Titel öffnen Rathaustüren und Kameraobjektive
Angefangen hat es mit dem Freiherrn von und zu Guttenberg, oftmals apostrophiert als die „Lichtgestalt“ der CDU. Bald war nichts mehr mit „Lichtgestalt“, wie ein kleiner Erstklässler hat er vom Nebenmann abgeschrieben und eine gute Note, sprich den Doktortitel, mit nach Hause genommen.
Wegen des gleichen bzw. ähnlicher Vergehen wurden mittlerweile zwei FDP-Politikern und je einem SPD- und CDU-Politiker der Doktorgrad wegen Plagiierens entzogen. Die Dissertationen von drei weiteren FDP-Politikern werden derzeit seitens der jeweiligen Universität untersucht: http://de.wikipedia.org/wiki/VroniPlag_Wiki
Keinem Träger eines Doktortitels, jedoch einem vermeintlichen Diplomaten ist die Bruchsaler Stadtverwaltung aufgesessen. An der Nase herum geführt wurde sie von einem nordzypriotisch-deutschen Waldhornbläser, Musiklehrer und Konzertagenten, der bei der Stadt als „Honorarkonsul Turgay Hilmi“ vorstellig wurde, und ausweislich eines Eintrages im Internet seit 1992 als „Honorar Kulturattaché für die Türkische Republik Nordzypern“ tätig sein will.
Das Pikante an dieser Angelegenheit ist jedoch, dass es sich bei der Türkischen Republik Nordzypern, kurz TRNZ, auch Nordzypern, um ein De-facto-Regime im Norden der Mittelmeerinsel Zypern handelt, das von der internationalen Staatengemeinschaft mit Ausnahme der Republik Türkei nicht als Staat anerkannt wird. De jure gehört das Gebiet zur Republik Zypern, deren Regierung seit 1963 nur noch aus Zyperngriechen besteht und seit der Besetzung des Nordens der Insel durch türkische Streitkräfte im Jahre 1974 keine Hoheit in diesem Territorium mehr ausübt. Damit ist das Gebiet der Türkischen Republik Nordzypern de jure Gebiet der Europäischen Union. Türkische Republik Nordzypern.
Dadurch ergibt sich die Situation, dass der von der Stadt protegierte Honorarkonsul (unter dem Foto im Amtsblatt ist er dann schon zum Konsul mutiert) nur für die Behörden der Länder, die den Entsendestaat anerkennen, ein (Honorar)konsul ist - für alle anderen ist er ein "Herr Mayer" oder "Herr Müller" bzw. in diesem Falle eben ein "Herr Hilmi“.
In einem Kommentar zu diesem bruchsal.org Artikel Atelier der Künste tanzte mit Gästen aus Zypern schreibt ein Thomas zu Recht: „Frau OB Petzold-Schick sollte sich besser beraten lassen hinter welchen Fahnen und mit welchen "Konsulen" von irgendwelchen Fantasiestaaten sie sich ablichten lässt. Außenpolitik ist nicht Gemeindesache!“
Dass es in Deutschland schon immer einfach war mit Titeln zu punkten und vermeintliche Größe vorzuspielen, hat bereits vor über 90 Jahren Kurt Tucholsky festgestellt und dazu unter seinem Pseudonym „Ignaz Wrobel“ den folgenden Beitrag in der Weltbühne veröffentlicht:
Titel
Ignaz Wrobel
Die Weltbühne, 27.05.1920, Nr. 22, S. 637.
Die neue Verfassung hat in vorsichtiger Formulierung die Verleihung von Titeln, mit denen kein Amt verbunden ist, untersagt. Nun ist in diesem Lande die Verfassung ein frommer Wunsch, bestimmt für die braven Schulkinder, wie man ihnen früher ja wohl die Bibel mitgab: man liest in beiden und richtet sich nach keinem. Aber das mit den Titeln sollte man doch abschaffen.
Die Titelsucht ist heute in Deutschland genau so groß und so gefährlich, wie sie es im Mittelalter gewesen ist. Der Titel erstickt jeden Widerspruch und erspart dem Titelträger jede Tüchtigkeit. Er steckt sich hinter den Titel, und das Übrige besorgt dann schon die Dummheit derer, die den Titel anstaunen und ihn um des Titels willen, den sie nicht haben, aber gern hätten, beneiden. Es ist nicht besser – es ist schlimmer geworden.
Bei den Sicherheitswehren gibt es fünf verschiedene Arten von Wachtmeistern. Die alte Bevorzugung der Referendare und Assessoren, die sich früher einmal in gesellschaftlichen Bevorzugungen ausdrückte und manchmal noch ausdrückt, hat die Schaffung der Studienreferendare und Bergassessoren und Postreferendare hervorgerufen – und das alles nur, damit eitle junge Leute mit dem herrlichen Titel angeredet werden.
Der Titel soll den Träger immer wieder an seine eigne Herrlichkeit gemahnen. Es wäre nichts gegen ihn einzuwenden, wenn er nur den Angeredeten auszeichnete; er drückt aber bewußt alle die, die ihn nicht haben. Er ist im tiefsten Sinn undemokratisch.
Die Eitelkeit ist aber größer. Sie wird groß gezüchtet von den Behörden. Solange irgendein Regierungsrat, ein Assessor, ein Oberleutnant nur um dieser Titel und Ämter willen von den Exekutiven bevorzugt werden – und sie werden es stündlich –: so lange ist auf keine Besserung zu hoffen. Die flaue Feigheit der Koalitionsregierung waltet auch hier oh –: man traut sich nicht, dem Deutschen sein geliebtes Palladium zu entreißen und einen jeden so anzureden, wie er nun mal heißt. Namen können eine Ehrung sein – Titel nie.
Universitätsprofessor ist ein Beruf, keine Anrede. Sanitätsrat ist nur eine Anrede und kein Beruf. Korvettenkapitän sei keines von beiden.
Der Wahnsinn greift munter um sich. Die Königlich Preußische Republik verleiht heute noch die alten monarchistischen Titel weiter – damals hatten sie einen Sinn, nämlich für das Herrscherhaus, das mit dem Köder auf die menschliche Schwäche der Eitelkeit das mangelnde Gehalt zu verbessern trachtete. Ohne diesen Titelkram würden all diese Kreisdiätare und Bergwerkassessorensubstitute und Generalsupernumerarpraktikanten ihren Dienst kaum verrichten können ...
Gott gab den Menschen die Verstopfung und zugleich die heilsame Tamarinde. Und er gab ihnen eine Beschäftigung und zugleich den Titel.
Es geht glatter vonstatten.
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Kommentare
cut and paste
Leider ist das auch ein Schnitzer von Herrn Killinger - vielleicht der Cut-and-Paste Technik mit vorgefertigten Texten geschuldet.
Ebenso ist aber auch bruchsal.org diesem Schwindel am letzten Mittwoch aufgesessen. Wahrscheinlich deshalb, weil man die meist sehr erbaulichen und unwiderstehlichen PMs staatlicher und halbstaatlicher Organisationen willfährig übernimmt (wobei nicht immer klar ist, nach welchem Kriterium verfahren wird: Infos zu Kaffeefahrten nach Zweibrücken für Senioren werden übernommen, Infos zu sogenannten Kochworkshops mit Zauberformeln für Senioren seitens des Landwirtschaftsamtes jedoch nicht. Letztere Info wurde vielleicht ja auch - glücklicherweise - nicht an bruchsal.org gesandt).
NORDZYPERN GEFAHR FÜR DEUTSCLAND?
Die Türkischen Republik von Nordzypern (TRNZ) ist ebenso Realität wie die griechisch-zypriotische Verwaltung im Süden .
So eine Ungerechtigkeit für den türkischen Zyprioten, mit eine Problem den sie gar nicht kreiert haben, so lange zu leben!! Es ist unmenschlich diese Menschen 47 Jahre lang unter Wirtschaftsembargo sowie totale Isolation zu halten - nur weil die Griechen es so wollen !!
Es ist auch gegen den UNO-Charta die TRNZ nicht anzuerkennen da alle Völker das Recht auf Selbstbestimmung besitzen.
Es gibt wirklich kein Grund für die Isolierung Nordzyperns. Die türkischen Zyprioten sind weder für den Griechen noch für Deutschland ein Gefahr. Die türkischen Zyprioten haben nie Terrorismus ausgeübt - trotz die jahrelangen Ungerechtigkeiten und Misshandlungen. Die türkischen Zyprioten haben ein voll funktionierender Demokratie und Rechtsystem.
Wie damals, in Fall Slowenien und Kroatien, von Alois Mock deklariert, die Anerkennung ist nur ein Formalismus und eine politischer Akt. Nordzypern und sein Staat (TRNC) existiert seit 15. November 1983. Die türkischen Zyprioten waren seit Dezember 1963 Staatenlos!
Was hätten sie machen sollen? Eine Terrororganisation gründen? Nein, sie haben den demokratischen Weg gewählt wofür sie heute noch von der EU bestraft werden! Warum? Weil es die Griechen so wollen! Das ist Ungerecht und Unmenschlich! Es lebe der TRNZ ( nun 28 Jahre alt).
Danke an Herr Turgay Hilmi (Zypriotischer Künstler), das er mit seinem kulturellen Arbeit bemüht ist den armen türkischen Zyprioten Verhör zu
Verschaffen.