"Sport wird Opfer der politisch-finanziellen Bewegungsarmut"

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Ein Kommentar zum Kommentar
Freitag, 17. Juni 2011 - 0:16

Vergangenen Mittwoch machte die Bruchsaler Rundschau den Lokalteil so auf: „Stadt spart sich Groß-Ereignis - Nach Absage aus Bruchsal: Verband verzichtet auf Badisches Landeskinderturnfest".

Was war geschehen? Ausführlich wird berichtet, dass der Verbandssprecher des Badischen Turner-Bundes „vielversprechende Gespräche" mit Stadtverantwortlichen geführt habe und daher sehr „zuversichtlich" gewesen sei, dass das „Sport-Event" Landeskinderturnfest 2012 in Bruchsal ausgerichtet wird - und er daher gar nicht nach Alternativen Ausschau gehalten habe.

Weiter ist zu lesen, dass die der Stadt im „hohen fünfstelligen Bereich" entstehenden Kosten eigentlich durch Sponsoren abgedeckt werden sollten, aber zum Zeitpunkt der Sitzung des Ältestenrates am vorvergangenen Dienstag lediglich 2/3 der geschätzten Kosten durch Sponsoring gedeckt waren.

Aufgrund der „angespannten Haushaltssituation" teilte die Stadtverwaltung daraufhin den Sportvereinen im Raum Bruchsal mit, dass von einer Ausrichtung der Veranstaltung Abstand genommen werde.

Bereits 2004, also vor sieben Jahren, wurde das Landeskinderturnfest in Bruchsal ausgetragen. Wie das Redaktionsmitglied Daniel Streib in der Bruchsaler Rundschau weiter schreibt, wurde damals die Wertschöpfung für die Wirtschaft der Stadt Bruchsal als nicht besonders hoch angesehen (was nichts anderes heißt, als dass sich die Ausrichtung des Landeskinderturnfestes für Bruchsal nicht gelohnt hat). Als Gewinn sei lediglich geblieben, dass sich Bruchsal das Image als „Sportstadt" anheften konnte.

Vergisst man die doch etwas hochtrabend gewählten Begriffe wie „Sport-Ereignis" oder „Sport-Event" lieferte Herr Streib einen recht nüchternen Artikel ab - wenn auch nicht notwendigerweise der Aufmacher für die erste Seite des Bruchsaler Lokalteils der Badischen Neuesten Nachrichten.

Der Artikelschreiber belässt es allerdings nicht bei der recht unaufgeregten Schilderung dieser Angelegenheit sondern schiebt, um seine ureigenste Meinung den Leserinnen und Lesern zur Kenntnis zu bringen, einen Kommentar nach mit der recht spitzen Überschrift „Bewegungsarmut". Den Verzicht der Stadt Bruchsal auf Ausrichtung des Landeskinderturnfestes 2012 wegen der tiefroten Zahlen im Kommunalhaushalt nutzt der Redakteur zu einem äußerst kritischen Beäugen der Sparbemühungen der Stadtverwaltung.

Der Kommentator meint scharfzüngig bemerken zu müssen, die Entscheidung des Ältestenrates, keine Mittel aus dem leeren Stadtsäckel für diese Veranstaltung bereit zu stellen, gleiche „bezüglich des Stadtmarketings ... fast einem Offenbarungseid." Und weiter im Text: „Da gibt die Veranstaltungsstadt Bruchsal Geld für Messeauftritte oder Broschüren und Imagefilmchen aus. Für ein garantiert imageförderndes Großereignis fehlt dann aber letztendlich die Kraft. Und der Sport wird Opfer der politisch-finanziellen Bewegungsarmut."

„Politisch-finanzielle Bewegungsarmut" diagnostiziert der Kommentierende frohgemut - wohl unter dem Eindruck des Umstandes, dass er sich nicht mit einer verschwendungssüchtigen, weil Landeskinderturnfest orientierten Oberbürgermeisterin befassen konnte?

Fast Krokodilstränen vergießt der Redakteur über „die im Grunde sehr traurige Absage an das Treffen der Nachwuchsturner", die zu respektieren sei, „wenn sie als Vorbote einer neuen ernsthaften Sparkultur gemeint ist." Leider vergisst der Lokalredakteur darauf hinzuweisen, wo das finanzielle Dilemma der Stadt Bruchsal seinen Ursprung hat; lieber lässt er devot einen Herrn im Trachtenjankerl mit Genugtuung durch die Stadt marschieren und lässt diesen öffentlich verkünden, „aus Haushaltsmitteln wurde nie Geld in die International University gesteckt. Wer etwas anderes behauptet, führt die Menschen in die Irre."

Auch die Hinweise auf die Finanzierung von Messeauftritten oder Broschüren und Imagefilmchen sind wenig hilfreich. Der nämliche Messeauftritt war gestern und nicht heute (und findet hoffentlich nie mehr in dieser Form statt) und das Imagefilmchen hat nichts gekostet; außer den Lokalredakteur und den Landfunker hat das Imagefilmchen bisher niemanden gestört.

Dass der Bruchsaler Ältestenrat, der sich seinen Beschluss wohl sicher nicht leicht gemacht hat, richtig im Interesse unserer Stadt entschieden hat, wird durch eine Pressemeldung der FDP-Fraktion der Stadt Balingen unterstrichen.

Der Gemeinderat der Stadt Balingen hat Ende 2010 entschieden, das Schwäbische Landeskinderturnfest 2012 nicht auszurichten. In ihrer Antragsbegründung schreibt die Balinger FDP-Fraktion: "Mindestens 100.000 € - das ist in der jetzigen Lage zuviel Geld für eine Wochenendveranstaltung. Wir können das Geld nur ein mal ausgeben. Dies sollten wir nachhaltiger tun. Die Durchführung des Landeskinderturnfestes ist allenfalls wünschenswert. Die Öffentlichkeitswirksamkeit ist begrenzt: Kein Mitglied der FDP-Fraktion - wir outen uns - hat etwas in der Presse oder anderen Medien über das diesjährige Landeskinderturnfest in Ravensburg gehört. Nur teilnehmende Kinder und deren Eltern hörten davon. Sie fahren in die Sporthallen und dann wieder nach Hause. Die Werbewirksamkeit für Balingen ist kaum erkennbar." Der Kommentar in der Bruchsaler Rundschau sieht dies ganz anders. Er sieht im Landeskinderturnfest ein "garantiert imageförderndes Großereignis."

Den letzten Satz des Kommentars („Und der Sport wird Opfer der politisch-finanziellen Bewegungsarmut") möchte ich mit einer kleinen Prognose versehen: Die Bruchsaler Rundschau wird die nächsten Wochen zum Robin Hood der Bruchsaler Sport-  und sonstigen Vereine unter der (fiktiven) Überschrift: „Die Bruchsaler Rundschau kämpft für Dich!" Wetten?

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Kommentare

PS und Vollkasko

Sehr geehrter Rolf Schmitt

auch ich war etwas verwundert, wie hart Daniel Streib in seinem Kommentar zu Gericht ging.

Verwundert dies aber angesichts der Tatsache, dass man seitens der BR-Verwaltung nicht im Stande war, diese "negative" Nachricht rechtzeitig zu erläuteren und zu kommunizieren (auch Sie Herr Schmitt müssen auf Erklärungen der GR in Balingen(!) zurückgreifen). Man ist in der BR-Verwaltung immer noch auf Wohlfühl-PR und PMs eingestellt, die dann ja auch auf bruchsal.org auftauchen. Das Balinger Statement hätte von der Pressestelle Bruchsal kommen müssen! Die Bürger hätten es wohl verstanden. Aber nein, man schweigt.

Ihre Begründung hier oben, diese Veranstaltung abzusagen/abzulehnen mag durchaus stimmig sein. Allerdings macht sich die OB nicht nur durch passive PR, sondern - viel schlimmer - durch unbedachte Statements angreifbar.

So wird der OB (leider) in näherer Zukunft immer wieder der Kommentar vom 18.5.2011 zur Haushaltslage Bruchsals um die Ohren gehauen werden. Da stellt sie doch fest:

"Wir alle müssen weg von der Vollkasko-Mentalität totaler Absicherung....jetzt können wir uns nur noch Teilkasko leisten."

Ich bin gespannt, wenn die Haushaltsstrukturkommission ihre Ergebnisse vorlegt (erst diesem besonderen Gremium von irgendwie Ausge/er/wählten - dann uns Sterblichen -auch eine totale PR-Pleite, dies so und ohne jegliche Erläuterung in die Presse zu geben...).

Denn es wird sicher heissen:

Warum habt ihr denn so lange gebraucht, von Vollkasko auf Teilkasko umzusatteln? Ist doch völlig richtig, was ihr gekürzt habt! Ist doch in allen Bereichen noch üppig und weit über der Haftpflicht! ...

Wers glaubt....

 

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