Von Himmelreich durchs Höllental
Deutschlands steilste Bahnstrecke mit bis zu 55 ‰ liegt im Südschwarzwald. Und ihr spektakulärstes Bauwerk ist die bekannte Bogenbrücke über die Ravenna-Schlucht, just im Steilstück. Am Ende ihrer 224 Meter sind volle zwölf Höhenmeter überwunden. Der steilste Stück war ursprünglich nur mit Hilfe einer Zahnrad- einrichtung sicher zu bezwingen. Auf der kurzen Strecke zwischen Himmelreich und Hinterzarten wird ein Höhenunterschied von 441 Metern überwunden. Mit Hilfe mehrerer, meist recht kurzer Tunnels und imposanter Stützmauern. Dieses Teilstück gehört zu den interessantesten Bahnstrecken in ganz Deutschland und führt vorbei am sagenhaften "Hirschsprung" an der engsten, klammartigen Stelle, die der Rotbach durch die Felsen schnitt.
125 Jahre alt ist die Höllentalbahn. Baudirektor war der bekannte Bahnbauer Robert Gerwig, der sich schon mit der Schwarzwaldbahn Offenburg – Singen, der Verbindung von Waldshut und Konstanz und der Nordrampe der Gotthardbahn Streckendenkmale geschaffen hat. Die mit rund 35 Kilometern kurze Gesamt- strecke von Freiburg bis Neustadt im Hochschwarzwald wurde im Mai 1887 eingeweiht.
Eine spannende Zeitreise aus der Gegenwart in die Geschichte der Eisenbahn- pionierzeiten des 19. Jahrhundert ist die Lektüre des neuesten Magazins vom EK-Verlag: 125 Jahre Höllentalbahn. Es darf – aber nicht ausschließlich – in Nostalgie geschwelgt werden. Der Streckenbau, die technischen Schwierigkeiten dabei und beim Betrieb in all den Jahren, auch alles was sich Besonderes an der Strecke seither getan hat, etwa der Bau des heutigen, zweiten Ravenna-Viaduktes von 1925 bis 1927, wird fundiert berichtet. Die Texte sind mit hervorragendem Bildmaterial ausgestattet. Es stammt zum Teil aus Sammlungen. Neuere Aufnahmen lieferten diversen Fotografen, überwiegend aber die Heft-Autoren Christian Wolf und Jörg Sauter. Ihre Fotos und Texte, die Bildauswahl und -zusammenstellung sind einfach erstklassig. Auch eingefleischte Bahnfans kommen mit Detailangaben wie reichlich Insiderbahnlatein voll auf ihre Kosten. Die Fülle des auf der Strecke eingesetzten Sonder-Lokmaterials, etwa von den ersten Maschinen aus Karlsruhe über das sogenannte „Deutsche Krokodil“ bis zur aktuellen Baureihe 143, beeindruckt, wie auch die Darstellungen mit einst obligatorischen Schiebeloks. Auch winterliche Aspekte wurden eingestreut. Das Heft ist ein Zeugnis akribischer Recherchen in allgemein verständlicher Darstellung.
Neben dem ausführlich beleuchteten Titelschwerpunkt gibt es weitere Kapitel. So eines über die Anschlussstrecke. Denn Neustadt blieb ja keineswegs Endstation. Zwar sind die Feierlichkeiten der DB terminlich bereits vorbei. Doch an der „Hinteren Höllentalbahn“, wie die jüngere Verlängerung von Neustadt nach Donaueschingen genannt wird, wird im August noch kräftig gefeiert. Dieser Streckenabschnitt trumpft auf mit Deutschlands größten gemauerten Brückenbogen über die Gutach mit satten 64 Metern Spannweite.
Auch seine Geschichte ist im Eisenbahnkurierheft in Wort und Bild ausführlich dargestellt. Fehlt noch die dritte Strecke, der Abzweig von der Station Titisee nach Seebrugg. Die „Dreiseenbahn“ durch reizvolle Seenlandschaften führt vom Titisee über den Windgefälleweiher zum größten Schwarzwaldsee, dem Schluchsee.
Doch nicht etwa nur Nostalgiedampfzugfahrten bescheren den Tagesurlaubern interessante Einblicke. Dies tut auch die normale Fahrt des „modern“ Reisenden, falls er den kenntnisreichen Artikel im EK-Heft „Eine Fahrt mit der Höllentalbahn“ als Anregung zur Hand hat. Dazu kommen abschließend noch Hinweise auf Eisenbahnnostalgie im Bahnhof Seebrugg sowie Tipps zum Jubiläums-Wochenende der IG 3-Seenbahn e.V. mit Lokparade und historischen Zügen auf allen drei Strecken am 11. und 12. August. Das Internet weiß mehr darüber.
EK-Themen 48, 125 Jahre Höllentalbahn, EK-Verlag, Freiburg, Bestellnummer 1875, ISBN 978-3-8446-1875-4, 11,80 Euro.
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