Die Synagoge
Ich hatte an anderer Stelle bereits auf die Einzigartigkeit der ehemaligen Bruchsaler Synagoge verwiesen, und darauf, welcher Verlust neben aller menschlicher Tragödien mit ihrer Zerstörung einher ging. Der damalige jüdische Mitbürger Aron Kahn hatte sich leider gründlich getäuscht, als er, wie es überliefert ist, am Morgen des 10. November 1938 mit Blick auf die brennende Synagoge meinte: „Das wird wieder einmal aufgebaut!“ Er hätte sich wohl nicht vorstellen können, dass es zwei Jahre später schon gar keine jüdische Gemeinde mehr in Bruchsal geben würde.
Synagogen als selbstbewusster Ausdruck jüdischen Lebens
In Deutschland wurden 1938 über tausend Synagogen zerstört oder geschändet. Wenn es aber keine Stätten des Gedenkens mehr gibt, greift schnell das Vergessen Raum und droht die Kultur des Erinnerns zu ersetzen. Das jüdische Leben, die jüdische Kultur, die auch in Bruchsal noch wenige Jahre zuvor hohe Achtung genossen, waren nahezu vollständig aus den deutschen Städten gelöscht worden. Nach dem verlorenen Krieg und dem Wiederaufbau tat man sich hierzulande schwer mit der Erinnerung und der Anerkennung von Verantwortung - wenn schon nicht von Schuld. Erst Jahrzehnte später gab es verstärkt Ansätze sich der Verantwortung zu stellen und auch den Spuren jüdischen Lebens in deutschen Städten zu erinnern. Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden, erklärte in einem BNN-Interview vom 30.10.2010 sehr zutreffend: „Die Erinnerung ist unkündbar. Weil sie uns lehrt, in welche Katastrophe der Mensch selbst die Menschheit stürzen kann. Unsere Geschichte verpflichtet uns zu einem besonderen Verantwortungsbewusstsein.“
Markantestes Zeichen jüdischer Kultur bildeten naturgemäß die Synagogen. Oftmals gaben sie sich bescheiden und waren von außen kaum als solche zu erkennen, aber vielfach zeugten sie auch von demonstrativem Stolz über das Erreichte und von Vertrauen in die weitere Zukunft. Völlig selbstverständlich hatten sie, ganz wie ihre Erbauer, ihren Platz inmitten der Städte und Gemeinden eingenommen. Wir wollen uns also im Folgenden ganz auf die Erinnerung an diese Architektur konzentrieren, die in der Reichspogromnacht 1938 so organisiert wie brutal aus den Stadtbildern gelöscht wurde, um dann das Ziel dieses Vorhabens zu beschreiben.
Rekonstruktionsformen von Architektur
Es gilt jedoch zunächst die unterschiedlichen Formen des Gedenkens und der Visualisierung zerstörter Architektur zu unterscheiden. Es finden sich Erinnerungsansätze in Form von Mahnmalen, Gedenktafeln, Schildern. Es gibt rein grafische Nachbildungen, das Gedenken in Form filmischer Dokumentationen, es gibt haptische Modelle in verkleinertem Maßstab und es gibt – deutlich seltener – bauliche Rekonstruktionen.
Neben diesen traditionellen Ansätzen gibt es seit geraumer Zeit aber auch verstärkt digitale Rekonstruktionen vergangener Architektur. Vorreiter, gerade was die Beschäftigung mit zerstörten Synagogen betrifft, war hier die TU Darmstadt. Unter der Leitung von Prof. Manfred Koob und Dipl. Ing. Marc Grellert wurden dort innerhalb von 12 Jahren 22 Synagogen rekonstruiert. Dieses Team hat daneben auch mit zahlreichen anderen Projekten zu christlicher und weltlicher Architektur für Aufsehen gesorgt. Aber auch Beispiele ähnlicher Unterfangen von Einzelpersonen sind bekannt und zeugen von einem hohen Maß an Begeisterungsfähigkeit und Engagement. So sei auf die digitale Rekonstruktion des Festsaals der Stuttgarter Wilhelma verwiesen, die der dort ansässige Andreas Werner in Eigenleistung bewältigt hat. Wobei er allerdings auf komplette Baupläne sowie farbige Texturvorlagen und Entwurfszeichnungen des Innenraumes zurückgreifen konnte, welche für die Bruchsaler Synagoge leider nicht verfügbar sind.
Im folgenden Artikel möchte ich die Vorteile einer 3D-Rekonstruktion beleuchten und aufzeigen welche Chancen sich daraus ergeben.
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