DIE ZEIT berichtet über Bruchsal: Lokalblogger | Kampf um die Provinz
Bereits seit vielen Tagen kursiert das Gerücht durch Bruchsal. Ein Journalist der renommierten Wochenzeitung DIE ZEIT sei in Bruchsal gewesen um zu recherchieren. Jetzt darf man es wohl offen aussprechen ohne scheel angeschaut zu werden: Dieses Gerücht war keines - DIE ZEIT hat tatsächlich Nachforschungen in Bruchsal angestellt.
Ein Redakteur der überregionalen Wochenzeitung DIE ZEIT nahm sich die Zeit, war mehrere Tage in Bruchsal und recherchierte - intensiv und ausführlich. So ist ab morgigem Donnerstag im ZEITMAGAZIN, der Beilage zur Wochenzeitschrift DIE ZEIT, ein Beitrag über Bruchsal und die hiesige Presselandschaft unter der Überschrift "Lokalblogger - Kampf um die Provinz" zu lesen.
Eine gekürzte Fassung dieser Reportage ist bereits heute bei ZEIT ONLINE veröffentlicht worden:
Lokalblogger | Kampf um die Provinz
"Eine Stadt – ein Lokalblatt, so ist es in vielen kleineren Orten. Doch jetzt bekommen die Meinungs-Monopolisten Konkurrenz vom eigenen Publikum. Wie in Bruchsal
Bruchsal ist eine Kleinstadt, wie es sie überall in Deutschland gibt: 43.000 Einwohner, ein Barockschloss, eine Fußgängerzone, eine Lokalzeitung. Die Oberbürgermeister kamen jahrzehntelang aus derselben Partei, der CDU. Wenn nicht eines Tages einige unzufriedene Bürger mit dem Bloggen angefangen hätten, wäre das vielleicht auch so geblieben. Es war im Sommer 2009, als diese Leute etwas Unerhörtes taten: Sie kritisierten im Internet während des Wahlkampfs um das Amt des Oberbürgermeisters jenen CDU-Kandidaten, der unter mehreren Anwärtern der Union die größten Aussichten hatte. Er verlor schließlich, erstmals seit 1946 war das Amt nicht mehr christdemokratisch besetzt, eine Parteilose wurde Oberbürgermeisterin."
Zum Weiterlesen: Kampf um die Provinz
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Kommentare
die vergessenen Eierköpfe
Im oben verlinkten Zeit-Online Bericht erscheint bruchsal.org als alternative Informationsquelle und Meinungsmacher gegenüber der
einheimischen Lokalpresse in Gestalt der 'Bruchsaler Rundschau'.
Ist das nicht ein wenig zu kurz gegriffen? Es wäre durchaus bei der Zeit-Recherche angebracht gewesen, auch die Rolle der Firma egghead medien GmbH unter die Lupe zu nehmen, die seit Jahren das offizielle Gesicht Bruchsals frisiert und dabei fröhlich den Meinungsmacher gibt. Ich erlaube mir hierzu Waldemar.Z zu zitieren: http://www.bruchsal.org/story/bruchsal-xxl-ist-online#comment-3720
Nicht zuletzt für die Auseinandersetzung mit der subtil daherkommenden Gehirnwäsche durch professionelle Agenturen bedarf es eines unabhängigen Mediums wie bruchsal.org.
Oberflächlich
Und für diesen Wischi-waschi-Kommentar war ein Journalist "mehrere Tage" in Bruchsal?!
So möchte ich auch mal mein Geld verdienen!
Zeit Magazin
Danke, ich habe mir heute gleich ein Exemplar gesichert. Auch unabhängig von diesem speziellen Artikel ein spannender Themenrahmen: "Was Journalisten anrichten."
Schön, dass bruchsal.org, und damit die rebellischen Köpfe, die diese Plattform repräsentiert, eine angemessene Würdigung finden.
Obgleich der Artikel recht kurz greift und um einige Aspekte zu erweitern wäre. Alleine schon der Umstand, dass der OB-Kandidat Hartmann damals nicht nur inszeniert war, sondern auch fragwürdige Wahlkampfmethoden praktizierte, die ein weiterer Blogger schließlich öffentlich gemacht hatte.
Oder die Sache mit dem verhinderten Ehrenbürger.
Und ich erinnere mich da an mindestens einen höchst tendenziösen Streib-Kommentar zur causa Scherbel. Wo war da die Unparteilichkeit des "Nachrichtenführers"?
Der dahergelaufene Musikkritiker
Hier der Link zu dem Bericht in der ZEIT über die unselige Allianz von BNN und Bernd Doll, die zum Rauswurf des Journalisten Thomas Rübenacker führte. Der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende nannte den Journalisten Rübenacker im Gemeinderat einen "dahergelaufenen Musikkritiker". Auch Grund der Wut: Es standen Oberbürgermeisterwahlen an.
Die Kurzvita des "dahergelaufenen" Musikkritikers (Quelle: Preis der deutschen Schallplattenkritik, wo er Jurymitglied ist):
"Thomas Rübenacker wurde 1952 in Karlsruhe geboren. Violoncello-Studium bei Martin Ostertag, mit fünfzehn Jahren erste Kritiken für die Lokalzeitung Badische Neueste Nachrichten. Später Mitarbeit bei Publikationen, die alle nicht mehr sind (Scala, Amadeo) - hoffentlich kein kausaler Zusammenhang. Oberspielleiter am Musiktheater im Revier, Autor und Regisseur zahlreicher Hörspiele, dreier Theaterstücke, eines Romans. Moderiert klassische Musiksendungen für den SWR."
http://www.zeit.de/1993/42/tiefe-verbeugung
Im Kern völlig richtig
Der Artikel in der Beilage der ZEIT beschreibt völlig richtig, dass es monopolen Provinzblättchen (wie die BRUCHSALER RUNDSCHAU mit dem geistigen "bemo"-Nachfoger Daniel Streib) gut tut, einen Blog (wie z.B BRUCHSAL.ORG) als Korrektiv, Ergänzung und "Stimulation" (wie auch immer Streib dieselbe umzusetzen gedenkt...) vor die Nase gesetzt zu bekommen. Dies muss nicht zwangsläufig die journalistische Qualität der "Mainstream" Blättchen anheben, die freilich aufgrund politischer Scheuklappen schnell an ihre Grenzen kommt. Jedoch kann sich der Leser vielfältiger und umfassender, insbesondere vollständiger, über Themen informieren. Auch werden nicht ganze Themenbereiche totgeschwiegen.
Wurm an der Oberfläche – das Artikel-Konfekt
Süß muss es sein, schmackhaft und schön, das liebt der ZEIT-Magazin-Leser. Unter dieser Prämisse hat sich der Wurm in die PROVINZ gewagt, um die Zeilen seines Blattes zu füllen.
Nun ist die ZEIT nicht als investigativ bekannt und das sollte man auch von ihr nicht erwarten, wenn ein Bruchsal-Besuch ansteht.
Verstehen muss man als Provinz-Bewohner auch, dass Journalisten weite Reisen nur unternehmen, wenn sie fertige Konzepte in der Tasche haben.
Mit einem solchen reiste der ZEIT-Wurm an und musste nur noch das mitgebrachte Artikel-Gerippe mit lokalen Zitaten und oberflächlichen Erkenntnissen vervollständigen.
So erklärt sich, dass der Autor dieser Zeilen als schimpfender SPD-Stadtrat zur Artikel-Fülle beitragen durfte. Nicht, dass die „Bruchsaler Rundschau“ als fehler- oder gar ideologiefreies Presseorgan von mir wahrgenommen würde. Dieses Missverständnis lässt Kollege Streib durch nun wirklich nicht entstehen. Doch würde man mir zu Recht Vergangenheitsbezogenheit unterstellen, befasste ich mich jetzt noch mit BE-MOs Untaten respektive Taten, denn nur darauf bezog sich das Zitat. Dem Zeit-Mann wurde lediglich erklärt, dass es früher durchaus Anlass zu massiven Protesten gab, was im übrigen auch der schreibende Streib netterweise bestätigt - wenngleich er damit nur untermauern wollte, dass jetzt alles besser sei.
Diese Auskunft trug dem Reisenden nun wahrlich keine Erkenntnisse über die aktuelle Bruchsaler Situation ein. Da der ZEIT-Mann aber mit seinem Artikel-Gerippe anreiste und nicht investigativ sein konnte und wollte, musste halt die Bemo-Erinnerung irgendwie in die Gegenwart transportiert werden. Allerdings hätte sich der liberale Wurm beispielsweise mit der Frage befassen können, ob ein einziges Meinungs-Medium ein Gemeinwesen abbilden kann und der damit verbundenen möglichen Erkenntnis, dass es nicht einmal des Zornes auf das Meinungs-Monopol-Blatt bedarf, wenn man eigene Meinungen schreiben oder lesen will und sich schon deshalb vom Monopolisten abwendet.
An dieser Stelle ist ein – aktueller – Hinweis auf die Bruchsaler Redaktion der konservativen BNN nicht verzichtbar. Die überregional sichtbar gewordene Existenz eines alternativen (Meinungs-) Mediums verstärkt offenbar den Behauptungswillen des lokalen Monopol-Printmediums. Leserbriefe, die der BNN zugehen, werden schon mal nicht veröffentlicht, wenn sie zuvor in Bruchsal-org zu finden waren. Ganz nach dem Motto: wer nicht exklusiv die BNN bedient, den schieben wir aufs Abstellgleis.
Ein bisschen mehr Souveränität und Print-Verantwortung sollte man von dem Mann schon erwarten.
Was die ZEIT betrifft:
Wer gerne das Wort Provinz buchstabiert, der neigt ein wenig zur Selbstüberschätzung. Die Wahrheit ist nicht nur in Hamburg zu Hause.
Nun tröstet bei allem die Überschrift des Zeitmagazins. „Was wir Journalisten anrichten“. Da dürfen sich jetzt alle, die schreiben, angesprochen fühlen.
Jürgen Schmitt
N.S.
PANORAMA hat sich jetzt ebenfalls der Stadt bemächtigt. Der Beitrag ist schon abgedreht.
Hier gilt noch mehr: Globale Erkenntnisse toppen lokale Ereignisse. Ich freue mich schon auf das nächsten Aussagen-Einbau. Denn hier gilt noch mehr: Das angereiste Dreh-Team weiß schon vor der Anreise, was in den Sender muss.
Auch der Sendetermin steht schon fest. 28.4. Zum Glück bin ich dann im Urlaub.
Leserbrief-Sortierung
Aha: Leserbrief in bruchsal.org = Leserbrief Papierkorb BNN.
Gut zu wissen.
Wer bringt nun die Herren Essig, Kessler & Co. dazu, ihre Leserbriefe zuerst an bruchsal.org zu schicken?!
Verkannte Intention des Artikels
Die Kommentierer, die den ZEIT-Artikel hinsichtlich seiner mangelnden Recherche kritisieren, scheinen zu übersehen, dass die politischen Verhältnisse nicht das Thema oder die Intention des Beitrags sind. Das Thema ist vielmehr bruchsal.org als Alternative zu den etablierten Medien und die eingeschränkten Möglichkeiten der gedruckten Presse.
Die ZEIT-Leser, die sich dann im Weiteren für die Geschehnisse um den Bürgermeister interessieren, werden dann mit Sicherheit auch hierhin surfen.