Fazit, als einer, der sich nur als Randfigur in dem großen, sehr vielfältigen Spektrum dessen sieht, was in Bruchsal und Umgebung für diejenigen getan wird, die hilfesuchend zu uns kommen:

Es ist eine Ehre, in dieser Stadt und mit diesem Team, Arbeit für diese Menschen zu machen. Dafür bin ich dankbar.

 

Text und Bilder: S.Zimmermann

 

Ein weiterer Bericht von Alexandra Nied mit zahlreichen Bildern von A. Göring befindet sich auf der Seite der SE St.Vinzenz 

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