Erfolgreiche Besucherlenkung auf dem Michaelsberg zum Schutz der Magerrasen

Ophrys holosericea ssp holosericea Springenhalde F12

AGNUS zufrieden mit dem ersten Jahr

Auf den Magerrasen des Michaelsbergs und Kaiserbergs entstanden bisher jedes Jahr große Schäden durch Besucher, die mitten durch die empfindlichen Biotope liefen, oft aus Unwissen. Am Wochenende können an den meisten Tagen außerdem gleich mehrere Natur-Führungen und Gruppen beobachtet werden. Neuerdings sind z. B. Führungen über “essbare Wildkräuter” und Heilkräutern besonders beliebt. Besonders ärgerlich sind dagegen nach wie vor sogenannte “Orchideenliebhaber”, die in großen Scharen einfallen und durch ihre Photographiererei große Flächen niedertrampeln. Und das, obwohl sämtliche Orchideen Deutschlands bereits in ungezählten Photos dokumentiert sind!

Das überall stattfindende Verschwinden der Blütenwiesen, Streuobstflächen und extensiven Äcker erhöht zusätzlich den Besucherdruck auf die wenigen verbliebenen Flächen am Michaelsberg. Dafür muss man zweifellos Verständnis haben und genügend Gelegenheit zum Besuch und Bewundern geben.

Eine Besuchergruppe hält sich wie vorgesehen an die Pfade und bewundert die Orchideen von diesen aus.

Eine Besuchergruppe hält sich wie vorgesehen an die Pfade und bewundert die Orchideen von diesen aus.

Die AGNUS (Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz Bruchsal) installierte deswegen in diesem Jahr nach längerer Vorbereitung erstmals ein Konzept zur Besucherlenkung auf den von ihr gepflegten und betreuten Flächen. Absperrbänder markieren Pfade, von denen aus genügend Gelegenheit besteht, auch die seltenen Pflanzen von Nahem zu sehen und zu photographieren, aber gleichzeitig kein Schaden verursacht wird. Hinweistafeln weisen auf die empfindlichen Biotope hin und ermuntern die Besucher, beim Schutz der Flächen mitzuhelfen. Zusätzlich patrouillieren AGNUS-Mitarbeiter und Naturschutzwarte regelmäßig, insbesondere zum Zeitpunkt der Orchideenblüte, und informierten schon viele wissbegierige und oft begeisterte Besucher.

Der erhoffte Erfolg trat ein und war sofort sichtbar. Vor allem die Gelegenheitsbesucher hielten sich durchweg an die markierten Pfade, aber auch die Referenten der verschiedenen Führungen. Die Magerrasen konnten endlich wieder ungestört blühen. Auch die befürchtete Zerstörung der Absperrungen und Schilder trat nicht ein, lediglich ein einziges Schild ging verloren. Ganz im Gegensatz dazu der gegenüber liegende, staatlich gepflegte Kaiserberg, wo noch keine Besucherlenkung existiert. Hier waren wieder die alljährlichen Trampelpfade der uneinsichtigen Orchideenphotographen zu sehen, die sich wie ein Netzwerk durch die Flächen ziehen. Die AGNUS will deswegen im nächsten Jahr den Behörden vorschlagen, auch am Kaiserberg eine entsprechende Besucherlenkung zu installieren, und würde dies gerne koordinieren und durchführen.

Nur gegen Ende der Orchideenblütezeit gab es einen Wermutstropfen. An einer jetzt abgesperrten Stelle, an der in den vergangenen Jahren die Orchideenliebhaber eine seltene Art gefunden hatten, bildete sich erneut ein unerwünschter Trampelpfad. Einige “Orchideenfreaks” konnten in flagranti erwischt werden und weigerten sich teilweise sogar, die Flächen zu verlassen, mit der Begründung, das sei alles “legal” (was nicht stimmt) und sie würden das schon lange tun (stimmt). Merkwürdig nur, dass diese Zeitgenossen noch nicht bei der Pflege des Biotops gesehen worden sind. Die AGNUS wird künftig solche Verstöße bei Uneinsichtigen dokumentieren und zur Anzeige bringen.

Ein uneinsichtiger "Orchideenfreak" beim Zertrampeln des Magerrasens.

Ein uneinsichtiger “Orchideenfreak” beim Zertrampeln des Magerrasens.

Die AGNUS zieht die erfreuliche Bilanz, dass mit der Besucherlenkung ein vernünftiger Kompromiss gefunden worden ist, der von praktisch allen Naturliebhabern und Besuchern akzeptiert und begrüßt wird sowie der Natur den maximal möglichen Schutz bietet. Als nächste Aktion sollen ein oder zwei Infotafeln direkt an den Magerrasen aufgestellt werden, um den Besuchern die Flora und Fauna nahezubringen. Die AGNUS würde außerdem weitere Helfer begrüßen, sowohl bei der arbeitsintensiven Pflege der Magerrasen im Herbst und Winter sowie bei der trotz allem notwendigen Kontrolle. Dann können wir die Blütenpracht des Michaelsbergs noch viele weitere Jahre gemeinsam genießen.

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