Sol Sajn. Jiddische Musik in Deutschland und ihre Einflüsse
Unter der Titelzeile „Lasst uns trotzdem tanzen" berichtet ZEIT ONLINE über eine soeben bei Bear Family Records erschienene CD-Sammlung "Sol Sajn - Jiddische Musik in Deutschland und ihre Einflüsse (1953-2009)". Diese Sammlung besteht aus vier Boxen mit jeweils drei CDs und kostet beispielsweise bei Amazon je Box EUR 34,95, komplett also EUR 139,80. Allein vom Preis her nichts, was man sich „grade mal so" kauft.
Der Autor Volker Schmidt schreibt, dass diese Anthologie jiddischer Musik im Nachkriegsdeutschland tief in der Geschichte wühle, tief im deutschen Gewissen, "dabei sind viele dieser Lieder große Fetenhits."
Fetenhits! Das ist richtig. Auch der Autor dieses Beitrages hat schon einige Klezmerkonzerte in Bruchsal besucht und durfte feststellen, dass doch wenig Inhalt transportiert wurde. Die Musik war schön, man konnte mitwippen und mit den Fingern schnipsen - auf der Strecke blieb jedoch, dass diese „tieftraurige, himmelhochjauchzende oder erzböse-satirische, oft jedenfalls großartige Musik" uns an den Massenmord an den Juden Europas erinnern kann und erinnern sollte.
Dr. Klaus-Henning Bähr schreibt in seinem Kommentar zu der CD-Besprechung (die viel mehr ist als eine Besprechung, da sie Links zu interessanten Seiten anbietet und Musikbeispiele präsentiert): „Klezmer, zumindest in seiner originären Form, wird aber Zeuge der ostjüdischen Kultur und ihres Untergangs durch die Nazibarbarei bleiben, und wer sich gegen wohlfeiles Vergessen wehrt und ein Herz im Leibe hat, wird beim Hören dieser Musik Trauer empfinden über das Schicksal der Menschen, die uns Klezmer hinterlassen haben, ungeachtet der Zeit, die seitdem verstrichen ist. Ja, lasst uns trotzdem tanzen, aber ohne diese Trauer zu verdrängen!"
Dem ist nichts mehr zuzufügen!
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