Sommertagszüge und Otto Oppenheimer

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Mittwoch, 5. Mai 2010 - 11:50
Frühlingszweig

© Cuellar

 

Otto Oppenheimer, der Erfinder des Brusler Dorschts, war seinerzeit hochangesehener Bürger Bruchsals jüdischer Herkunft, als er und seine Glaubensgenossen weder im Badischen noch in Deutschland diffamiert wurden. Seiner geliebten Heimatstadt und ihren gesellschaftlichen Einrichtungen wie der Karnevalsgesellschaft oder dem Sommertagszugskomittee hat er in den ersten dreißig Jahren des letzten Jahrhunderts viel in lokaler Mundart Gereimtes geschenkt. So auch, wie Lehrer und Schulbeamter Franz Geierhaas übermittelt, diesen Liedtext auf die Melodie „Hinaus in die Ferne" für die Kinder und Heimatfreunde zu Singen bei den alljährlichen Sommertagzügen:

 

„Was stelzt uff dem Dach dort, was zwitschert norr esso?

Die Störche, die Schwalwe, sie senn jo widder do!

: Huche, ihr Feind, der mit dem weißen Bart,

Juchheirassa, der Winter isch uff der Nordlandsfahrt:


Durch Löcher und Ritze dringt hell die Sunn herein,

Wer werd do noch schlofe, beim Frühlingssonneschein!

: Es sprießt im Busch, in Wald und Wies´ und Feld,

Juchheirassa! Juchheissa! Wie schön ist doch die Welt!"

 

Hier kann man die Melodie anhören: Was stelzt uff dem Dach dort


 

Stefan Schuhmacher

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Kommentare

Jetzt wirds spannend: Das

Jetzt wirds spannend: Das Dachstelzenlied ist von Oppenheimer?

Ich erinnere mich an die 50-er Jahre, als wir - dieses Lied singend - hinter der Ehrenkutsche des Sommertagszuges herliefen. In der Kutsche saß mit breit krempigem Hut ein bekannter Bruchsaler Kunstmaler und Förderer des Sommertagszuges.

Wie man heute weiß, war dieser Kunstmaler einer der übelsten Nazis in Bruchsal und Denunziant vieler "Arier", die er fotografisch festhielt, als sie in einem Juden-Geschäft einkauften.

Vermutlich hat dieser Ehren-Sommerumzügler niemals gewusst, wer denn den Text zu diesem Lied geschrieben hat. Oder aber schnell vergessen.

Es wird höchste Zeit, dass den Oppenheimers - Vater und Sohn - in der Stadtmitte von Bruchsal ein Platz gewidmet wird. Wer dies nach all den Informationen von bruchsal.org (siehe vor allem auch Josefshaus und Ferdinand-Keller-Brunnen) noch verweigert, macht sich 65 Jahre nach dem Ende der NS-Zeit erneut der Geschichtsklitterung schuldig.

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