Wann kommt die "Bernd-Doll-Avenue" ?
Der eine oder andere Brusler wird sich gerade noch daran erinnern können: Eben kam er vom Schaffen heim, fand wie gewohnt sein Bier im Kühlschrank, der Hund brachte die Schlappen und trotzdem wohnte er irgendwie woanners. Er selbst merkte es anfangs überhaupt nicht aber auf einmal hatte er überall heftigen Erklärungsbedarf: bei den Kumpels, bei der Bank, den Versicherungen, dem Arbeitgeber, beim Finanzamt und so weiter und so weiter und so weiter...
Warum er denn umgezogen sei, wollten (fast) alle wissen und bald hing ihm die Story zum Hals raus, gar nicht umgezogen zu sein, sondern ausgerechnet die Leute, die er gewählt hatte (oder nicht) hätten seinen virtuellen Umzug erzwungen! Man hatte ihn schlichtweg in Geiselhaft genommen. Ein paar zu viel hätten in einer Gemeinderatssitzung im falschen Moment den Finger gehoben und schon war er umgezogen, zumindest auf dem Papier. Seine ihm lieb gewordene Adresse war plötzlich anders, seine Straße war umbenannt.
Möglicherweise wohnte er jetzt in einer Straße mit dem Namen von einem, der ihm bereits im zarten Kindesalter Sand in die Augen geschmissen hatte oder der in der Schule die besseren Noten hatte weil er ohne Skrupel genial nur im Abschreiben war.
Das Damoklesschwert eines virtuellen Umzugs dürfte in absehbarer Zeit über jedem Einwohner der Brusler Kernstadt schweben. Denn zumindest zwei Straßen wurden in den letzten Jahrzehnten nach einem gewesenen Oberbürgermeister benannt.
Da vom gerade noch amtierenden die Fama ausgeht, schneller handeln als denken zu können (KSC-Stadion an die Autobahn bei Bruchsal...) scheint mir es sehr wahrscheinlich, dass der Faden am genannten Damokles-Schwert sehr dünn ist...
Ich habe ja eigentlich nicht die Hoffnung, dass auch in diesem Fall die Öffentlichkeit schneller ist als die Spezl des Häuptlings im Stadtrat.
Deshalb möchte ich eine öffentliche Diskussion vorschlagen. Thema: "Welche Straße soll demnächst in 'Bernd-Doll-Avenue' umbenannt werden?
Blitzartig ist mir zunächst die Balthasar-Neumann-Straße eingefallen. Die sieht seit weit über einem Vierteljahrhundert aus wie eine Buckelpiste. Hier wurde nur ab und an ein Schlagloch zugeschmiert und ein paar Inselchen aufgebaut, damit wenigstens die fittesten aller fitten eine kleine Überlebenschance bei der Straßenüberquerung hätten (rein theoretisch). Kübelweise hatte man Farbe für Radwegkennzeichnung vergossen und sie wegwittern lassen. Aber von den vielen vom Lärm und Dreck geplagten Mitbürgern der Balthasar-Neuman-Straße zu verlangen, ihre Adressen mit dem Namen dessen zu schmücken, der seit Jahrzehnten ihre Not gekannt aber nicht zumindest ein kleinklitzewenig gelindert zu haben, das kann nur ein wahrer Unhold tun! "Bernd-Doll-Avenue" anstatt 'Stadtgrabenstraße'? Für Außenstehende sicherlich eine sprachliche Aufwertung. Aber ob das die Anwohner auch so sehen? Schwupps standen eines Tages ein paar Schilder mehr herum und der "Innenstadtring" war geboren, mit all seinen Folgen.
Ich hätte da einen Vorschlag. Irgendwo im wilden Westen der Stadt, wo es die vielen Arbeitsplätze gibt, die versprochen aber nicht gekommen waren, wird sich ein ruhiges Eckchen finden, das sich, ohne all zu viele Leute ärgern zu müssen, auf "Bernd-Doll-Avenue" taufen ließe. Meint Google-Maps. An Sackgassen mangelt es da nicht gerade.
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