Steinkauznachwuchs im Bruchsaler „Rotenberg“

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Donnerstag, 21. Juni 2012 - 18:27

Seit Jahren bemühen sich organisierte Natur- und Vogelschützer aus dem Landkreis wie Streuobstinitiative, NABU, AGNUS sowie Naturfreunde als Einzelkämpfer, um die Wiederansiedelung von Steinkäuzen sowie die Vermehrung des Bestandes im Bruchsaler Landschaftsschutzgebiet „Rotenberg“. Ein erster Nachweis von natürlicher Neubesiedelung glückte jetzt. Die Freude darüber ist groß. Fünf Steinkauzküken wachsen auf städtischen Grundstücken in dem nordöstlich der Kernstadt gelegenen Naturrefugium auf. Ausschlaggebend für diesen Erfolg ist wohl das seit 2005 begonnene Angebot mit geeigneten Nistkästen für den Wappenvogel der Streuobstwiesen.

Unser mit nur 22 Zentimeter Länge zweitkleinster heimischer Eulenvogel bedient sich eigentlich für sein Brutgeschäft vorhandener Baumhöhlen (Spechtwohnungen) im Altbaumbestand. Doch daran herrscht nicht nur hierzulande großer Mangel. Deshalb dienen bei der Lebenshilfe gefertigte  Kunstbauten als Nisthöhlenersatz. Die Vogelhäuser sind mit etwa 80 Zentimeter Länge auffallend groß. Der überdachte Eingangsbereich ist so labyrinthartig gestaltet, dass Feinde wie der Marder kaum ins Innere gelangen können. Weil Steinkäuze keine ordentlichen Nester für das Ausbrüten ihrer Gelege bauen, müssen die Kästen mit etwas Gefälle angebracht werden. So wird verhindert, dass die Eier herausrollen können. 

Steinkauzeier

Steinkauzeier. Das Gelege vor wenigen Wochen. Foto: Giraud

Der Spöcker Vogelfreund Helmut Giraud entdeckte vor kurzem bei einer Kontrolle im Streuobstgebiet „Rotenberg“ in einem dieser Spezialkästen ein Gelege mit fünf Eiern und dokumentierte dies per Foto. Daraus sind mittlerweile fünf Küken geschlüpft. Nun galt es, rechtzeitig die Jungtiere zu beringen, ehe sie das Elternhaus verlassen. Dafür ist Hans-Jürgen Görze aus Karlsdorf-Neuthard,  ehrenamtlicher Obmann für Greifvogelschutz beim Deutschen Falkenorden, der geeignete Mann. Seine große Erfahrung wird im ruhigen, zielsicheren Umgang mit dem gefiederten Nachwuchs im Steinkauzkasten wie auch dem anwesenden Elternvogel deutlich.

Mama Steinkauz

Mama Steinkauz passt gerade mal in eine Männerhand. Die Bauchfedern fehlen derzeit. Foto: schu

Von der Leiter aus öffnet der Vogelkenner einen Dachteil der Behausung und nimmt ein graumeliertes Federknäuel heraus. Plötzlich kommt daraus ein Krallenfuß zum Vorschein. Ein silbriger, noch offener Aluring legt sich um das dünne Vogelbein und wird mit einer Zange vorsichtig zu einer Manschette geschlossen. Zurück geht es in die gewohnte, durch gärenden Kot scharf nach Ammoniak riechende Kinderstube. Das nächste Geschwisterchen ist dran. Es dauert nur wenige Minuten, bis der Muttervogel aus seinem Gefängnis durch das Flugloch zu den Kindern zurück schlüpfen kann. Die Kennnummern der Vogelringe und die Daten der Beringung werden an die Zentrale Datenerfassungsstelle der Vogelwarte Radolfzell gemeldet. Durch Wiederfunde beringter Steinkäuze wurde bewiesen, dass die Tiere bis zu dreizehn Jahre alt werden können.

Küken

Steinkauzküken: Die grauen Flaumfederknäuel sind schon registriert. Foto: schu.

Wichtig ist, dass das Nahrungsangebot stimmt. Vor allem was die „Lieblingssspeise Feldmäuse“ betrifft.  Steinkäuze benötigen grundsätzlich kurzgeschorene Wiesenflächen als Jagdrevier.

AGNUS-Chef Dr. Gert Meisel hofft, dass die Aufzucht der hungrigen Brut dem Elternpaar gelingt und dass die Population der „Athene noctua“, so der wissenschaftliche Name der Insekten-, Lurche- und Mäusefänger, mittelfristig durch die jetzige Brut verstärkt wird. Wohnungsangebote sind reichlich vorhanden. 

Euro

Griechische 1-Euro-Münze mit Steinkauzmotiv. Foto: schu.

Die „nächtliche Athene“ ist aber durchaus auch tagsüber aktiv. Papa Steinkauz war nicht zu Hause, sondern wohl auf Beutezug. Die Kleineule galt im griechischen Altertum als Begleiterin der Pallas Athene, der Göttin der Weisheit. Bekannt ist die Spruchweisheit für überflüssiges Tun: “Eulen nach Athen tragen“. Auf dem Griechenland-Euro ist eine antike Münzrückseite mit Steinkauzmotiv zu sehen.

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