Seltener Besuch aus Peru in Bruchsal
Wenn es nach dem utopischen Wunsch von Doña Agustina ginge, würde die Bruchsaler Oberbürgermeisterin umgehend Staatschefin von Peru. Dies war nicht etwa eine flott gesagte Gefälligkeit von Gast zu Gastgeber, sondern hatte tieferen Sinn. Zwar haben die Frauen von Peru mittlerweile schon einiges an Boden gut machen können, dank unermüdlichen Einsatzes von Vorkämpferinnen wie Doña Agustina für die Verbesserung der Rechte ihrer Geschlechts-genossinnen. Doch einflussreiche Ämter und schon gar Spitzenämter bleiben im Andenstaat Männersache. Daran hat durchaus auch die katholische Kirche ihren Anteil, welche die Frauen kaum fördert und ihre immense Arbeit wenig ideell oder gar finanziell honoriert.
Nahezu 98 Prozent der Bevölkerung sind katholisch. Doña Agustina zählt zum progressiven Teil, also zur Kirche der Befreiungstheologie. Damit lag sie zwar auf gleicher Schiene wie ihr bisheriger Bischof Miguel. Doch die Prälatur Sicuani ist nach dem Tod Miguels derzeit verwaist. Was auf die überwiegend indianische Bevölkerung dort im peruanischen Hochland an Kirchenpolitik zukommen könnte, verunsichert alle.
Aufgabe des peruanischen Gastes daheim ist die Leitung der Schüler- und Altenspeisung, die mit gut der Hälfte der Jahresspenden aus unserer Region finanziert wird. An Schultagen erhalten 140 Kinder aus entlegenen Wohngebieten eine warme Mahlzeit, ganzjährig wird für 20 uralte, alleinstehende Leute gekocht, welchen die Absicherung durch die Nachkommen weggebrochen ist. Durch ihre bedeutsame, hilfreiche Tätigkeit ist sie vielen badischen PerufreundInnen und UnterstützerInnen bekannt. Bei einem eigenen Treffen mit PerukreismitarbeiterInnen berichtete sie aktuell aus ihrer Heimat und dankte für die Förderung, die ideelle und finanzielle Hilfe aus der Region. Diese soll durch den Perutag am 24. Oktober in St. Anton erneut gestärkt werden.
Ebenfalls an Informationen aus erster Hand, ungefiltert und ungeschönt, war Bruchsals Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick interessiert. Zumal sie durch private Reisen in den Andenstaat sozusagen „vorbelastet" ist. Freimütig bekannte ihr die Quechua-Indianerin Farbe, die mitunter in Rom nicht unbedingt freudig gehört würde. Die Probleme der eingeborenen Christen und der Peruanerinnen speziell wurden so automatisch beim Tischgespräch zu beherrschenden Themen. Elisabeth Rieger vom Perukreis St. Peter fungierte dabei als versierte Dolmetscherin. Sie kennt die Situation nicht nur in San Pablo, sondern insgesamt im Andenstaat aus eigener Anschauung, hat sie die ferne Partnergemeinde doch mehrfach bereist.
Die Oberbürgermeisterin berichtete von aktuellen Planungen der Helmsheimer Perugruppe, für 2012 eine längere Reise in deren Partnergebiet zu arrangieren. Ihrer erwünschten eigenen Teilnahme stehe wohl das Amt mit seinen Verpflichtungen entgegen. Für den Augenblick vordringlich sei ihr jedoch die menschliche Begegnung und Kontaktaufnahme mit dieser kompetenten Vertreterin der Partnerschaft in Lateinamerika.
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