Steinbrück und der Offenbarungseid der politischen Klasse
Steinbrück und der Offenbarungseid der politischen Klasse
Sehr gelungener und lesenswerter Artikel geschrieben am 18. August 2010 von Spiegelfechter
In seiner Amtszeit als Finanzminister rettete Peer Steinbrück das deutsche Finanzsystem. Mehr als 500 Milliarden Euro Steuergelder wurden in der Ära Steinbrück in das Finanzsystem gepumpt - wieviel davon irgendwann wieder zurückgezahlt werden, darüber kann man nur spekulieren. Die Formalien stehen im Kleingedruckten und das ist - natürlich - nicht öffentlich einsehbar. Wessen Interessen hat Steinbrück vertreten? Die des Volkes, dem er als Staatsdiener verpflichtet ist? Oder doch die der Finanzinstitute, die er als Fachminister eigentlich überwachen sollte? Auf wessen Gehaltsliste der Minister steht, darüber gibt ein aktueller Blogbeitrag des Portals abgeordnetenwatch.de Auskunft. Kaum wurde Steinbrück vom Wähler aus dem Amt entfernt, ließ er sich fürstlich von den Profiteuren seiner großzügigen „Rettungspakete" und „Subventionen" honorieren. Heute ist Steinbrück Nebeneinkommensmillionär, sein Bundestagsmandat nimmt er jedoch nur stiefmütterlich wahr. Hätte die Infamie der politischen Klasse ein Gesicht, so wäre dies die Fratze Steinbrücks.
Haupt- oder Nebenjob?
Peer Steinbrücks offizieller Beruf ist der des Bundestagsabgeordneten. In dieser Legislaturperiode hat man Steinbrück jedoch nur selten im Bundestag oder in den Berliner Gremien gesehen. Bei den 19 wichtigen Bundestagsabstimmungen, die seit Dezember 2009 vorgenommen wurden, fehlte Steinbrück zwölfmal. Am Rednerpult des Deutschen Bundestags hat man Peer Steinbrück in diesem Jahr noch kein einziges Mal gesehen. Dafür hielt er ganze 29 Vorträge bei Privatveranstaltungen, die er sich großzügig bezahlen ließ. Teilweise überschnitten sich dabei sogar die Termine zwischen Haupt- und Nebentätigkeit, wobei nicht wirklich klar ist, welchen Beruf Peer Steinbrück nun haupt- und nebenamtlich ausübt. Als der Bundestag den aktuellen Haushalt debattierte, referierte Steinbrück in Mannheim auf der „Leitmesse für Finanzprofis". Die Sponsoren dieser Messe sind das Who is Who der deutschen Finanzwirtschaft und es ist davon auszugehen, dass Peer Steinbrück für seine Rede in Mannheim mehr Geld bekam, als er vom Staat in einem ganzen Monat bekommt.
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Kommentare
Mächtig schwerer Tobak
Von Steinbrücks Einstellung zu seinem Mandat (das sollen die Wähler in seinem Wahlkreis Mettman bzw. die Delegierten der NRW-SPD wissen, denn Peer Steinbrück hat seinen Wahlkreis nicht gewonnen und ist über die Landesliste NRW in den Bundestag gekommen) über eine Kapitalismuskritik, die von der NPD für eine antisemitische Polemik genutzt wird, zur Deutschen Bank inkl. Herrn Ackermann und der griechenländischen Euro-Krise. Wein wilder Ritt durch das Gelände, aber dennoch ein Anstoß zum Nachdenken.
Von mir dazu ein paar unmaßgebliche Gedanken zur deutschen Rolle, denn ein Urteil über das Verhalten anderer Länder möchte ich ungern und mangels tieferen Einblick fällen.
Zunächst ein Zitat aus o.g. Artikel:
»Inzwischen wissen wir, dass deutsche Geldinstitute mehr als ein Fünftel des Weltvolumens problematischer oder notleidender Kredite und Wertpapiere in ihren Büchern versteckt hatten.«
(Leo Müller, Bankräuber, Econ-Verlag 2010, S.99)
Wir stellen also fest, dass die jüngste Weltwirtschaftskrise nicht nur ein rein amerikanischen Phänomen ist, dessen Auswirkungen wir hier in Deutschland u.a. mit der Abwrackprämie bekämpfen konnten, sondern dass wir Deutschen auch zu einem großen Teil ein Teil des Problems sind - ja sogar mit verursacht haben.
"Wir Deutschen" - ja wir Deutschen! Wem gehören denn die ganzen bösen Banken, Versicherungen und Fonds? Wer legt denn sein Geld an und erwartet ohne weiter arbeiten zu müssen eine "ordentliche" Rendite (mindestens 4% gerne 6%, 8% oder mehr)?
Das ist doch der "kleine Anleger", das ist "Lieschen Müller", die für ihr Alter vorsorgt, das sind wir alle, das ist jeder von uns! Wir treiben mit unserer Renditeerwartung über der Inflationsrate (unserer Gier nach Rendite) doch das ganze System. Wer hat denn sein Geld ach Island getragen? - Das waren doch die "kleinen Leute".
Wir alle erwarten eine sichere Geldanlage (Triple A - ohne Risiko) mit möglichst hoher Rendite. Das geht nicht, wenn unser Geld in der (Real-)Wirtschaft arbeitet (Risiko!). Das geht nur wenn unser Geld in der Finanzwelt arbeitet: Geld gebärt Geld. So entstehen Derivate, CDS und ABS und der gleichen mehr, denn die echte (reale) Wirtschaft/Welt kennt nicht so viele risikolose (Triple A) überdurchschnittlich ertragreiche Anlagemöglichkeiten, den wir alle (und noch mehr die Amerikaner) müssen für unser Alter am Kapitalmarkt vorsorgen, denn der Generationenvertrag gilt nicht mehr!
So einer wie Josef Ackermann ist am Ende die Projektion unserer millionenfachen Renditeerwartung.
Muss dass sein? Nein!
Christlich sein heißt: Erst wenn alle satt sind, dann ist es gut. - Denken wir über unsere Gesellschaft, unsere Gier, unsere Solidarität untereinander - zwischen den Generationen nach.
Derivate - risikolos und überdurchschnittlich ertragreich?
Derivate = künstliches, von Bankern erschaffenes Geld, z.B. unverkäufliche Kreditversicherungen. Weil man sich eine goldene Nase verdienen wollte, erfand man den Derivatenhandel als gigantisches Kettenbriefspiel. Man versicherte faule Kredite bei jeweils noch risikofreudigeren Banken - ein Dummer mußte einen noch Dümmeren finden, und die Allerdümmsten waren die Anleger, die solche Derivate gekauft haben. Diese Derivate sind überhaupt nicht sicher und brandgefährlich, weil dieses virtuelle Geld real bezahlt werden muß! Nehmen wir als Beispiel die größte amerkanische Bank, J.P. Morgan. Diese hat ein Anlagevermögen von ca. 605 Milliarden Dollar. Im Keller hat sie ca. 26.5 Billionen Dollar an Derivaten, also das 43-fache. Wenn nur 2.3 % dieser Derivate fällig werden, ist das Realvermögen von Morgan....weg und die Bank pleite, die Anleger gehen leer aus. Auch deutsche Banker stecken bis zu den Nasenlöchern im Derivate-Sumpf. Diese "toxischen" Papiere wurden in sog. "Bad Banks" ausgelagert - dafür haften tut letztendlich der Staat, also wir. Für jedes ausgelagerte Wertpapier bezahlt der Staat die Bank mit Staatsanleihen. So muß die Bank - in der Theorie - die faulen Papiere nicht mehr mit gesundem Eigenkapital hinterlegen. Dieser Kreislauf ist gefährlich, denn die Staaten verschulden sich wie verrückt, weil sie die Banken und das System retten, Geld wird ausgegeben, verliehen, garantiert, um die Krise zu bekämpfen. Wir haben es ja erlebt, wieviel Geld in Deutschland plötzlich ausgegeben und garantiert wurde, nur um einige Banken zu retten, die ganz einfach gezockt haben. Diese machen schon wieder munter weiter. Also: Hände weg von Derivaten - zumindest der oben genannten Art!
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kurzkommentar waldemar
Hi Waldemar,
das ist der kürzeste Kommentar, den ich je gesehen habe.
weiter so
reinhard
:--)))
Das weckt Erinnerungen...früher war alles besser!
Da steht Herr Steinbrück in "guter Tradition". Allerdings gilt er auch heute als einer der fähigsten Minister der BRD. Ganz im Gegensatz zum famosen Herrn Bangemann, der als ehemaliger Parteivorsitzender der FDP, Wirtschaftsminister und weggelobter EU-Kommissar absoluter "Spitzenkandidat" bleibt. Ein kurzer Auszug aus dem ManagerMagazin über den "großen Vorsitzenden" und seine stattliche französische Behausung 2007:
"Kenner des Hauses berichten, dass der Literaturliebhaber, der sich schon zu offiziell aktiven Zeiten in Sitzungen mehr auf den mitgebrachten Roman als die ausliegende Tagesordnung konzentrierte, viel Zeit in seiner heimischen Bibliothek verbringt, die über 10.000 Werke umfasst.
Den Nachschub dafür besorgt sich der seit jeher reisefreudige Lebemann noch immer in der Buchhandlung am Bundestag. Mit Taschen ikeaschen Ausmaßes läuft er dann durch Berlin. Auf einen Kaffee trifft sich der Liberale in der Hauptstadt jedoch nur selten. Zu den meisten alten Weggefährten hat er keinen Kontakt mehr."
Den ganzen, recht anregenden Artikel, kann man auf:
www.manager-magazin.de/magazin/artikel/0,2828,484492,00.html
nachlesen.