Von Griechenland und den Piraten
Die griechischen Schulden sind nach Einschätzung einer von der Regierung in Athen eingesetzten Expertenkommission "außer Kontrolle". Der Schuldenberg ist 350 Milliarden Euro hoch, davon stammen knapp 14,7 Milliarden aus dem ersten Halbjahr 2011. Für das Gesamtjahr waren ursprünglich nur 16,7 Milliarden geplant.
Selbst wenn wir Griechenland alle Schulden erlassen würden, müssten sie sich sofort wieder neu verschulden. Es ist ein Fass ohne Boden.
In der Bundesrepublik sind die Staatseinnahmen so hoch wie noch nie seit der Gründung. Trotzdem ist eine Neuverschuldung von 27 Milliarden geplant. Wie viel muss der Staat denn einnehmen, wenn Schulden abgebaut werden sollen? Wenn von einem ausgeglichenen Haushalt 2014 (bzw. 2016) gesprochen wird, werden ja noch keine Schulden getilgt. Nur keine neuen gemacht. Und darauf sind sie (wir?) auch noch stolz?
Und die im Grundgesetz festgeschriebene Schuldenbremse gilt nicht absolut. Es sind durch den Gesetzgeber detailliert Ausnahmen geregelt worden.
– In Art. 109 Abs. 3 S. 4, 115 Abs. 2 S. 2 GG ist vorgesehen, dass eine Kreditaufnahme bis zu 0,35% des nominalen Bruttoinlandsproduktes nicht unter das Verbot der Kreditaufnahme fällt. Es liegt also für den Bund eine Kreditermächtigung bis zu einer Summe von 8,6 Milliarden vor.
– Weiterhin können Kredite aus konjunkturellen Gründen aufgenommen werden, wobei die konjunkturellen Schwankungen im Auf- und Abschwung symmetrisch zu berücksichtigen sind, d.h. hier sind gar keine Grenzen gesetzt.
Ist doch clever, wenn man bei jedem Gesetz gleich die Schlupflöcher mit einbaut.
Aber die wirklichen Ursachen des Schuldenproblems geht keiner an. In der Geldwirtschaft wird nur durch Verleihen, Kaufen, Verkaufen, Spekulieren, Wetten mehr Geld verdient als in der Realwirtschaft. Und das schöne ist, für die horrenden Gewinne zahlen sie auch noch niedrigere bis gar keine Steuern. Nur der, der durch Arbeit Werte schafft, wird zur Kasse gebeten.
Gehen die Spekulationen aber mal in die Hose, dann zahlen auch hier wieder die braven Steuerzahler und ihre Nachkommen.
Ich kann nicht verstehen, dass es möglich geworden ist, an fallenden Börsenkursen durch Wetten Geld zu verdienen. Und deshalb ist es nicht verwunderlich, wenn Kurse durch Großverkäufe gezielt zum Fallen gebracht werden.
Wir regen uns gar nicht mehr auf, wenn die Bayern LB so schnell mal mit Kauf und Verkauf der Alpe Adria 4 Milliarden Verlust macht. Natürlich mit Zustimmung der Regierenden. Die sitzen im Aufsichtsrat und wenn es um die Verantwortung geht, haben sie von dem was sie taten keine Ahnung gehabt.
Und der „normale“ Arbeitnehmer wird mit gezielten Falschmeldungen zum Verzicht auf Lohnerhöhung, Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld usw. genötigt. Schaut man sich nämlich das Bruttoinlandsprodukt der letzten Jahre an, so stellt man fest, dass der Wert der erzeugten Waren und Dienstleistungen nur unwesentlich im Jahr 2009 gesunken ist. Im Gegenteil, wenn man durch niedrigere Löhne fast dasselbe BIP hat, dann müssen sogar mehr Waren und Dienstleistungen erbracht worden sein.
Quelle statistisches Bundesamt:
Jahr BIP
2005 2.224 Milliarden
2006 2.374 Milliarden +6,7%
2007 2.428 Milliarden +2,3%
2008 2.473 Milliarden +1,9%
2009 2.374 Milliarden -4,0 %
2010 2.476 Milliarden +4,3%
So, wie die Staaten wirtschaften, würde jeder Bürger und Unternehmer schnell in die Insolvenz fallen. Mit neuen Schulden die alten Schulden bezahlen. Das geht auf Dauer auch bei Staaten nicht gut.
Bei Diskussionen, dass wirklich Reiche oder Vielverdiener mehr Steuern zahlen sollen, kommt immer das Argument, dass diese sowieso schon den größten Teil an Steuern erbringen. Dann sollte man sich doch einmal die aufgeschlüsselten Steuern anschauen. Die Arbeitnehmer mit der Lohnsteuer zahlen die meisten Steuern s. http://de.wikipedia.org/wiki/Steueraufkommen_%28Deutschland%29.
Die Einkommensteuer beträgt nur ¼ der Lohnsteuer, oder hat ein Reicher schon mal Lohnsteuer bezahlt weil er abhängig beschäftigt war?
Am Sonntag sind Wahlen in Berlin. Der FDP werden verständlicherweise nur 3% prognostiziert (ZDF), aber den Piraten 5,5%. Quo vadis suffragator?
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Kommentare
Das Euro-Weichgeld wird scheitern
Gegen den erklärten Willen des Volkes und gegen das Grundgesetz wurde zum 01. Januar 1999 die weltweit erfolgreichste deutsche Währung abgeschafft. Als Ergebnis politischer Willkür wurde eine mit allen Unsicherheiten behaftete Euro-Währung eingeführt. Längst geht es beim Euro nicht nur um den Verlust der Geldwertstabilität und um deutsche Zahlungen und Finanztransfers in die südlichen EU-Staaten. Immer dramatischer kommen als Folge der Währungsunion Einkommensverluste, die Vernichtung von Arbeitsplätzen und massiver Sozialabbau an die Öffentlichkeit. Nach wie vor findet eine Massenzuwanderung von unqualifizierten und unqualifizierbaren Arbeitskräften statt. Im Ergebnis sind heute ca. 40 Prozent der als Sozialausgaben ausgewiesenen Leistungen keine echten Sozialleistungen, sondern Subventionen für die Einwanderung. Obwohl die die Sozialleistungen für die deutsche Bevölkerung abgesenkt werden, sinken die Lohnnebenkosten nicht.
Durch den Euro wird eine extreme Globalisierung gefördert, Handwerk und Mittelstand zahlen die Zeche. Die Folge ist höhere Arbeitslosigkeit bei geringerer Stabilität des neuen Geldes. Unsere Wohlfahrts- und Sozialpolitik – Deutschland war hier weltweit turnierführend – wird unter diesen Bedingungen nicht mehr möglich sein.
Verlierer der Währungsunion sind die Arbeitnehmer, die kleinen Leute. Sie zahlen den Preis in Form von Niedriglöhnen, Lohnverzicht, Sozialabbau und der Anpassung an niedrigere Sozialstandards. Die Landtagsfraktion der (XXX) in Baden-Württemberg hat als einzige Fraktion in einem deutschen Parlament immer wieder Entschließungsanträge eingebracht, die das Ziel hatten, die Währungsunion zu verhindern oder wenigstens zu verschieben. SPD und Grüne, FDP und CDU haben immer dagegen und für den Arbeitsplatzvernichter Euro gestimmt. Sie sahen das Scheitern des Eurogeldes voraus.
Daß unterschiedliche Völker nicht in eine gemeinsame Währung-Zwangsjacke gesteckt werden können, zeigt das Beispiel Jugoslawien und seine einstige Währung Dinar. Nicht zuletzt der wirtschaftlichen Ressourcen unter den einzelnen Völkern und das Empfinden, jahrzehntelang ausgebeutet zu werden, war einer der Auslöser für den Krieg auf dem Balkan. Das wollen wir nicht auch noch erleben!
Die Privilegien der Griechen:
-74 Staatsunternehmen gibt es, die meisten erwirtschaften Verluste
-40.000 unverheiratete oder geschiedene Töchter von Beschäftigten des öffentlichen Dienstes erhalten nach dem Tod der Eltern deren Pension weiter
-Vor Erreichen des 50. Lebensjahres können Staatsbedienstete in den Ruhestand gehen und erhalten ein Pension
-1.300 Euro pro Monat können Staatsdiener durch Extra-Boni hinzuverdienen. Extrageld gibt es etwa für die Nutzung des Computers, das Beherrschen einer Fremdsprache oder das pünktliche Erscheinen am Arbeitsplatz.
-14 Monatsgehälter beziehen alle Beschäftigten in Griechenland
-10.000 Griechen sitzen in obskuren staatlichen Gremien und kosten 100 Millionen Euro jährlich
Zitat: Wenn von einem
Zitat:
Wenn von einem ausgeglichenen Haushalt 2014 (bzw. 2016) gesprochen wird, werden ja noch keine Schulden getilgt. Nur keine neuen gemacht. Und darauf sind sie (wir?) auch noch stolz?
Wer "alte" Schulden hat und keine neuen macht, ist irgendwann Schuldenfrei, es sei denn, er stellt die Rückzahlung der Schulden ein.
Somit ist ein ausgeglichener Haushalt ein automatischer Schuldenabbau.
Verwirrungen
Der Kommentar stiftet reichlich Verwirrung.
@filou
Zwei exemplarische Beispiele :
1. Mehr BiP real in 2009?
Können Sie drehen und wenden wie Sie wollen, das ist keineswegs der Fall. Ihre angeführte Destatis Statistik zeigt das von Ihnen behauptete nicht.
2. In der "Geldwirtschaft" wird mehr verdient, als in der Realwirtschaft.
Bei allem Verständnis für die Kritik am Finanzsektor: nein!
@nichtern
Schöns wärs, Ihre Behauptung träfe zu.
Aber: was ist mit Deflation oder/und schrumpfendem BIP?
Ein Wirtschaftsfachmann bin
Ein Wirtschaftsfachmann bin ich ja nun nicht, aber...
zitat:
@nichtern
Schöns wärs, Ihre Behauptung träfe zu.
Aber: was ist mit Deflation oder/und schrumpfendem BIP?
Was bitte hat Defaltion und Brutto Inlandsprodukt damit zu tun?
Ich nehme einen Kredit auf... Laufzeit 10 Jahre.
In dieser Zeit nehme ich keine neuen Kredite auf. Somit bin ich nach 10 Jahren Schuldenfrei. Dabei kann es mir egal sein, ob nun eine Inflation, eine Deflation stattfindet oder das BIP steigt / fällt.
Worüber man diskutieren kann, ist darüber ob das klappt oder nicht ohne neue Schulden aus zu kommen. Ich glaube eher nicht. Die grundgesetzlich festgehaltene Augenwischerei wird daran auch nix ändern.
Das Dingen nennt sich auch "Schulden-Bremse" und "Bremsen" ist ungleich "Anhalten". Es bedeutet nur, das der Schuldenaufbau verlangsamt wird, nicht gestoppt!
@ Michael Nichtern
Zitat: "Somit ist ein ausgeglichener Haushalt ein automatischer Schuldenabbau".
Schön wär's :-(
Im Gegensatz zur Schweizer Schuldenbremse, deren Name für die deutsche Variante Pate stand, ist die deutsche Schuldenbremse keine Budgetregel, die auf einer Rückführung der aufgenommenen Kredite besteht. Es soll lediglich die maximale Höhe der Nettokreditaufnahme weiter reduziert werden.
Die bisher (und auch weiterhin) gültigen Budgetregeln für Deutschland sind im europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt des Maastricht-Vertrags festgelegt. Das sogenannte Maastricht-Kriterium erlaubt eine maximale Nettokreditaufnahme in Höhe von 3,0 % des Bruttoinlandsproduktes. Dabei sind Ausnahmen für konjunkturell schwache Zeiten vorgesehen, die bereits mehrfach in Anspruch genommen wurden.