Versorgungsstrukturgesetz - Anspruch und Wirklichkeit

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Auch 10.000 Euro Festgehalt reichen nicht!
Montag, 19. Dezember 2011 - 10:24

Über das Versorgungsstrukturgesetz sollen Anreize für niederlassungswillig Ärzte geschaffen werden, eine Praxis in Gegenden zu übernehmen, die man gemeinhin als "Land" bezeichnet.

Aber ich muss feststellen, dass es überhaupt keine Frage des Geldes zu sein scheint, ob man - subventioniert von Ländern und Kommunen - nun auf dem Land seinem ehrenwerten Beruf nachgehen möchte oder nicht, sondern vielmehr eine Frage der Infrastruktur, die das Land zum Land macht, was in BaWü ca. 70% der Landesfläche ausmacht.

So schrieb ein angehender Mediziner, dass ihm selbst "ein Festgehalt von 10.000 Euro nicht auf ´s Land" bringen würden, denn

(Zitat)

Ländliche Gegenden sind für mich persönlich abschreckend. Es gibt keine kulturellen Einrichtungen, äußerst beschränkte Einkaufsmöglichkeiten, praktisch nichts für die Freizeitgestaltung und was am aller schwersten wiegt: Trostlosigkeit in den meisten Gegenden. Die Kommunen sind oft hoffnungslos überschuldet und Investoren – Fehlanzeige.
So manche Region ist von Politik und Medien schon abgeschrieben worden und die Rechten und ihre Anhänger machen es sich gemütlich breit.
.........
Wenn sich die Politik nicht erstmal um die URSACHE der Scheu vor dem Land unter den Ärzten kümmert, wird man noch so viele Gesetze verabschieden können – es wird keiner freiwillig dort hingehen.

(:Zitat Ende)

Das habe ich erst für eine eigenwillige Einzelmeinung gehalten, aber weitere Ärzte tröten ins gleiche Horn.

Anscheinend braucht man nicht versuchen, Ärzte mit Geld auf ´s Land locken zu wollen. Wir müssen es schaffen, irgendwie städtisches Ambiente auch noch in die letzten Käffer zu bringen, die NPD muss verboten werden und um die Ecke muss ein Supermarkt mit Vollsortiment sein. Die Gemeinde darf nicht verschuldet sein, es sollte eine Oper geben und rund um die Uhr Halligalli herrschen.

Heute nun erhalte ich im gleichen Forum die Info, dass einer von 9 (!) Allgemeinmedizinern in Schrobenhausen (knapp 16.000 Einwohner) seine Praxis dichtgemacht hat und dazu diesen Text veröffentlicht hat.

Er trifft u.a. folgende Feststellungen

- Ehrlose, unanständige Kassenvertreter lügen schamlos

- Politiker, Sozialgerichte und gesteuerte Medien zerstören die Versorgung

- Ärzte werden diskriminiert und daran gehindert, die Patienten "uneingeschränkt"(!) zu versorgen

- das Erzwingen von Kostenersparnis ist zynisch und wird auch noch "in englische Schlagworte" verpackt

- von Computern gesteuerte widerstandslose Nichtärzte führen eine rücksichtslose Rastermedizin durch

 

Zu seinen Angriffen, die mich stellenweise stutzen bzw. schmunzeln ließen, nehme ich jetzt mal keine Stellung.

Aber irgendwo hört es für mich auf.

Zwar ist es noch so, dass der Arzt dort wohnen muss, wo er praktiziert, aber die Abschaffung der sog. "Residenzpflicht" ist praktisch nur noch eine Frage der Zeit.

Während der eine den Bettel hinschmeißt, weil er nicht "uneingeschränkt" Mittel aus dem Solidartopf abziehen darf und sich von "englischen Schlagworten" gegängelt fühlt, hat der andere schon gar keinen Bock, selbst für ein fettes Festgehalt den Landarzt zu geben.

Was also darf die Politik denn noch für die Damen und Herren Ärzte tun? Sagen Sie es nur! Falls Sie ein Fan der Ostsee wären, versuchen wir gerne, auch die für Sie zu organisieren. Gern bemühen wir uns auch um Südsee-Atmosphäre oder besorgen Ihnen den eigenen Gletscher zum Skifahren.

Und Sie bekommen eine unlimitierte Verfügung über Mittel aus dem Gesundheitsfond, damit Sie stets "uneingeschränkt" für Ihre Patienten sorgen können.

Reicht das dann?

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