Weltpremiere beim Jazzclub Bruchsal im Schlachthof
Nun soll ich also eine Kritik zu dem gestrigen Konzert schreiben. Dabei bin ich gar kein ausgewiesener Jazzkritiker, sondern ein stets neugieriger Besucher, der mit offenen Ohren und Augen die Konzerte beim Jazzclub im Schlachthof und anderen Ortes verfolgt.
Der Bericht eines ausgewiesenen Jazzkritikers würde vielleicht so anfangen: "Skalen mit dem symptomatischen Intervall der übermäßigen Sekunde sowie das phrygische Tongeschlecht verloren nicht an exotischem Reiz." Und? Haben Sie das verstanden? Nein? Ich auch erst nachdem ich das Fachlexikon bemühte.
Der Jazzclub hatte also vier Jazzpreisträger des Landes Baden-Württemberg zu einem Konzert eingeladen. Einerseits mutig, denn niemand wusste so richtig im Vorfeld, was ihn am Konzertabend erwarten würde. Andererseits aber musste der Fachjury, die die Preisträger jährlich auslobt, volles Vertrauen in ihr Urteil gegeben werden. Und dieses Vertrauen wurde voll und ganz erfüllt.
Da kamen die Herren Bodek Janke (drums & percussion), Axel Kühn (Kontrabass), Peter Lehel (Saxophone) und Thomas Siffling (Trompeten) am Nachmittag zusammen, stellten jeweils den anderen zwei ihrer eigenen Kompositionen vor und dann wurde über diese vorliegenden Noten arrangiert und improvisiert. Das war am Nachmittag.
Und am Abend? Ich gehe davon aus, dass keiner der zahlreichen Zuschauer bemerkt hätte, wäre es nicht angekündigt gewesen, dass diese Jazzer das erste Mal in dieser Besetzung gemeinsam auf der Bühne standen.
Ein virtuoses Solo jagte das andere. Die Musiker trieben sich gegenseitig zu Höchstleistungen an und hatten sichtlich genauso viel Spaß, wie das Publikum.
Ein sentimentales, ganz feines ruhiges Solo in "Open eyes" von Thomas Siffling auf der Trompete (mit Schalldämpfer) begleitet vom sensiblen, butterweichen, einschmeichelnden Sopransax des Peter Lehel, dem (fast nur) gestreichelten Cajon von Bodek Janke und dem zart gespielten Kontrabass von Axel Kühn war die eine Farbe der Kompositionen. Die andere Farbe enthielt dann wieder furiose Soli der beiden Bläser, die auch mit wunderbaren Bläsersätzen brillierten. Natürlich stets souverän begleitet vom einfühlsamen Kontrabassisten Axel Kühn, der wiederum in seinen Soli in brillanter Technik förmlich mit den Fingern über die Saiten tanzte. Bodek Janke, der einigen schon durch frühere Auftritte im Schlachthof bestens in Erinnerung ist (genauso wie Axel Kühn am Kontrabass) bleibt ein Phänomen. Seine Mimik verät: er lebt jeden Rhythmus aus, er tanzt ihn und ist dabei unheimlich kreativ am Drum Set, wie auch mit den vielen kleinen Perkussionsinstrumenten, die er im Laufe des Abend einsetzt. Besonders erwähnenswert sei hierbei seine Komposition "Smile for you", in der er mit afrikanischen Rhythmen, aber auch als afrikanischer Gesangskünstler überzeugt.
Die über 100 Zuschauer waren entzückt, verzückt und forderten euphorisch Zugaben, die die "Ba.-Wü. Jazz All Stars" auch mit zwei Zugaben (z.B. mit "A Thief in the temple" von Prince) groovig einlösten. Einfach phantastisch. Lieber Jazzclub, mach weiter so! Weltklasse in Bruchsal!
Für die Chronisten unter Ihnen seien hier noch die einzelnen Kompositionen der Beteiligten vorgestellt:
"Rainbow Bubbles" und "Search" von Peter Lehel
"Living in balance" und "Night life" von Axel Kühn
"Open eyes" und "One hand clapping" von Thomas Siffling
"Smile for you" und "12/17" von Bodek Janke
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Fotografie: Gaby Krass
Ba-Wü Jazz All Stars beim Jazzclub Bruchsal
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Kommentare
Bravo
Kein ausgewiesener Jazzkritiker? Also ich habe keinen Unterschied gemerkt. Die Kritik kommt gut gemacht und derart professionell rüber, daß man Herrn Wallisch ein gewisses Understatement unterstellen kann. Ich kann nur sagen: "Bravo, well done", und ich bin jetzt schon gespannt auf weitere Kritiken.