Trauer?

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Bitte nicht nur für wenige
Sonntag, 20. November 2011 - 10:43

Babak Rafati hat einen Selbsttötungsversuch unternommen. Robert Enke hat ihn vollendet. Beide Male ein großes Bohai in den Medien. Sofort wird nach Ursachen gesucht. Bestechung, Steuerhinterziehung, Burnout und vieles mehr.

Machen wir uns eigentlich klar, wie viele Menschen in Deutschland jährlich einen Suizid vollenden? Im Jahr 2004 waren es über 11.000, im Jahr 2010 waren es über 9500. Das sind 30 bzw. 26 Menschen pro Tag, die sich selbst töten. Davon sind Männer etwa dreimal so oft betroffen wie Frauen.

Es gibt zwar keine verlässlichen Zahlen, aber die Anzahl der Versuche der Selbsttötung ist etwa 10 bis 15 mal so hoch.

Für mich ist jeder Mensch, ein Mensch. Um fast jeden trauern Vater, Mutter, Kinder, Freunde. Nach den Ursachen wird nur bei Prominenten gesucht. Wen interessieren schon die 300, die am selben Tag einen Suizidversuch mit oder ohne Erfolg unternommen haben?

Nur noch, was spektakulär ist, ist interessant. Wen interessiert schon der Familienvater, der keine Arbeit mehr bekommt? Der sich schämt, und den Tag umhergeht, damit niemand merkt, dass er arbeitslos ist? Wen interessiert schon, wenn die Arbeit so schlecht bezahlt wird, dass man nicht davon leben kann? Wen interessiert schon, wenn Menschen gemobt werden. Die Wissenschaft spricht davon, dass etwa 90% derjenigen, die einen Suizidversuch unternehmen, psychisch erkrankt seien. Aber fragen wir uns, warum das so ist? Was läuft falsch in der Gesellschaft?

300 Menschen jeden Tag, die freiwillig aus dem Leben scheiden wollen. Und weshalb ist dies dann bei einem Schiedsrichter plötzlich so wichtig? Da wird gleich eine Pressekonferenz anberaumt und spekuliert, was es denn sein könnte, ach die armen im Fußballgeschäft Beschäftigten stehen ja so unter Druck.

Ein letztes noch: durch die breite Berichterstattung werden weitere Menschen zum Suizid animiert. Das war schon so, als „Die Leiden des jungen Werther“ erschienen ist und ist heute nicht anders.

Deshalb meine ich, man sollte dies alles etwas weniger aufgeregt angehen.

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