Der Versuch eines Einbruches

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Sonntag, 22. August 2010 - 20:27

Das Schlafzimmer unserer Wohnung hat einen direkten Zugang zum Balkon. Der Balkon befindet sich in etwa sechs Meter Höhe auf der Rückseite des Hauses in dem ich wohne und liegt auf der einen Seite auf einer kleinen Treppenanlage auf, die im Erdgeschoss in den Garten führt. Von dieser Treppenanlage hoch zum Balkon im 1. Obergeschoss sind es immer noch ca. vier Meter.

Vorvergangene Nacht schreckte ich morgens gegen ½ fünf Uhr auf. Laute Geräusche, die ich bisher noch nie gehört hatte, rissen mich aus meinem Schlaf. Laute wie schaben und kratzen an Metall drangen durch die offene Balkontüre an mein Ohr.

Schlaftrunken stand ich auf und ging durch die Balkontüre auf den Balkon. Zu sehen war nichts. Wie denn auch. Es war noch stockdunkle Nacht. Und nachdem ich auf dem Balkon stand, war plötzlich nichts mehr zu hören. Ich wusste aber, dass ich mich nicht getäuscht hatte. Es war kein Traum, der mich aus dem Schlaf schreckte.

Meine Augen hatten sich mittlerweile etwas an die Dunkelheit gewöhnt und ich schaute etwas genauer auf das Balkongeländer und sah: Eine Hand, die den Handlauf des Balkongeländers umklammerte. Der geneigte Leser wird vielleicht nachvollziehen können, dass mir nicht nur der Atem stockte. Auch mein Herzschlag nebst Puls nahmen etwas an Geschwindigkeit auf. Ich riss mich jedoch zusammen und sagte zu dem Körper, den ich unterhalb der Hand vermutete: „Was soll das?". Nach kurzem Augenblick kam eine Antwort aus dem Dunkeln in genervtem Tonfall: „Ich geh ja schon."

Dann waren lediglich noch einige scharrende Geräusche zu hören und eilige Schritte, die sich aus dem Hof heraus Richtung Straße bewegten. Von einem auf der Straßenseite gelegegenen Fenster beobachtete ich dann einen jungen Mann, vielleicht zwischen 17 und 20 Jahre alt, der in höchstem Tempo auf einem Fahrrad wegfuhr. Ich hatte - glücklicherweise - einen Einbruchsversuch vereitelt.

Danach musste ich erst mal durchschnaufen. Später machte ich eine Bestandsaufnahme, was denn hätte weg kommen können. Es wäre nicht viel gewesen. Ein kleiner Fotoapparat, mein Portemonnaie mit 25 Euro Bargeld, einer Kreditkarte, einer Geldkarte (deren Geheimzahl ich selbst nicht mal kenne) und meinem Personalausweis, ein drei Jahre alter Laptop sowie zwei Mobiltelefone vom Aldi für jeweils 49,98 Euro. Doch halt, auch meine Ehefrau hätte der Klettermaxe noch mit nehmen können - ob die aber so einfach bei ebay zu verscherbeln gewesen wäre weiß ich nicht.

Dieb

Was schlimmer wiegt als der eventuelle Verlust von Wertsachen ist jedoch die Tatsache, dass so eine Situation zutiefst verunsichert. Die eigene Wohnung ist doch der wohl wichtigste Rückzugsraum für einen Menschen.

Zwei Fragen beschäftigen mich immer noch: Was wäre gewesen, wenn ich nicht aufgewacht wäre? Hätte ich am nächsten Morgen eine durchwühlte und verwüstete Wohnung vorgefunden? Oder was wäre passiert, wenn ich aufgewacht wäre und in meiner Wohnung unvermutet ein fremder Mensch vor mir gestanden hätte?

Ab sofort bleibt die Balkontüre geschlossen.

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