Ein wunderschöner Autoausflug mit Papa

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Freitag, 6. August 2010 - 15:05

Ich trug mein Kopftüchlein und Dirndelchen so selbstverständlich wie eine echte Bauernmaid. Und meine Liebe zum Gockelhahn und zu der Muhkuh war viel ausgeprägter als die Zuneigung zum ganzen Karlsruher Zoo.

Ich erinnere mich noch so gut an eine Ausfahrt mit Papa, als sei dies simple Abenteuer gestern gewesen. Ich durfte alleine mit ihm über Land fahren, und das einzige was lief, war wieder einmal mein Plappermäulchen. Und mein Kopftüchlein wehte.

8c) Hugo90
Bei Papa brauchte ich nicht artig und still auf dem Nebensitz sitzen, sondern ich durfte auf dem bequemen Polster mit dem Allerwertesten hopsen und rutschen, was alleine schon ein Feiertag bedeutete. Nur, wenn ich mich zu weit aus dem Autofenster lehnte, zog mich Papa am Rockzipfel und sagte bloß: "Kind, du fällst noch einmal in den Straßengraben." Ich durfte singen und trällern und mit der Autohupe hupen und Papa meinte nur: "Heute bist du aber wieder ein schlimmer Wildfang. Am Abend wirst du dann todmüde ins Bett fallen."

Papa musste ein paar Besuche bei alten Bekannten machen, die mich zwar sehr langweilten, aber die Aussicht auf die Waldmeisterlimonade, das Erdbeereis mit Schlagsahne, die Kokosflockenmohrenköpfe und die Sofakissenbonbons ließen mich geduldig sein.

Irgendwo in einer Kleinstadt saßen wir dann unter einem großen, schattenspendenden Baum und ich trank Zitronenlimonade und aß einen Windbeutel und Papa erklärte, dass es in dem Café weder Mohrenköpfe noch Sofakissenbonbons gäbe und ich nun hochzufrieden alles trinken und essen sollte. Vis-à-vis war aber ein Kiosk, der mich nicht zur Ruhe kommen ließ, und ungeduldig baumelte ich mit den Beinen, denn viele bunte Lutscher leuchteten in verlockenden Farben zu mir herüber. "Ja, ja" sagte Papa, "heute sollst du einmal deinen Willen haben." Und anschließend kaufte er mir einen Mohrenkopf, einen Lutscher und ein Herzle-Geldbeutelchen aus rotem Leder, in das er ein paar Groschen tat. Und eine Kindersonnenbrille bekam ich auch noch! Ach, ich war selig! So war das also, wenn ich Papa für mich alleine hatte. Jeder Wunsch schien in Erfüllung zu gehen. Aber vor lauter Glück blieb ich an jenem Tag noch wunschlos glücklich.

Später bekam ich noch ein buntes Eis in einer Waffeltüte und hinterher noch etwas Bauchweh. "Du hast zuviel geschleckt," rügte Papa, aber er lachte verschmitzt dabei und sagte: "Ich bin ja auch immer ein Schleckermäulchen gewesen, mein Kind." Papa rauchte eine dicke Zigarre, und ich wundere mich heute noch, dass es mir damals im Auto doch nicht übel wurde.

Schneckennudel
"Du musst heute noch etwas Richtiges essen. Willst du eine Wurstsemmel haben?", fragte Papa und kam mit einer großen süßen Schneckennudel zurück. "Es gab nichts anderes" sagte er lieb und gab mir die Schneckennudel. Papa musste alle guten Anlagen von Oma geerbt haben, denn der Speiseplan des Tages hätte von ihr stammen können. Nie vergesse ich die Heimfahrt. Im Schneckentempo verzehrte ich die Schneckennudel, und ich beobachtete die Wiesen, die Kühe, den Himmel, die Wolken, die Telegraphenmasten, die Häuser und Papas dicke Zigarre.

"Das Kind hat sicher heillos alles durcheinandergegessen" sagte Mama, die meine Appetitlosigkeit beargwöhnte. Ich schlang glücklich meine Ärmchen um Papas Hals. Einen ganzen Tag durfte ich all das machen, was ich sonst nie machen durfte: Viele Wünsche äußern.

© Barbara Mitteis

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