Das zweitbeste Auto aller Zeiten: Der 2CV ("Döschewo")

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Donnerstag, 20. Januar 2011 - 15:01

Das zweitbeste Auto, das je gebaut wurde, ist der 2 CV (sprich: „Döschewo") von Citroen, in Deutschland bekannt geworden als die „Ente".

2CV
Bereits im Jahre 1934 erhielten die Ingenieure bei Citroen die Anweisung, ein Auto zu entwickeln, das Platz für zwei Bauern in Stiefeln und einen Zentner Kartoffeln oder ein Fässchen Wein bietet. Dieses Fahrzeug sollte mindestens 60 km/h schnell sein und auf 100 Kilometer nicht mehr als drei Liter Benzin verbrauchen. Weitere Vorgaben waren: Einfache Bedienung, Überwindbarkeit auch schlechter Wegstrecken und eine so gute Federung, dass ein Korb voll Eier eine Fahrt über holprige Feldwege ohne Rührei zu werden übersteht. Und, man höre und staune, dies bereits im Jahre 1934: Auch eine ungeübte Fahrerin (!) soll mit diesem Auto zurecht kommen. Kultstatus konnte das geplante Auto in späteren Jahren wohl nur dadurch bekommen, dass der Citroen-Direktor seine Anforderungen mit folgendem Satz schloss: „Auf das Aussehen des Wagens kommt es dabei überhaupt nicht an."

Im Jahre 1939 stellten die Ingenieure die ersten Prototypen vor, es dauerte jedoch, kriegsbedingt, bis 1948, dass der Wagen einer größeren Öffentlichkeit auf dem Pariser Automobilsalon vorgestellt werden konnte. Präsentiert wurde ein atemberaubend hässliches, hochbeiniges Vehikel aus dünnem Blech. Gegenüber den Prototypen, die 1939 nur einen Scheinwerfer und keinen Anlasser hatten (darin sah der damalige Citroen-Chef kein Problem, denn das Auto sei ja für Bauern gedacht, und die sind alle verheiratet und haben eine Frau, die kurbeln kann) war das vorgestellte Modell eine starke Verbesserung.

Der Ausstellungsstand von Citroen war bei der ersten Vorstellung des 2CV von neugierigen Menschenmassen umlagert; es war genau das Auto, was sich nicht nur der Landmann wünschte. Billig, praktisch und angenehm zu fahren - und die ganze Familie passte rein.

 

Der erste 2CV hatte unter seiner Motorhaube einen kräftigen Zweizylindermotor mit 375 ccm Hubraum und 9 PS Leistung. 1955 wuchs der Motor auf imposante 425 ccm und 12 PS. Die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeuges betrug bemerkenswerte 70 km/h.

Während in Frankreich der 2CV für Hunderttausende ein unverzichtbarer Begleiter wurde, schüttelte man in Deutschland zunächst recht überheblich den Kopf über so ein Vehikel. Der Durchbruch kam dann jedoch in den sechziger Jahren. Wer etwas darauf hielt, „anders" zu sein, der fuhr eine Ente, mittlerweile ausgestattet mit einem bulligen 16 PS-Motor.

Ende der siebziger Jahre kam jedoch so langsam das Aus für den 2CV; er wurde zum technischen Anachronismus erklärt, trotzdem er mittlerweile durch einen Motor mit kraftvollen 29 PS angetrieben wurde. Man bemerke: eine Verdreifachung der Motorleistung gegenüber dem Ursprungsmodell! Mittlerweile betrug die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeuges eindrucksvolle 113 km/h.

 

Die „Ente" wurde noch bis Juli 1990 in Portugal in Lizenz hergestellt. Und dann: „aus die Ente". Zwischen 1949 und 1990 wurden 3.868.631 viertürige Limousinen und 1.246.335 Lieferwagen („Kastenente") hergestellt. Es war übrigens bei allen 2CV-Modellen möglich, den Motor mit Hilfe der Wagenheberkurbel zu starten.

Die „Ente" kam auch zu Filmruhm. Neben vielen, insbesondere französischen Filmen, wo sie ständig im Einsatz war (am Ende dieses Artikels ein kleines Beispiel), war der 2CV in dem James Bond-Film „In tödlicher Mission" mehr als ein Nebendarsteller.

Insgesamt wurden für die Filmaufnahmen vier identische Fahrzeuge gebaut, ausgestattet mit einem Vierzylinder-Boxermotor mit 1015 ccm und 54 statt der sonst üblichen 29 PS. Der Konstrukteur verriet in einem Interview der Zeitschrift auto motor und sport, dass eine Höchstgeschwindigkeit von 164 km/h gemessen wurde. In einer spannenden Verfolgungsjagd wird die „Ente" (Kennzeichen M 1026 A) von mehreren schwarzen Peugeot 504 verfolgt, macht Sprünge und Überschläge und entkommt gewitzt den Gangstern - was wiederum die Überlegenheit der Marke Citroen gegenüber der Marke Peugeot zeigt.

 

In den 70ern, Anfang der 80er Jahre war „die Ente" aus keinem Stadtbild wegzudenken. So war der 2CV auch in Bruchsal ein gern gefahrenes Auto insbesondere von solchen, die „etwas anders waren" und dieses „etwas anders sein" auch gerne nach außen demonstrierten.

Meine eigenen Erinnerung an den 2CV ist im Wesentlichen die Bekanntschaft, die ich als Bei- bzw. Mitfahrer mit diesem von meinem Freund Jo aus Untergrombach gefahrenen Fahrzeug machen durfte.

Dieser Freunde Jo machte kurz vor der Abiturprüfung seinen Führerschein und fuhr, zum Erstaunen aller am Schönbornplatz (Thing) Sitzenden, kurz nach Ablegung der Reifeprüfung mit einem nagelneuen Auto vor. Einem 2CV. Im Original 2CV-Rot, ein gedecktes, stumpfes Rot in der Art einer Tarnfarbe. Scheußlich. Bis heute ist mir nicht klar, wie er an das Fahrzeug gekommen ist. War es ein Geschenk seiner Eltern für die erfolgreich absolvierte Reifeprüfung? Hatte er sich in den Ferien das Kleingeld für dieses Auto auf dem Bau verdient wie gerne gemunkelt wurde? Dieses Gerücht ließ der stolze Autobesitzer unwidersprochen. Keine Ahnung. Auf jeden Fall hat nicht nur mich dieses Fahrzeug, später mit einer kleinen Entenschar auf dem Kofferraumdeckel ausgestattet, zumindest mittelbar über einige Jahre begleitet.

Neben den üblichen Fahrten von und zu (und wenn die Fahrt nicht von nach zu führte, dann zumindest im Kreiseln mit quietschenden Reifen um den Schönbornplatz - wie schön neigte sich doch dieses Fahrzeug in die Kurve, ohne dass es umzuwerfen war), kam das Auto für Urlaube am Baggersee bei Straßburg oder sonstwo in Frankreich oder Italien oder bei einer Überlandfahrt durch die Hügel des Kraichgaus zum Einsatz.

Baggersee

Armada von Großraumlimousinen

Mindestens einmal im Jahr, zu Pfingsten, in den „Großen Ferien" oder während der Herbstferien, fuhr eine Gruppe von 15, 20 oder noch mehr jungen Leuten gemeinsam an den Baggersee bei Straßburg zum Campen. Neben dem 2CV waren noch Renault mit dem R4 vertreten, ein VW-Käfer durfte auch nicht fehlen, andere fuhren mit dem Roller nach Straßburg. Nicht wenige, die keinen Platz mehr in den Automobilen fanden, trampten zunächst von Bruchsal zur Autobahnraststätte Forst und versuchten von dort weiter in den Süden nach Straßburg zu kommen.

Baggersee

Am Baggersee bei Straßburg

Da die Fahrzeuge allermindestens mit fünf Personen besetzt waren, war die Mitnahme von solch komfortablen Camping-ausrüstungsgegenständen wie Campingtischen oder -stühlen aus Platzgründen nicht möglich. Hier zeigten sich die Vorteile des 2CV aber auch des R4: Äußerst einfach ließen sich die Sitze und die Rückbank ausbauen, lediglich ein paar Schrauben waren zu lösen, und Sitze und Rückbank konnten als bequeme Sessel vorm Zelt zum Einsatz gebracht werden.

Die wohl spaßigste Erinnerung an die 2-CV-Zeit ist jedoch die oben schon erwähnte Überlandfahrt durch die Hügel des Kraichgaus. An einem bitterkalten Winterwochenende, es waren einige Grad unter Null, kam uns ganz spontan die Idee, über die Dörfer zu fahren. Eine kleine Karawane mit einem 2CV als Fahrzeug an der Spitze des Convoys mit einem klapperigen VW-Käfer im Schlepptau.

Überlandfahrt

Start zur Überlandfahrt durch die Hügel des Kraichgaus

Da es natürlich nur wenig Sinn macht, ohne Anlass diese Fahrt zu machen, nahmen wir noch eine Fahne mit . Eine rote Fahne. Wahrscheinlich rot deswegen, weil keine grüne, gelbe oder blaue Fahne auf die Schnelle greifbar war. Ich weiß es nicht mehr. Diese rote Fahne nahmen wir also mit in den 2CV und sobald wir durch ein Dörfchen kamen, wurde schnell das Rolldach geöffnet, alle Insassen des 2CV, sechs oder sieben Männlein und Weiblein, standen auf, natürlich der Fahrer nicht, und streckten die Fahne aus dem Autodach und johlten - ob des geöffneten Rolldaches und des frostigen Fahrtwindes bibbernd vor Kälte. Der Sinn dieser Aktion erschließt sich mir heute nicht mehr. Erinnern kann ich mich allerdings an eine Situation in Münzesheim, wo wir, von Oberacker kommend, an einer Kreuzung den Gegenverkehr abwarten mussten. Auf dem Gehweg lief ein Bäuerlein mit einer Mistgabel über der Schulter. Dieser stutzte, als er unseren Autokorso sah, bremste seine Schritte ab, realisierte die rote Fahne und brüllte über die Straße: „Ihr Langhaardackel! Geht doch rüber!"

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