Schweinegrippe hielt vor einem Jahr Gesundheitsamt in Atem
Kreis Karlsruhe. Wer erinnert sich noch an die Schweinegrippe ? Vor rund einem Jahr tauchte das Virus in Mexiko erstmals auf, von wo aus es sich zunächst über die USA und über den Flugweg anschließend auch in Deutschland verbreitete. Da aus Mexiko über eine vergleichsweise hohe Zahl an Todesfällen berichtet wurde, bestand in der Bevölkerung und bei den verantwortlichen Behörden eine hohe Besorgnis.
Für die Ärzte und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes im Landratsamt Karlsruhe bedeutete das ansteckende Virus monatelang höchsten persönlichen Einsatz weit über die normalen Dienststunden hinaus. Grund genug für Landrat Dr. Schnaudigel, sich bei einem Ämterbesuch über den Verlauf der Pandemie zu informieren und sich bei den Bediensteten persönlich für den Einsatz zu bedanken.
„Am Anfang ging es darum, die mit dem Virus infizierten Menschen und alle, die mit ihnen in engen Kontakt getreten waren, zu isolieren und sie mit antiviralen Arzneimitteln zu versorgen", erläuterte der Leiter des Gesundheitsamtes Dr. Peter Friebel. Dazu wurden Betroffene anfangs oft stationär untergebracht. Besonderer Dank gilt in diesem Zusammenhang dem Klinikum Karlsruhe für die hervorragende Zusammenarbeit in dieser Phase. In den ersten Tagen der Pandemie in Deutschland waren mitunter pragmatische Lösungen gefordert. In eiligen Fällen klingelten die Ärzte des Gesundheitsamts kurzerhand persönlich an Wohnungstüren, um die Medikamente direkt zu übergeben. Gleichzeitig wurden die niedergelassenen Ärzte, Behörden und Kommunen sowie die Öffentlichkeit mit aktuellen Informationen versorgt - nicht nur im Landkreis, sondern auch dem Stadtgebiet Karlsruhe. Das Landratsamt stand hier im ständigen Kontakt mit dem Landesgesundheitsamt und dem Sozialministerium. „Unsere Telefone standen über Monate nicht still. Trotz der mit der Quarantäne verbundenen Einschränkungen bis hin zum Tätigkeitsverbot verhielten sich die Betroffenen ganz überwiegend sehr vernünftig und kooperativ" erinnerte sich Dr. Friebel. Letztlich konnte damit die flächenhafte Verbreitung der hoch ansteckenden Influenza verzögert und ihr Eindringen in besonders sensible Einrichtungen (z.B. Pflegeheime) verhindert werden. Je mehr Fälle auftraten, insbesondere während des Sommers befördert durch Spanien und Mallorca-Reisende, desto mehr wurden die einschränkenden Maßnahmen gelockert. Auch weil immer deutlicher wurde, dass die „Schweinegrippe" in ihren Auswirkungen eine „normalen" Influenza nicht übertraf. Im September schließlich breitete sich die „Neue Grippe" flächig im Landkreis aus.
Ende Oktober stand dann der neu entwickelte Impfstoff zur Verfügung; zu einer flächendeckenden Impfung kam es aus mehreren Gründen aber nicht. Anfangs war nicht genügend Impfstoff vorhanden, zeitgleich nahm die Zahl der Fälle bereits deutlich ab und die Impfung wurde in der Öffentlichkeit sehr kontrovers diskutiert. Gleichwohl bleibt die Impfung im Ernstfall der wirksamste Schutz.
Anfang 2010 war die Schweinegrippe wieder abgeebbt. 2.500 gemeldete Fälle registrierte das Gesundheitsamt insgesamt, die tatsächliche Zahl der Erkrankten in Stadt- und Landkreis Karlsruhe dürfte aber weit höher gelegen haben. Landrat Dr. Schnaudigel dankte dem Team für die gute Arbeit und lobte insbesondere, dass durch die aufwändige und konsequente „Einzelfallbearbeitung" die Ausbreitung des Virus auf sensible Bereiche verhindert werden konnte und es in der Bearbeitung zu keinen überschießenden Reaktionen kam. Beeindruckt zeigte er sich über die logistische Leistung, die hinter dem Krisenmanagement steht. Bewährt hat sich die organisatorische Zusammenfassung von Gesundheit und Katastrophenschutz in einem Dezernat. Die Erfahrungen aus der Epidemie werden nun genutzt, um für künftige Fälle noch besser gerüstet zu sein.
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