Tauss - das Urteil

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Erster Überblick
Freitag, 28. Mai 2010 - 13:15

Jörg Tauss wurde heute im Verfahren wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material zu einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verurteilt.

Presserummel

Presserummel heute nach der Urteilsverkündung

Damit entsprach der Richter in vollem Umfang dem Antrag der Staatsanwaltschaft (bis auf die geforderte Geldstrafe), die dieses Strafmaß gefordert hatte. In der Urteilsbegründung wurde dem Fall durch die herausragende Position des Angeklagten als MdB eine besondere Bedeutung zugebilligt. Am besonderen Medieninteresse sei der Angeklagte nicht unbeteiligt, was die Verhandlung vor dem Landgericht statt vor dem Amtsgericht rechtfertige. Entscheidend für das Strafmaß sei die Tatsache, dass Tauss die fraglichen Taten nicht bestritten habe. StGB § 184b Absatz 5 komme nicht zur Anwendung, da Tauss sich das Material nach Ansicht des Gerichts nicht in Erfüllung dienstlicher Aufgaben beschafft habe. Stattessen habe er als Abgeordneter ein Informations- und Fragerecht gegenüber der Bundesregierung, das er hätte wahrnehmen sollen.

Für die Strafzumessung ergab sich in der Gesamtschau für das Gericht die Einschätzung, Tauss habe aus rein privaten Gründen gehandelt. Sein Handeln sei überdies völlig ungeeignet gewesen, das Rechercheziel zu erreichen. Erschwerend komme hinzu, dass Tauss von seinen Erkenntnissen keinerlei Gebrauch gemacht habe, vielmehr nicht einmal jemandem von seinen Recherchen berichtet habe.

Außerdem stellte das Gericht fest, dass das Medieninteresse nicht strafmildernd gewirkt habe. Die Pressearbeit der Staatsanwaltschaft sei nicht zu beanstanden.

Ein Verlust seiner Ruhestandsbezüge, von dem einige Medien berichten, muss Tauss hingegen nicht befürchten. Die Revision des Urteils ist zugelassen.

Eine ausführlichere Besprechung des Urteils durch Rainer Kaufmann auf bruchsal.org erfolgt noch.

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Kommentare

Tauss-Urteil

Vielleicht wäre es besser gewesen für Tauss, er hätte sich nicht auf die Anwendung des § 184b Abs. 5 StGB berufen, sondern auf Irrtum bezüglich dieser Anwendung, denn dazu gibt es, wie ich informiert wurde, 3 Theorien, über die man sich trefflich streiten kann.

Vielleicht wäre es noch

Vielleicht wäre es noch besser gewesen, seine sexuellen Phantasien nicht mit kinderpornographischem Material zu befriedigen?
Herr Tauss hat sich kinderpornographisches Material verschafft und dieses ganz offensichtlich genutzt, denn sonst wäre er nicht verurteilt worden. Das ist die Realität, Herrn Tauss, jetzt eine Hintertür zu öffnen, er hätte sich für die falsche Strategie entschieden halte ich für extrem zynisch, den missbrauchten Kindern gegenüber.
Hier handelt es sich um echte Kinder, die von männer aufs schlimmste missbraucht wurden. Herr Tauss hat durch den Erwerb des Materials, indirekt den Missbrauch in Auftrag gegeben.
Sehen Sie der Realität ins Auge.

Schönen Tag noch.

@Vielleicht

Vielleicht wäre es noch besser gewesen, seine sexuellen Phantasien nicht mit kinderpornographischem Material zu befriedigen?
Herr Tauss hat sich kinderpornographisches Material verschafft und dieses ganz offensichtlich genutzt, denn sonst wäre er nicht verurteilt worden. Das ist die Realität,

Nein, das ist deine Spekulation. Tauss ist wegen des Besitzes von KiPo verurteilt worden. Das Gericht hat im als Abgeordneten kein Sonderrechte zugestanden und verurteilt.
Über seine sexuellen Vorlieben wurde, so weit mir bekannt ist, nicht geurteilt. Eher im Gegentei:

Landgericht bestätigt mir ausdrücklich, kein sexuelles Interesse an Kipo zu haben.

Tauss@Twitter

Vielleicht wäre es noch...

Sie brauchen sich nicht aufzuregen, ich habe das nur auf die Strategie der Anwälte bezogen. Vielleicht lesen Sie dazu noch meinen Kommentar "Plädoyer gelesen..." auf bruchsal.org

http://www.bruchsal.org/story/urteilsverk%C3%BCndung-im-fall-tauss#comme...

Sorry, Waldemar. Ich hab

Sorry, Waldemar. Ich hab nicht auf dich sondern den Gast unter dir geantwortet.

Koingt nach Zierkelschluss ...

"Herr Tauss hat sich kinderpornographisches Material verschafft und dieses ganz offensichtlich genutzt, denn sonst wäre er nicht verurteilt worden."

Aha! Ganz grosses Kino!
Er ist verurteilt worden, weil er das Material (privat?) genutzt hat!
Und der Beweis, dass er das Material privat genutzt hat, ist seine
Verurteilung!

Sorry, aber wer in diesen beiden Zeilen *keinen* Zirkelschluss erkennt,
hat wohl echt den Schuss nicht mehr gehoert ...

... und wenn ein solcher Zirkelschluss fuer eine Veruteilung zu einer
Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr ausreichen sollte, sollten wir
wohl mal bei china zum Thema Menschenrechte in die Lehre gehen
(schlimmer als jetzt koennte es dadurch auch nicht werden ...).

@Gast1 Das Gericht hat

@Gast1

Das Gericht hat ausdrücklich darauf abgestellt, dass es Tauss vorwirft Kipo aus persönlichen aber eben auch NICHT aus sexuellem Interesse besessen zu haben. Wie daraus ihr Kommentar entstehen kann, ist mir mehr als schleierhaft, ganz unabhängig davon, wie man zu dem Fall steht.

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