Saalbach

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Lebensader einer Region
Dienstag, 19. April 2011 - 16:22

Siegfried Schlegel

Siegfried Schlegel

Siegfried Schlegel ist vielen Bruchsalern bekannt als kompetenter Kenner der Stadtgeschichte und der Region, hier speziell des Saalbachs und dessen Einzugsgebiets. Darüber hat er schon viele Zeitungsartikel geschrieben und Vorträge gehalten, zuletzt am 15. April bei der Volkshochschule Bruchsal. Es war der Vierte in einer Reihe von Vorträgen über die Region mit dem Schwerpunkt Saalbach.

 

Vortrag

 

Der erste Vortrag befaßte sich mit dem oberen Salzachtal (so wurde der Saalbach früher auch genannt) mit dem Zisterzienserkloster Maulbronn sowie dem Wasserlauf bis zur Pseudoeinmündung in die Kinzig-Murg-Rinne bzw. den Nebenrhein, auch Anglach genannt. In der Folge dieses Vortrags wurde der Bachlauf mit seinen zufließenden Quellen und der beginnenden und fortschreitenden Entwicklung des steinzeitlichen Lebens an den Uferbereichen beleuchtet. Der zweite Vortrag befasste sich mit der Entstehung unserer Stadt in der fränkischen Zeit in Verbindung mit dem Saalbachlauf, der die Stadt mittenhindurch durchfloß, darüberhinaus wurde die mittelalterliche Wasserversorgung aufgezeigt sowie die bäuerliche und wirtschaftliche Basisentwicklung in den Gewerben der Steinbrecher und Siedler. Der dritte Vortrag schließlich befaßte sich mit der merkantilen Zeit, in der wirtschaftlicher Aufschwung und Entwicklung allgegenwärtig waren. Es war die Zeit, in der die schwer darniederliegende Stadt Bruchsal unter der Obhut ihres Fürstbischofs erblühte mit dem Schwerpunkt der Mühlen am Saalbach und den Salinen als flächendeckendem Wirtschaftsfaktor. Der vierte Vortrag nun befasste sich mit dem Saalbach als Lebensader einer Region, wobei mit Region der Bereich zwischen Bruchsal, dem Rhein mit den Bächen Saalbach, Wagbach (an dessen Ufer die Gemeinde Waghäusel mit dem Kapuzinerkloster liegt) sowie vielen Entwässerungsgräben und den Städten Speyer, Philippsburg und Bruchsal, den Gemeinden Waghäusel, Graben-Neudorf und Altenburg (Karlsdorf). Herr Schlegel begann mit Blickrichtung Saalbachmündung Richtung Bruchsal, also folgerichtig mit der Entwicklung der Stadt Philippsburg. Der Saalbach führte damals riesige Wassermassen, die das Mündungsgebiet breitflächig überschwemmten und so zur Sumpflandschaft machten. Erstaunlich ist es, dass die Römer 270 vor Christus dort ein kleines massives Kastell anlegten, indem sie den Bach kanalisierten und somit den Sumpf trockenlegten. Dadurch wurde fruchtbares Ackerland gewonnen und Gallier aus dem heutigen Frankreich als Arbeitskräfte für die Römer angesiedelt.

 

Römisches Kastell bei Phillippsburg

Römisches Kastell Phillippsburg

Nach dieser ersten Kanalisierung und Saalbachregulation dauerte es einige Jahrhunderte, bis an der selben Stelle der Ort Udenheim entstand. Bei der Gründung von Udenheim vor ca. 1200 Jahren sind zwei Ortsteile entstanden, als erstes eine Burg und zugleich Schloßanlage auf den römischen Fundamenten, gesichert durch eine Schutzmauer, und sodann ein zweiter, bäuerlicher Bereich, dem Rhein zugewandt und ebenfalls durch eine Schutzmauer gesichert. Nachfolgendes Bild zeigt die Stadt mit der Kirche und dem Schloß, vom Rhein aus gesehen Richtung Bruchsal, bevor begonnen wurde, Philippsburg als Festung auszubauen.

 

Phillippsburg

Phillippsburg, vom Rhein aus gesehen

Beide Ortsteile waren durch den Saalbach miteinander verbunden. Der Grund, warum der Bach mitten durch den Ort gelaufen ist war der, dass man die Entsorgungs- und Abwasserprobleme dadurch gelöst hat, es wurde alles in den Bach geworfen, was entsorgt werden mußte, Unrat, Abfall, Abwässer, wie es in Bruchsal ja auch der Fall war. Man kann sich vorstellen, was da rumgeschwommen ist. Aber offensichtlich gab es trotzdem Fischerei, und ich muß mal Herrn Schlegel fragen, der ja auch hierzu Experte ist, wie das damals war. Im 16. und 17. Jahrhundert machten die Speyerer Bischöfe den Ort zu ihrem Wohn- und Verwaltungsitz, sie hatten ihr Domizil nicht mehr in Speyer, wo der Dom stand, sondern kamen hierher und man nannte die Stadt anmaßend auch "Trutzburg des Katholizismus". Das soziale und wirtschaftliche Leben änderte sich schlagartig, als Philipp Christoph von Sötern 1610 im Alter von 43 Jahren das Bistum/Hochstift Speyer übernahm und somit auch Landesherr über die Region Bruchsal wurde. Von Sötern war ein gnadenloser Herrscher, der während des gesamten 30jährigen Krieges regierte und seine Untertanen, als hätten sie nicht durch den Krieg genug zu leiden gehabt, skrupellos knebelte.

 

v. Sötern

 

Da der Vortrag so umfang- und facettenreich war, bin ich gezwungen, ihn in mehreren Teilen zu veröffentlichen, also Fortsetzung folgt und: Es bleibt interessant und spannend - auf den Spuren unserer Vorfahren.

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