"Das versteht kein Mensch"
Kurz vor Öffnung der Wahllokale noch ein Argumenteaustausch zu Stuttgart 21 in vorwärts.de, der Internetplattform des "Monatsblattes für soziale Demokratie".
Die ver.di-Gewerkschaftssekretärin Irmgard Tauss aus Kraichtal, Ehefrau von Jörg Tauss, diskutiert mit dem Verkehrsplaner Marc Perez das umstrittene Bauvorhaben „Stuttgart 21“. Dabei scheut sie sich nicht, den Landesparteitag der SPD in Offenburg anzusprechen: "Ich fand den Offenburger Parteitag wirklich erschreckend. Es wurde nicht diskutiert. Ich glaube, es wollte auch keiner diskutieren. Die Partei befindet sich in einer Schockstarre." Nicht nur auf diesem Parteitag zeigte sich wieder die Zerrissenheit der SPD. Die SPD-Mitglieder der Basis sind mehrheitlich gegen das Projekt, die Nomenklatura verweist gebetsmühlenartig auf dessen Sinnhaftigkeit (wir wollen keine 1,5 Milliarden Schadenersatz bezahlen).
Hier das Streitgespräch: 'Das versteht kein Mensch'
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Kommentare
das versteht kein Mensch? Machtfragen und Deckmäntelchen
Es gibt doch tatsächlich noch relativ sachliche Interviews zum Thema S21, wo auch beide Seiten wirklich zu Wort kommen. Mir scheint in diesem Fall der S21-Befürworter die überzeugenderen Antworten zu liefern. Ist eben Ansichtssache...
Sehr lesenswert sind Robert Leichts Einlassungen in der eher linksliberalen DIE ZEIT. Er stellt dar, weshalb der Bürger bei S21 vielleicht nur vermeintlich basisdemokratisch abstimmt, in Wirklichkeit aber insbesondere von der SPD vor den machtpolitischen Wagen gespannt wird:
Auszug:
"Weil zwei Parteien sich zwar auf die Machtfrage, nicht aber auf die Bahnhofsfrage einigen konnten. Das Volk ist in diesem Schwaben- (und Badener) Streich also wiederum nur dazu da, der exekutiven Opportunität ein basisdemokratisches Mäntelchen überzustreifen. Von wegen basisdemokratische Initiative!"
Der ganze Text bei:
www.zeit.de/2011/48/Plebiszit
Gute Argumente für S21
Ich kann in dem Streitgespräch keine sachlichen Argumente für Stuttgart 21 finden. Aber das liegt eindeutig an mir.
Und der französische Verkehrsplaner Perez kennt sich aus. In Stuttgart ist als Mittelpunkt Deutschlands ein Durchgangsbahnhof erforderlich. In Paris nicht, es liegt ja irgendwo am Rande der Pampa, oder nicht?
Gare du Nord (TGV) mit Zügen in Richtung Lille, London, Brüssel
Gare de l'Est (TGV) in Richtung Straßburg, Frankfurt, Stuttgart, Zürich
Gare de Lyon (TGV) in Richtung Süd-Ost: Lyon, Marseille, Genf, Turin
Gare d'Austerlitz (ehem. Gare d'Orléans) in Richtung Süd: Orléans, Limoges
Gare Montparnasse (TGV) in Richtung Westen und Süd-Westen: Nantes
Gare Saint-Lazare in Richtung Nord-Westen: Caen, Rouen (Normandie)
Alle sechs sind Kopfbahnhöfe und in der Regel Endhaltepunkte der Züge. Reisende, die in Paris nur umsteigen wollen, müssen dazu also immer mit der Métro oder RER (regionales Schnellbahnnetz, vgl. S-Bahn) von einem Bahnhof zum anderen fahren, denn durchgehende Züge gibt es nicht. (Siehe unter Pilzkonzept zur Lösung dieses Problems in Berlin und unter Brüsseler Nord-Süd-Verbindungsbahn die Lösung in Brüssel (Wikipedia, Liste der Pariser Bahnhöfe).
München, Hamburg, Berlin, Frankfurt, alle haben es begriffen. Nur die Stuttgarter Regierungen ……