Von einem Girlie und von einer beleidigten Leberwurst
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Kommentare
Hier wie anderswo...
stelle ich gerne die Möglichkeit in Rechnung, dass ich mich irren könnte.
Allerdings halte ich die jetzt allenthalben um sich greifende Spontanerklärung des Geschehens mit "Beleidigtsein" für in ihrer Oberflächlichkeit ebenso überraschend wie letztlich wenig überzeugend - auch wenn dies namhafte Kommentatoren wie z. B. gestern der ZDF-Chefredakteur Peter Frey zugrundelegen.
Es ist, dies gebe ich nach einem Tag des Grübelns gerne zu, die erste ins Hirn schießende Reaktion. Muss es damit die richtige sein? Insbesondere wenn mann bedenkt, dass die Kommentatoren - stimmt ihre Deutung denn - mit einer Sache recht haben würden:
Der Bundespräsident würde, wenn er sich tatsächlich nur zum Opfer seiner persönlichen Verletztheit gemacht haben würde, genau in die von ihm beklagte Kerbe hauen und seinerseits - und zwar vehement und wohl auch vorsätzlich - das Amt beschädigen, um dessen Respektswahrung willen er zurücktritt.
Aus diesem Grund halte ich diese Deutung für zu kurz gesprungen.
Richtig ist, dass der Rückzug gerade in einem Moment, in dem die aktive Politik seit Monaten Ihren Auftrag verweigert, während rings im Land und drum herum die eines Herakles würdigen Aufgaben nahezu täglich neu entstehen, die Situation der Handelnden nicht vereinfacht.
Doch weigere ich mich bis zum Beweis des Gegenteils, dem geschiedenen Präsidenten hier einen bewussten "Sabotageakt" zu unterstellen. Es muss seinem Schritt nach meinem Dafürhalten noch eine andere Botschaft zu mitgegeben gewesen sein als die nackte Indignation über die Reaktion auf sein Interview. Und ich hoffe, dass sich außer mir noch andere bemühen, dieser auf die Spur zu kommen.
Es könnte, so ein etwa denkbarer Vorschlag, sich um die Botschaft gehandelt haben, dass es einem Bundespräsidenten wie jedem anderen Diskussionsteilnehmer möglich sein muss, an der politischen Debatte mit der Zubilligung eines Mindestmaßes an gutem Willen teilzunehmen. Mit dem berechtigten Anspruch, mit anderen Worten, von den anderen Teilnehmern, und sei es dem anderen politischen Lager, nicht vordefiniert und gleichsam mit Gewalt um der jeweils eigenen Position willen missverstanden zu werden.
Im Falle des Bundespräsidenten könnte auch formuliert werden: Den Inhaber um des Amtes willen nicht den sonst gängigen Infamitäten des parteipolitischen Schlagabtauschs auszusetzen.
Denn wie viele Appelle, "Ruckreden" und sonstige Versuche, im wimmelnden Tagesgeschäft gehört zu werden, sollen noch ungehört verhallen. Meine Theorie - die wie gesagt nicht stimmen muss, die ich aber um des Menschen Köhler willen anbieten möchte - ist, dass er seinen so lautenden Appell aus Verzweiflung mit dem jetzt erlebten Paukenschlag verbinden musste, um unter Umständen für einen Nachfolger bzw. eine Nachfolgerin ein anderes Klima der Empfänglichkeit für Signale von jemandem zu schaffen, der zwar dem großen Umfeld des Politikbetriebs wohl angehört, aber sein oder ihr "Agieren durch das Wort" in anderer Gangart als sonst im politischen Betrieb üblich anzubringen hat.
Aha...
Nun Herr Bühler, Sie werkeln da aber auch ganz schön in Mutmaßungs-Untiefen, die man erst mal zwei bis drei Mal lesen muss, bis sich einem in etwa Ihr Ansinnen erschließt.
"Es muss seinem Schritt nach meinem Dafürhalten noch eine andere Botschaft zu mitgegeben gewesen sein als die nackte Indignation über die Reaktion auf sein Interview. Und ich hoffe, dass sich außer mir noch andere bemühen, dieser auf die Spur zu kommen."
Das haben Sie allerfeinst formuliert, der gelernte Jurist dampft aus allen Ihnen geschliffenen Formulierungen - nur wird es dadurch nicht wahrer oder zumindest erhellender.
Und bitte seien Sie jetzt nicht indigniert. Es ehrt Sie durchaus, dass Sie sich Sorgen um den "Menschen Köhler" machen.
Nein...
... ich bin nicht indigniert. Und hatte ja auch nicht damit gerechnet, dass MItsucher nach schlüssigeren Erklärungen als den bislang angebotenen jetzt von den Bäumen fallen würden.
Auf zumindest vereinzelt anzutreffende Bereitschaft, sich vom vorgefassten - und möglicherweise am ehesten mit dem eigenen Weltbild vereinbaren - Begriff von "Wahr" bzw. "Nicht wahr" unter Umständen wieder lösen zu können, hoffe ich nach wie vor.
Letzteres sind Ihre Begriffe. Ich halte in diesem Zusammenhang die Kategorie der Wahrscheinlichkeit für zielführender. Und Erhellung, die Sie fordern, kann nur eintreten, wenn man sich auf das Angebot einlässt.
Ich weiß, ich weiß: Besinnungsaufsatz. Aber in der Woche, in der ich Ihnen das WzM schuldig geblieben bin, wird mir das nicht den Schlaf rauben.
Zustimmung
Dieser Brusella-Kommentar spricht mir aus dem Herzen. Sehr treffend die letzten 2 Tage in unserer Bundesrepublik beschrieben. Unser neues Bundes-Lenchen kann wirklich dankbar sein, dass der überbordende Medienhype auf allen Kanälen (sogar Phoenix übertrug eine Live-Pressekonferenz) daß dann gestern unser Bundes-Horst auf einmal sein Amt hinschmiss. Hätte er doch wirklich im letzten Jahr schon die Größe gehabt auf eine 2. Amtszeit zu verzichten und die famose Gesine Schwan völlig überparteilich als Nachfolgerin vorzuschlagen, dann wäre er mit Würde und Anstand in die deutsche Geschichte eingegangen. Dieser Abgang gestern fördert unsere Demokratiekultur in keiner Weise. Die Kabarettisten werden sich freuen - Stoff ohne Ende. Und dann folgt ja auch noch die Fußball-WM - wenn das kein heißer Juni wird.