Tage des Erinnerns - Ein Vorschlag von bruchsal.org
Der unerwartete Erfolg des Dokumentarfilms über den 1. März 1945 hat gezeigt, dass es in Bruchsal noch sehr viel Nachholbedarf in Sachen Aufarbeitung der jüngeren Geschichte gibt.
In ihrer Kolumne „Auf ein Wort" im Bruchsaler Amtsblatt schreibt Bruchsals Oberbürgermeisterin Petzold-Schick unter anderem: „Wie soll zukünftiges Erinnern aussehen? Bitte formulieren Sie Ihre Ideen für uns."
Für Autoren von bruchsal.org war dies ein Ansporn sich vertiefende Gedanken zu machen und das Resultat dieser Überlegungen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Der Autorenkreis ist der Meinung, dass es nicht nur um die Leiden gehen kann, die beim Bombenangriff am 1. März 1945 die Bruchsaler Bevölkerung erlitten hat. Bruchsaler Bevölkerung? Wo waren am 1. März 1945 die Bruchsaler Juden? In der Stadt Bruchsal, mit Obergrombach und Heidelsheim, lebten 1925 noch 615 jüdische Mitbürger, am 16. Juni 1933 noch 510. Am 1. März 1945 gab es keine jüdischen Mitbürger mehr in Bruchsal. Sie wurden vertrieben, deportiert, ermordet oder in den Suizid getrieben. Stellten sie nicht auch einen wichtigen Teil der Bruchsaler Bevölkerung dar?
Wenn der Denkanstoß des Weiler-Filmes wirklich nachhaltig sein soll, müssen jetzt andere Kapitel der NS-Zeit in Bruchsal aufgearbeitet werden. Zu allererst die Geschichte der Vertreibung der Bruchsaler Juden. Material gibt es zur Genüge. Zum Einstieg in dieses Thema schlägt bruchsal.org für das Spätjahr 2010 die „Tage des Erinnerns" vor.
| Anhang | Größe |
|---|---|
| Tage-des-Erinnerns-bruchsal_org-Aktion.pdf | 942.51 KB |
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Kommentare
Großen Respekt
Liebe Leute,
eure Initiative verdient allergrößte Anerkennung.
Es wundert schon, dass in Bruchsal in Sachen Aufklärung und Aufarbeitung dieser schrecklichen Ereignisse kaum etwas geschehen ist.
Aufarbeitung überfällig
Kann mich nur anschließen. Wie kam es eigentlich dazu, die Feuerwehr Bruchsal am Platz der ehemaligen Synagoge zu installieren? Finde ich äusserst makaber - auch die später in Form einer Gedenktafel erfolgte "Aufarbeitung".
Ich erinnere:
"Früher Synagoge, heute Feuerwehrhaus
In diesem Zusammenhang würde ich gerne mal erfahren, wie die Stadt Bruchsal eigentlich in den Besitz des Grundstückes kam, auf dem früher die Synagoge stand.
Und wer wann und weshalb die grandiose Idee hatte, dort nach dem Krieg ausgerechnet das Feuerwehrhaus zu errichten...
Wer weiß was?
Verfasst von Gast (Kontakt der Redaktion bekannt) am 29. Januar 2010 - 20:26."
Bis heute keine Antwort "der Stadtverwaltung" - dabei wäre das so einfach.
Übrigens auch keine Nachfrage eines Stadtrates. Oder eine Stadträtin (Pardon!).
Grundstückserwerb
Laut Aussage von Herrn Moos vom Stadtarchiv auf eine Anfrage von Herrn Ertel war das folgendermaßen:
"Durch einen Vertrag mit der "Jewish Restitution Successor Organisation" ging das Areal auf dem die 1938 zerstörte Synagoge stand Anfang der 1950er Jahre in den Besitz der Stadt Bruchsal über."
Ursprünglich war wohl eine andere Nutzung geplant, aber wie sagt man so schön? "So ischs worra..."
Grundstücksvertrag
Von wann stammt denn die Auskunft?
Der Vertrag würde mich mal interessieren - ob die Vorbesitzer nicht bestimmte Nutzungen ausgeschlossen hatten.
Und komme mir keine(r) mit "Datenschutz" - nicht nach 60 Jahren...
Grundstück
Ich habe die Aussage am 4.2.2010 v. Herrn Moos bekommen. Weiterhin noch mit folgendem Schlußsatz:
Als am 16. November 1966 am Feuerwehrhaus eine Gedenktafel zur Erinnerung an die zerstörte Synagoge angebracht wurde, waren zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens bei der Enthüllung anwesend, darunter auch vier Vertreter des Israelitischen Oberrates in Baden.