Wasser ist Leben
Am Donnerstag, den 21.07.2011 besuchte eine fünfte Klasse des Paulusheims das Wasserwerk Bruchsal im Büchenauer Wald bei Karlsdorf (das alte Wasserwerk befand sich in der Hochstraße, s. auch Beitrag: http://www.bruchsal.org/story/das-alte-wasserwerk-von-bruchsal), um den im Unterricht durch genommenen Stoff "Wasserkreislauf" zu vertiefen und um einmal hinter die Kulissen der Bruchsaler Trinkwasseraufbereitung zu schauen.
Unser Wasser kommt aus dem Wasserhahn. Mehr braucht man eigentlich nicht zu wissen, um nicht zu verdursten. Aber wo kommt es eigentlich her? Die Erde war doch mal ohne Wasser. Sintflut? Ja, denn es muß Millionen Jahre geregnet haben, um alle unsere Ozeane mit Wasser in heutiger Form zu füllen. Wasser soll es aber schon immer auf der Erde gegeben haben, nämlich im Erdinnern, da im Staub, aus dem sich die Erde gebildet hat, genügend Wasser vorhanden gewesen sein soll, so eine Theorie. Das Wasser gaste aus dem größtenteils flüssigen Magma aus, mit Abkühlung der Erde und Bildung einer festen Erdkruste kam es durch Vulkanismus zur weiteren Kondensation von Wasserdampf und zur Bildung von Ozeanen - durch Jahrmillionen langen Regen. Eine andere Theorie besagt, dass der überwiegende Teil des heutigen irdischen Wassers aus den äußeren Bereichen des Sonnensystems stammt, und zwar von einigen im äußeren Asteroidengürtel geformten Protoplaneten, die, stark wasserhaltig, auf die Erde stürzten (Quelle: Wikipedia). Auch hier wieder ein Verdampfungs- und Kondensationsprozeß mit einer Dauer von Millionen Jahren. Wenn man bedenkt, dass die Erde über 4 Milliarden Jahre alt ist, ist das ein Klacks. Übrig geblieben ist ein Wasserkreislauf: Verdunstung, Wolkenbildung, Niederschlag, Versickern im Erdreich, Bildung von Quellen, Bächen und Flüssen, Verdunstung über großen Wasserflächen. Es gibt aber noch einen zweiten Wasserkreislauf, nämlich den im Wasserwerk.
Vorab: Die Bruchsaler beziehen kein Wasser vom Bodensee, sondern durch eigene Brunnen, nämlich aus Tiefbrunnen im Büchenauer Wald und in der Hardt in unmittelbarer Nähe des Wasserwerks Bruchsal bei Karlsdorf.
Das Wasser stammt aus einem historisch bedingten Grundwasserleiter im Oberrheingraben. Was ist Grundwasser? Zur Erinnerung: “Wasser versickert im Boden und sucht sich seinen Weg durch zahllose Erd- und Gesteinsschichten. In diesen Gesteinsschichten werden Unreinheiten aus dem Wasser gefiltert. Dabei reichert es sich mit Mineralien an, die aus dem Gestein herausgelöst werden. Das Wasser sickert durch, bis es auf eine undurchdringliche Schicht trifft. Oberhalb dieser Schicht sammelt sich das Wasser und staut sich als Grundwasser. Oder es bahnt sich seinen Weg an die Oberfläche und tritt als Quelle aus dem Boden. Grundwasser, das sich aufstaut und nicht an die Oberfläche gelangt, wird über Brunnenrohre nach oben gepumpt.” (Quelle: Broschüre der Energie- und Wasserversorgung Bruchsal GmbH). Die Stadtteile Heidelsheim und Helmsheim werden durch “Anzapfung” der “Bauschlotter Platte” versorgt, durch die zum Beispiel der Schwallenbrunnen jahrhundertelang gespeist wurde (das Versiegen des Schwallenbrunnens wird unter anderem auf die vielfältigen Wasserentnahmen aus der “Bauschlotter Platte” zurückgeführt, d. Verf.). Die Stadtteile Ober- und Untergrombach sitzen dagegen direkt an der Quelle, da die Wasserentnahme durch eine offene Quelle, die “Untere Weg Quelle”, erfolgt. Nun zurück aber zum “Zweiten Wasserkreislauf”: Bevor das durch Tiefbrunnen nach oben gepumpte Wasser zum Wasserhahn gelangt, muß es noch einige wichtige Stationen im Wasserwerk durchlaufen, es wird erst noch aufbereitet. Zunächst wird das eisen- und manganhaltige Rohrwasser in einem Oxydator mit zusätzlichem Sauerstoff angereichert. Danach erfolgt eine der Natur nachempfundene Filterung: Hierbei fließt das Wasser durch sechs riesige, mit Quarzkies gefüllte Kessel, wobei das Wasser in einem mikrobiologischen Vorgang von allen unzulässigen Schadstoffen befreit wird.
Diese Schadstoffe werden in einem Absenkungsbecken gesammelt (ca. 40 Tonnen im Jahr) und entsorgt. Nach der Filterung geht es noch durch das Entgasungsbecken, wo Kohlendioxyd ausgeschieden wird und der pH-Wert erhöht.
Nun ist die Wasseraufbereitung, der Wasserkreislauf im Wasserwerk abgeschlossen und das Wasser wird in die Hochbehälter gepumpt.
Diese haben die Aufgabe, das Wasser bis zum Verbrauch zu speichern (Fassungsvermögen 1 Hochbehälter: 4x soviel wie das Hallenbad Bruchsal, ca. 3.500 Kubikmeter) und für den entsprechenden Wasserdruck (ca. 5,6 bar) zu sorgen, damit es auch im 7. Stock eines Hochhauses noch aus dem Wasserhahn läuft. Bis zu ihrem Abruf in der Kernstadt pausieren ca. 9.4 Millionen frisches Trinkwasser in den fünf Hochbehältern (Langental, Kaserne, Weiherberg, Holzmann, Arzet). Die Ortsteile verfügen über eigene Hochbehälter, Büchenau bekommt sein Wasser übrigens vom Zweckverband Mittelhardt. Vom Hochbehälter fließt das Wasser in einem 225 km langen unterirdischen Netz zu rund 9.300 Hausanschlüssen. Ergibt sich noch eine letzte Frage: Wie steht es um die Wasserqualität? Laut ewb ist “das Bruchsaler Trinkwasser (Härtebereich 4) ein ‘guter Tropfen’!” Da es unser Grundnahrungsmittel Nr. 1 ist, ist es das bestgehütete und am besten überwachte Lebensmittel. Zu den Aufgaben des Wasserwerks gehört auch eine ständige Qualitätskontrolle, wobei diese bei der ewb noch über den gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen hinaus geht. Laut ewb werden "aus Messtellen in den Wasserschutzgebieten, aus Brunnen, Wasserwerken, Transportleitungen, Betriebs- und Hochbehältern und natürlich aus dem Verteilungsnetz regelmäßig Proben entnommen und in modern ausgestatteten Labors untersucht.” Pro Jahr führt das Wasserwerk Bruchsal mehr als 800 mikrobiologische und chemisch/physikalische Einzeluntersuchungen durch. Hinzu kommen eine einmal jährlich von einem unabhängigen Labor vorgenommene Vollanalyse sowie regelmäßige Kontrollen durch das Gesundheitsamt. Zu guter Letzt: Der Pro-Kopf-Verbrauch der Bruchsaler liegt bei 53 Kubikmeter jährlich, was einem täglichen Wasserverbrauch von rund 146 Litern entspricht, womit die Bruchsaler im Bundesdurchschnitt (120 - 150 Liter) liegen. Und: 27% gehen für die Toilettenspülung drauf, 36% für Körperpflege, 12% für Wäschewaschen und nur 4% für Essen und Trinken. Übrigens: Am Wassermeister des Bruchsaler Wasserwerks, Herrn Rolf Frank, ist ein hervorragender Pädagoge verloren gegangen, aber sehen Sie selbst (auf Full HD oder 1080p klicken):
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Kommentare
Wasser - Härtebereich 4
Hat eigentlich schon jemand die Kosten und Umweltschäden beziffert, die dadurch entstehen, dass man nicht mit Bodenseewasser mischt um z.B. auf den Härtebereich 2 zu kommen?
- der erhöhte Waschmittelverbrauch (Kosten und Umwelt)
- die verkalkten Geräte (Kosten und Umwelt)
- Reinigung von Kalkschleiern im Bad (Umwelt)
- der erhöhte Energieverbrauch durch Verkalkung (Umwelt)
- der Einsatz von Entkalkern (Umwelt)
Die Wasserqualität zu loben ist eine Sache, die Wasserhärte einfach abzutun eine andere.
Coli-Bakterien
Heute ist in der Zeitung zu lesen, dass das Trinkwasser in Potsdam-Babelsberg keine Coli-Bakterien mehr enthalte, wie die Berliner Stadtverwaltung und die Wasserbetriebe mitteilten. Die Quelle der Verunreinigung sollen offenbar drei tote Mäuse und ein toter Maulwurf gewesen sein, die in einem Hochbehälter gefunden worden waren. Unklar sei, wie diese in die unbeschädigten Hochbehälter gekommen seien. Die betroffenen etwa 10.000 Bürger wurden mit Handzetteln darüber informiert, dass sie ihr Trinkwasser nicht mehr wie in den vergangenen zwei Wochen abkochen müssen.