Zum Andenken an die Befreiung von Auschwitz

DruckversionPer e-Mail versenden
Feierstunde mit Frau Ella Weiß
Mittwoch, 27. Januar 2010 - 13:24
Einladungstafel

Anlässlich des Jahrestages der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 1945, hatte die Stadt Bruchsal im Namen von Herrn Gerhard Holler, dem Vorsitzenden des Deutsch-Jüdischen Arbeitskreises Landkreis Karlsruhe, und von Frau Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick zu einer kleiner Feierstunde mit Frau Ella Weiß, der einzigen Auschwitz-Überlebenden in Bruchsal, eingeladen.

 

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch ein

Geigensolo

schwermütiges Geigensolo. Danach wandte sich der Rabbiner Dan Blaufeld aus Karlsruhe mit kurzen Worten an das Publikum und rief die Erinnerung an den Holocaust und an 6 Millionen getöteter Juden wieder ins Gedächtnis. Abschließend sprach er ein Gebet in deutscher und hebräischer Sprache

.

Nach einem kurzen, sentimental stimmenden Geigen-Intermezzo, trat Herr Gerhard Holler ans Rednerpult. Er stellte in den Mittelpunkt seiner Rede die 127 Bruchsaler jüdischen Mitbürger, die umgebracht und vergast wurden oder verschollen sind. Herrn Holler sprach sein Unverständnis dafür aus, dass es in Bruchsal noch immer keine Gedenkstätte für die Bruchsaler Opfer des Holocaust gibt, denn „vergeben können die Toten, vergessen dürfen die Lebenden nicht". Zornig wies Herr Holler darauf hin, dass es immer wieder Holocaust-Leugner gibt wie Bischof Richard Williamson, die ihre Parolen ungestraft verbreiten dürfen.

Rabbiner Blaufeld

Rabbiner Dan Blaufeld

 

Herr Holler schilderte die Lebens- und Leidensgeschichte von Frau Weiß in ausdrucksvollen Worten: Im Jahre 1942 wurde Frau Weiß mit Eltern und 10 Geschwistern nach Auschwitz gebracht. Ihr Vater war Halbjude und Sinti/Roma, ihre Mutter war Christin. Der Lebensunterhalt wurde durch den Handel mit Pferden verdient. Die Mutter hätte sich durch Scheidung vor der Einlieferung nach Auschwitz retten können, eine Scheidung kam für sie aber nicht in Frage. Über Theresienstadt wurden Frau Weiß und ihre Familie in tagelangen Fahrten im Viehwagen nach Auschwitz verbracht. Diese Ereignisse gehen ihr immer noch bei Tag und bei Nacht durch den Kopf. Kahlgeschoren, in Sträflingskleidung wurde Frau Weiss zur Zwangsarbeit verpflichtet. Ungeziefer war der ständige Begleiter der Häftlinge. Der Vater starb im KZ an Typhus, die Mutter und sechs der Geschwister wurden umgebracht und verbrannt.

Ella Weiß

Frau Ella Weiß

 

Von Auschwitz wurde Frau Ella Weiß nach Ravensbrück verbracht und dort 1945 von amerikanischen Soldaten befreit. Bei der Befreiung wog sie, 18-jährig, lediglich noch 40 Pfund. Frau Weiss hatte keine Jugend, „der Herrgott hat uns scheinbar vergessen".


1978 kam Frau Weiss nach Bruchsal. Herr Holler dankte in ihrem Namen insbesondere Herrn Eckert und Frau Drechsler von der Stadtverwaltung für die Fürsorge, die diese Frau Weiss angedeihen ließen.

 

Bruchsals Oberbürgermeisterin, Frau Petzold-Schick, sprach in ihrer Rede Frau Weiss direkt an. Sie sagte, dass niemand Geschichte ermessen kann, das Schicksal bereite ihr Fassungslosigkeit. Frau Weiss sei eine „Botschafterin gegen Ungerechtigkeit", „eine Heldin in unfassbarer Zeit". „Sie sind für mich Mahnung, genau hinzusehen. Warum ist niemand eingeschritten?".

 

Petzold-Schick und Weiß

Frau Petzold-Schick und Frau Weiß

Frau Petzold-Schick sagte weiter, sie habe große Ehrfurcht, Frau Weiss sei ein lebendiges Mahnmal, ein Stachel in der Vergangenheitswunde. Und sie habe die Bemerkung von Herrn Holler zu dem fehlenden Mahnmal für die 127 vernichteten Bruchsaler Bürger sehr wohl verstanden, „wir sollten uns diesem Thema widmen".

 

 

 

Gruppenaufnahme

Herr Holler, Frau Petzold-Schick, Frau Weiß, Frau Wacker, Frau Holler, Herr Blaufeld

Frau Weiss

Frau Petzold-Schick, Herr Holler, Frau Weiß, Frau Wacker

Frau Weiß mit Fotograf

 

Noch keine Bewertungen vorhanden
Inhalt abgleichen Inhalt abgleichen