Siegerprojekt des Qualitätsförderpreises Gesundheit Baden-Württemberg 2010 ausgezeichnet
Gesundheitsministerin Dr. Monika Stolz MdL zeichnete im Haus der Wirtschaft in Stuttgart das Projekt „Krankenhausapotheker auf Station - Pharmazeutisches Konsil" der Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal als Siegerprojekt des Qualitätsförderpreises Gesundheit Baden-Württemberg 2010 aus. Mit der Auszeichnung ist ein Preisgeld von 8.000 Euro verbunden.
Eine Anerkennung und ein Preisgeld in Höhe von 4000 Euro erhielt das Projekt „Optimierte Arzneimittelversorgung bei der Entlassung aus dem Krankenhaus - ein Beitrag zu mehr Versorgungsqualität" des Schwarzwald-Baar-Klinikums Villingen-Schwenningen. Ein Sonderpreis verbunden mit einem Preisgeld in Höhe von 3000 Euro ging an das Projekt „HeiTel - Telemedizin bei Herzinsuffizienz erhöht Lebensqualität und senkt Krankheitskosten" des Universitätsklinikums Heidelberg
Das Preisgeld von insgesamt 15000 Euro wurde von der Robert-Bosch-Stiftung zur Verfügung gestellt. Die Preisträger wurden aus 27 eingereichten Projekten ausgewählt.
Mit dem zum neunten Mal ausgelobten Qualitätsförderpreis Gesundheit Baden-Württemberg will die Landesregierung den Wettbewerb und den Austausch der Ideen fördern und Vorbilder für besonders gute Qualität im Gesundheitswesen bekannt machen. Der Preis soll Impulsgeber für eine lebendige Qualitätskultur im Gesundheitswesen sein.
„Die Qualität der Gesundheitsversorgung ist eines der wichtigsten Leitthemen unseres Gesundheitswesens und wird es auch in Zukunft bleiben. Der demographische Wandel bringt neue Herausforderungen insbesondere im ländlichen Raum mit sich: die generationenspezifische Versorgung der Zukunft liegt in koordinierten und vernetzten regionalen Versorgungsstrukturen, in denen über die Sektoren- und Berufsgrenzen hinweg der komplette Versorgungsprozess unter Einbeziehung der Patientenwünsche organisiert wird.", sagte die Ministerin bei der Preisverleihung. Der Qualitätsförderpreis habe ein bemerkenswertes Qualitätspotential in allen Bereichen des baden-württembergischen Gesundheitswesens gezeigt. Darunter seien auch viele Pilotprojekte mit erheblichem Wissens- und Erfahrungspotential zur Konstruktion regionaler Netze. „Dieses Wissen gilt es zu nutzen, um gute Projekte nachhaltig und übertragbar zu machen", so die Ministerin weiter.
Hintergrund:
Beim Siegerprojekt „Krankenhausapotheker auf Station - Pharmazeutisches Konsil" der Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal wird auf den chirurgischen, urologischen und gynäkologischen Stationen ein „Beratungsapotheker auf Station" eingesetzt. Über ein Formular, das sog. „Pharmazeutische Konsil", wird die von den Stationsärzten eingetragene hausärztliche und weitere Klinikmedikation für den einzelnen Patienten durch den Apotheker bearbeitet. Insbesondere werden die hausärztliche Medikation durch die Mittel der Hausliste substituiert sowie Interaktionen, Dosierung und Indikationen auf der Basis von Leitlinien geprüft. Auffälligkeiten werden vom Apotheker an den Stationsarzt kommuniziert. Gleichzeitig wird in diesem Zusammenhang die Arzneimittel-Bevorratung optimiert.
Dadurch wird der lückenlose Übergang der Arzneimittelversorgung von der hausärztlichen Versorgung gewährleistet sowie für die Dauer des Krankenhausaufenthalts die Arzneimitteltherapiesicherheit erhöht und an Standards orientiert. Eine Befragung beim ärztlichen und pflegerischen Personal ergab eine hohe Zufriedenheit mit dem Verfahren und eine hohe Einschätzung des Patientennutzens.
Die Jury hat der hohe Patientennutzen durch die qualitativ verbesserte Arzneimitteltherapie, die Entlastung von Ärzten und Pflegkräften durch den „Service" des Apothekers und die Kostenersparnis durch die optimierte Arzneimittelbevorratung überzeugt. Das Projekt verbessert in vorbildlicher Weise die Qualität der Arzneimittelversorgung an der schwierigen Schnittstelle zwischen hausärztlicher und stationärer Versorgung.
Auch das Projekt „Optimierte Arzneimittelversorgung bei der Entlassung aus dem Krankenhaus - ein Beitrag zu mehr Versorgungsqualität" des Schwarzwald-Baar Klinikums Villingen-Schwenningen will die Schnittstelle zwischen hausärztlicher und stationärer Versorgung - hier bei der Entlassung eines Patienten aus dem Krankenhaus - verbessern. Insbesondere sind Einnahmekontinuität und die Arzneimittelsicherheit häufig gefährdet, weil die nach dem Apothekengesetz zulässige Mitgabe der Medikamente zur Überbrückung von Wochenenden und Feiertagen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus in behelfsmäßigen Verpackungen wie zum Beispiel offenen Medikamentenbechern oder Briefumschlägen erfolgt.
Das Klinikum Villingen-Schwenningen setzt dagegen auf eine systematische Integration der Krankenhausapotheke in das Entlassmanagement: Von den Stationsärzten wird die Überbrückungsmedikation rechtzeitig vor Entlassung verordnet; die Arzneimittel werden daraufhin in der Krankenhausapotheke für den Patienten verblistert. Die Blisterkarte ist auch für Personen mit alters- oder krankheitsbedingten Einschränkungen gut zu handhaben. Sie enthält alle Angaben zu Art und Dosierung der Arzneimittel und wird dem Patienten bei der Entlassung verbunden mit einer Beratung durch die Krankenhausapotheke mitgegeben.
Die Qualitätsverbesserung bei der Arzneimittelversorgung durch pharmazeutisch korrekte Verpackung liegt auf der Hand. Bei den Pflegekräften und Patienten wurde eine hohe Zufriedenheit durch die Arbeitsentlastung und die qualitative Verbesserung der Arzneimittelversorgung der Patienten festgestellt.
Die Jury hat überzeugt, wie sich durch die qualitätsgesicherte Mitgabe von Arzneimitteln bei der Entlassung aus dem Krankenhaus Brüche bei der Medikation vermeiden lassen. Das Projekt ist besonders für die Patienten ein Gewinn, da durch die Mitgabe der Blisterkarte und eine zusätzliche Abschlussberatung durch den Apotheker Sicherheit und Vertrauen geschaffen wird.
Das Projekt „HeiTel-Telemedizin bei Herzinsuffizienz erhöht Lebensqualität und senkt Krankheitskosten" des Universitätsklinikums Heidelberg hat sich zum Ziel gesetzt, die medizinische Versorgung von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz durch Einsatz von Telemedizin zu verbessern. HeiTel ist eine Kombination aus Gerätesystem und Nurse-Call-System. Der Patient erhält die notwendigen Geräte zur Messung von Gewicht, Blutdruck, EKG und Sauerstoffsättigung mit nach Hause. Per Telefon übermittelt er täglich die vorgegebenen Vitalparameter an das telemedizinische Zentrum (Dienstleister). Die Daten werden dort bewertet und ggf. ein erster Kontakt zum Patienten hergestellt, der Dienstleister ist bei Bedarf auch erster Ansprechpartner des Patienten. Zugriff auf die Daten haben auch die Universitätsklinik und der niedergelassene Arzt, der den Patienten betreut. Ein Alarm-Algorythmus erleichtert die Überwachung der übermittelten Daten und ermöglicht dem Stationsarzt bzw. der Herzinsuffizienzschwester der Universitätsklinik eine frühzeitige Kontaktaufnahme zum Patienten. Komplikationen werden so erkannt, bevor sie zur Gefahr werden. Ergänzende Schulungsmaßnahmen zu Ernährung und körperlichem Training stärken den eigenverantwortlichen Umgang des Patienten mit seiner Erkrankung. Das Projekt wird durch Versorgungsforschung begleitet.
Die Jury hat besonders der Gewinn an Lebensqualität und Selbstverantwortung für die Patienten überzeugt, die sich im Rahmen der Teilnahme an dem Projekt insgesamt besser betreut gefühlt haben. Derzeit wird abschließend abgeschätzt, ob das Projekt neben einer Erhöhung der Lebensqualität von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz auch zur gleichzeitigen Absenkung der Krankheitskosten beiträgt.
Das Projekt zeigt in hervorragender Weise wie die Verzahnung zwischen den Professionen sowie dem ambulanten und stationären Sektor bei technischer und telemedizinischer Unterstützung zum Nutzen des Patienten gelingen kann.
Quelle: Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Senioren Baden-Württemberg
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