Warum haben Sie Ihren Job in Bruchsal aufgegeben?

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Ein Gespräch im IC 2367
Dienstag, 19. Januar 2010 - 15:39

Im Jahresrückblick des Amtsblattes Bruchsal vom 14. Januar 2010 war es zu lesen: Als Stadtkämmerer verabschiedet: Klaus Notheis. Beim Lesen dieser Nachricht erinnerte ich mich wieder meiner Zweifel, ob Herr Notheis tatsächlich die Stadt Bruchsal aus freien Stücken verlassen hat. War die Ernennung zum Präsidenten der Gemeindeprüfungsanstalt Baden-Württemberg tatsächlich Ausschlag gebend für sein Ausscheiden bei der Stadtverwaltung von Bruchsal?

Zufälligerweise traf ich Professor Notheis gestern früh im InterCity 2367 auf dem Weg nach Stuttgart. Ich kenne Herrn Notheis noch von seiner Tätigkeit an der Hochschule Kehl, an die er als einer der jüngsten Professoren Baden-Württembergs berufen wurde. Wir unterhielten uns ein wenig über Dies und Das. Dann stellte ich ihm die Frage, die mich schon lange umtrieb: „Warum haben Sie Ihren Job in Bruchsal aufgegeben?". Herr Notheis sah mich daraufhin lange an, ich spürte, wie er mit sich rang: „Wollen Sie das wirklich wissen?" „Natürlich will ich das wissen, Herr Professor Notheis!"

Wir waren allein im Abteil der 1. Klasse, so konnte Herr Notheis frei sprechen:

Milchmädchenrechner

"Auslöser für meine Verabschiedung von Bruchsal war ein Taschenrechner. Ja, jetzt gucken Sie ungläubig. Ein Taschenrechner! Und das kam so: Eines Tages, es war wohl im Spätjahr 2008, kam der damalige Bruchsaler Oberbürgermeister, Bernd Doll, mit einem verschwörerischen Schmunzeln in mein Büro und legte einen kleinen, gelben Taschenrechner auf meinen Schreibtisch. „Klaus", sagte er, „hiermit haben wir das Ei des Kolumbus in unseren Händen. Den Milchmädchenrechner. Mit dem sind wir nie mehr in den Miesen. Und der hat nur 480 Euro gekostet. Allerdings zuzüglich Porto. Hier können wir endlich Äpfel mit Birnen vergleichen, alle Fünfe grade sein lassen und als Schmankerl die Taste, mit der man „Pi mal Daumen" rechnen kann. Klaus, schau's Dir an. Jetzt haben wir unsere Haushaltsprobleme dauerhaft im Griff".

Nach diesem Geständnis sah mich Herr Notheis traurig an: „Wissen Sie, Herr Schmitt, ich bin schon innovativ. Unter meiner Leitung wurde in Bruchsal das erste Mal nach der Doppik bilanziert. Aber mit diesem Milchmädchenrechner wollte ich nicht arbeiten". Ich begriff Herrn Notheis und gab meinem Verständnis dementsprechend verbalen Nachdruck.

Wir waren unterdessen in Stuttgart angekommen. Ich verabschiedete mich vom Präsidenten der Gemeindeprüfungsanstalt, nicht ohne ihm weiterhin viel Erfolg bei seiner Tätigkeit und einen guten Rutsch ins Neue Jahr zu wünschen.

Sehr nachdenklich verließ ich den Stuttgarter Hauptbahnhof Richtung Königstraße.

Und hier kann der Milchmädchenrechner käuflich erworben werden:

ANTIPRENEUR-SHOP

Und vielleicht für unseren Ex-Oberbürgermeister die LUXUSUHR “PRIVATIER”. Das Geschenk, wenn Geld und Zeit keine Rolle spielen!

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Kommentare

Milchmädchenrechner

Vielleicht liegt es daran dass ich Jahrgang 1939 bin. Fühle mich aber immer noch ziemlich klar im Kopf. Nur, ich komm nicht darauf warum dieser Mann seinen Job in Bruchsal aufgegeben hat. Wegen eines Taschenrechners??
Wo ist hier die Pointe?? Kann mich jemand aufklären??

Ist es Satire???? wenn nein;

Ist es Satire????
wenn nein; armer Professor!
lehnt er solche Taschenrechner ab (hoffentlich nicht auf Steuerzahler Kosten gekauft) oder lehnt er Doll ab?
Es ist unglaublich was in dieser Stadt unter der Ära Doll passiert ist!!!

Vor einem knappen Jahr...

... lasen wir dies.
Es sollte nicht in Vergessenheit geraten.

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