Wiedervorlage: Gedenktag

DruckversionPer e-Mail versenden
Historische Kommission statt neuer Agenda-Gruppe
Freitag, 12. März 2010 - 17:18

In ihrem Grußwort im jüngsten Amtsblatt hat die Bruchsaler Oberbürgermeisterin anscheinend die Kritik, die in bruchsal.org zur Kranzniederlegung am 1. März veröffentlicht wurde, aufgenommen und die Bevölkerung aufgefordert, sich Gedanken zu machen, wie künftig der 1. März gestaltet werden kann. Das ist neu und zu begrüßen, dass Kritik, auch wenn sie kompromisslos formuliert ist, nicht als Majestätsbeleidigung aufgefasst, sondern konstruktiv aufgenommen wird. Das bestätigt die Herausgeber von bruchsal.org und viele Autoren in ihrem Vorhaben, die Kommunalpolitik in Bruchsal kritisch zu begleiten, weiter den einen oder anderen Denkanstoß zu geben und allen in dieser Stadt ein offenes Diskussionsforum zu bieten.

Zum Thema selbst: Es braucht nicht unbedingt einer neuen Agenda-Gruppe. Es gibt ein Forum für solche Diskussionen, das allerdings eingeschlafen ist: die Historische Kommission. Sie wurde einmal auf Initiative des damaligen Stadtrats Schnatterbeck ins Leben gerufen, um die Defizite in der Geschichtsschreibung der Stadt aufzuarbeiten. Dieser Vorsatz ist allerdings nur teilweise umgesetzt worden, die Historische Kommission hat sich mit den historischen Fragen eher einseitig befasst, sie war auch über lange Zeit auch recht einseitig besetzt und vor 20 Jahren schon Gegenstand manch einer hitzigen Debatte. Versuche, auch kritische Zeitgenossen, z.B. den damaligen Arbeitskreis Bergfried in die Kommission aufzunehmen, sind am Widerstand der Mitglieder der Historischen Kommission gescheitert oder zumindest am Widerstand ihrer Führungspersonen. OB Bernd Doll, das muss gesagt werden, hatte sich nach langem Streit dafür eingesetzt, die Kritiker der Historischen Kommission einzuladen, in ihr mitzuarbeiten. Er scheiterte, auch das muss gesagt werden, mit seinem Versuch an der Drohung einiger weniger die Kommission dann zu verlassen. Diesen Preis wollte er nicht bezahlen.

Es wäre doch jetzt sinnvoll diese Kommission wieder zu beleben, mit alten und mit neuen Mitgliedern und dort zunächst einmal all die Themen zu benennen, die noch einer historischen Aufarbeitung bedürfen. Und Vorschläge zu erarbeiten, wie künftig sowohl des Datums 1. März als auch anderer Themen und Anlässe der Bruchsaler Geschichte angemessen gedacht werden kann. Zwischen der Machtergreifung Hitlers und dem 1. März gibt es noch genügend, was aufzuarbeiten wäre. Ob das unter dem Schirm des Agenda-Prozesses besser aufgehoben ist, sei's drum. Hauptsache, die Themen werden endlich aufgegriffen und vorurteilsfrei behandelt.

Noch keine Bewertungen vorhanden
Inhalt abgleichen Inhalt abgleichen