Vom "Knopfe Eck" der Geschwister Knopf übers "Kaufhaus Schardt" hin zum "Schneider" und jetzt zum "Jost"
Das Warenhaus Geschwister Knopf war eine Kaufhausgruppe mit Sitz in Karlsruhe und weiteren Filialen in Bruchsal, Mannheim, Pforzheim und Rastatt. Die Kaufhausgruppe entstand aus einem Leinen-, Wäsche- und Weißwarengeschäft in der Karlsruher Kaiserstraße 147. Nachdem Max Knopf mit seiner Schwester Johanna den Familienbetrieb übernahm, gliederte er bis 1905 die vier oben genannten Filialen an. Daneben bestand noch eine Niederlassung in Luxemburg.
Das Bruchsaler Warenhaus Geschwister Knopf war bei den Bruchsalern wegen seiner Lage bekannt als das "Knopfe Eck" und war unter anderem ein beliebter Treffpunkt für Verliebte. Im Bruchsaler Kaufhaus Geschwister Knopf waren ständig zwischen 30 und 35 Personen beschäftigt.

Hinter dem Kaufhaus Geschwister Knopf das Modewaren- und Wäschegeschäft Weißbrod. Vorne links die Buchbinderei Heinrich Katz, hinten links das Confectionshaus Gebr. Geisler. Aufnahme ca. 1910.
Die Kaufhäuser der Familie Knopf wurden 1938 arisiert. Das Kaufhaus Knopf in Karlsruhe wurde nach der Enteignung von der Hölscher KG übernommen (siehe obige Werbeanzeige) und "nach echten deutschen Kaufmannsgrundsätzen ... weitergeführt". Das Bruchsaler Kaufhaus Knopf ging nach der Arisierung auf den langjährigen Einzelprokuristen des Warenhauses, Fritz Schardt, am 4. September 1938 über und firmierte fortan als "Kaufhaus Schardt & Co".

Am 1. März 1945 wurde das Kaufhaus Schardt, vormals Geschwister Knopf, zerstört. Die Türe hinter dem Leiterwagen führt zu den Räumen der Sattlerei Joh. Bohleber. © Stadtarchiv Bruchsal / Sammlung Dr. Krauth

Ein Foto aus dem Jahre 1953 (?) "SOMMERSCHLUSSVERKAUF - Alle können billig kaufen". Die Fenster des Kaufhauses im 1. und 2. Obergeschoss sind mit üppigem Blumenschmuck verziert.

Dieses Foto stammt wohl aus der Mitte der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Das oberste Stockwerk im hinteren Eckhaus Kaiserstraße / Friedrichstraße ist noch nicht verputzt. In diesem Gebäude befand sich die Praxis des Bruchsaler Augenarztes Dr. Graf. Lediglich ein Auto ist auf dieser Aufnahme zu sehen; im Hintergrund, kurz vor dem Rathaus. Ansonsten sind die Straßen autofrei.

Ende der 50er, Anfang der 60 Jahre. Am Eckhaus rechts prangt jetzt die Leuchtschrift SALAMANDER, am Eckhaus dahinter die dreidimensionale Beschriftung SIEGELE, in Schreibschrift, wie es damals modern war.

Eine interessante Aufnahme aus den 60ern. Der Schriftzug "Schneider" fehlt ebenso wie die Blumenkästen.

Aufgenommen Mitte der 60er Jahre. Blick aus dem Kaufhaus Schneider auf den Schönbornplatz mit dem Nierles-Brunnen. Ladenzeile links: Schuhhaus Matt, Ott & Braunbarth, Winterhalter, Huck, Mohren-Apotheke, Kruse & Kurzenberger

Eine Aufnahme aus den 70ern. So kennen wir das Kaufhaus Schneider noch heute. Allerdings nach wie vor mit dem nur leicht modifizierten Schreibschrift-Schriftzug aus den 50er Jahren. Damals gab es noch eine Fußgängerpassage hinter den Schaufenstern des Erdgeschosses.

Ein Foto von 1993 mit dem neuen "Schneider"-Schriftzug sowie dem neuen Logo oben rechts an der Fassade. Der Schönbornplatz wurde nach der Neugestaltung 1992 der Öffentlichkeit übergeben. Bruchsaler Rundschau: "Kosten waren niedriger als geplant. Brunnenanlage wurde weggelassen / Gasleitung und Kanal unter dem Platz überholt."
Mit einem langjährigen Mietvertrag hat die Firma Mode-Jost aus Grünstadt das vormalige "Knopfe Eck" von der Schneider-Grundstücksgesellschaft übernommen. Die Betreibergesellschaft wird den Kaufhausgedanken "alles unter einem Dach" nicht mehr aufgreifen, sondern einen Textil-Vollsortimenter mit Kleidung in Mittelpreislage betreiben. Die Eröffnung ist für März 2011 geplant, die Renovierungsmaßnahmen, die insbesondere auch eine neue Fassadengestaltung mit sich bringen werden, beginnen die nächsten Tage.
Mein Dank geht an Herrn Thomas Moos vom Stadtarchiv Bruchsal für die Zurverfügungstellung historischer Aufnahmen.
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Hervorragende Photos. Das Stadtarchiv ist unerschöpflich. Thomas Moos bietet demnächst wieder eine "Führung durch Alt-Bruchsal". Vielleicht könnte man hier auf Bruchsal.org des öfteren altes Photomaterial aus dem Stadtarchiv zeigen?