Sondersitzung des deutschen Bundestages
Einzelne Abgeordnete äußern sich dahingehend, welche Verantwortung und welch schwere Entscheidung sie auf sich nehmen müssen. Jede Partei schickt ihren Vorsitzenden oder Stellvertreter zum Rednerpult. Dann noch die Haushaltsexperten Finanzpolitiker und andere Ausschussmitglieder und dann noch einige, die mit kurzer Redezeit das wiederholen, was schon mehrfach gesagt wurde. Auch zwei Abweichler kamen zu Wort.
Aber es ist ja eine Fernsehübertragung, da kann man sich mit einer brillanten Rede profilieren.
Aber wie sieht es wirklich aus? In Fraktionssitzungen sind die Abgeordneten gebrieft worden, die Abweichler haben ihre Meinung Kund getan, man weiß genau, wie die Abstimmung ausgehen wird.
Die Opposition hat sich positioniert, die SPD dafür, die Linken dagegen. Von den 583 anwesenden Parlamentariern stimmten 473 der Spanienhilfe zu, das sind immerhin 81,1 % (und das ohne Kanzlermehrheit!).
Aber dafür hätte es doch keiner so langen Debatte bedurft. Das Ergebnis in der Größenordnung von 80% Zustimmung war doch vorher schon bekannt. Geändert hat die ganze Debatte nichts. Für wen also die lange, zeitlich überzogenen Debatte? Opium fürs Volk? Wir haben gekämpft und mit uns gerungen?
Nein, für Schauspiele haben wir das Theater, das ist eines hohen Hauses nicht würdig.
Anders sah es mit dem Entschließungsantrag zur Beschneidung im zweiten Teil der Sitzung aus. Ganz schnell ein Gesetz basteln lassen, ja niemandem auf die Füße treten.
Eine Auseinandersetzung könnte unangenehm werden. Union, FDP und SPD wollen sich im Bundestag für das Recht auf religiöse Beschneidung einsetzen, nur die Grünen wollten nicht mitziehen.
So ganz auf die Schnelle wollen Union, FDP und SPD diese Form der Körperverletzung legalisieren und stellen sich dabei gegen das grundgesetzliche Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit.
Manche Rabbis bieten eine Alternative an, die so genannte „Brit Shalom“, die als alternative Zeremonie die Jungen in die Religion einführen. Auch die unbeschnittenen Juden sind dann vollwertiges Mitglied ihrer Religionsgemeinschaft.
Im Koran steht zur Beschneidung nichts. Nur in der Sunna des Propheten Abraham (Ibrahim) ist sie überliefert. Der Islam legt für die Beschneidung keinen Zeitpunkt fest. Die unbeschnittenen Gläubigen haben dieselben Rechte wie die beschnittenen Gläubigen.
Weshalb also haben es hier im Bundestag einige Fraktionen so eilig, die Beschneidung von Babies und Kleinkindern straffrei zu stellen?
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