s Adölfle oder de Zeppelin: Ihre Meinung ist gefragt.

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Montag, 11. Januar 2010 - 22:36

Der nachfolgende Kommentar wurde zum bruchsal.org-Artikel „Ein Original aus Bruchsal: "s Adölfle" oder "de Zeppelin" geschrieben. Wir halten die in diesem Kommentar gemachten Überlegungen für so bedenkenswert, dass wir diese den Lesern von bruchsal.org gerne zur Diskussion stellen möchten:

Die Bruchsaler sind schon ein komisches Völkchen

Da hätten die Bruchsaler die Chance, etwas Einmaliges zu kreieren - einen Platz zu benennen nach einem Bruchsaler, dem sicher Zeit seines Lebens das Glück nicht hold war. Der aber Bruchsal und seine leidvolle Geschichte vielleicht dokumentiert wie kein Zweiter: Nämlich Adolf Böser, dessen Lebensgeschichte so untrennbar mit Bruchsal verknüpft ist wie die nur weniger.

Jetzt werden Allerweltsnamen für den Platz der Toilettenanlage diskutiert wie Marienplatz (meine Güte, es gibt in Deutschland Hunderte Marienplätze) oder nach einem Pfarrer (der sicher auch seine Verdienste haben könnte). Aber Maria, die Mutter Gottes, als Namensgeber für ein Stückchen Erde, das mit den Fäkalien von Generationen getränkt ist (ich übertreibe, ich weiß)?

Die Stadt Mannheim macht es uns vor. Dort wurde eine ähnlich markante Person, auch ein Underdog, ein Behinderter, mit einer Skulptur gewürdigt: Der Blumenpeter. Nicht nur ein Begriff in Mannheim. Auch darüber hinaus. Eine liebevolle Würdigung einer positiv wahrgenommenen Gestalt, die noch heute im Gedächtnis der Mannheimer ist. Ich schlage denen vor, die sich nicht vorstellen können, einen "solchen" Menschen zu würdigen, nach Mannheim zu fahren zum Blumenpeterdenkmal; noch heute werden regelmäßig dem Blumenpeter frische Blumen in die bronzene Hand gedrückt; der Blumenpeter starb 1940!

Für die, die sich kundig machen wollen, was möglich ist:

http://www.socialnet.de/rezensionen/5095.php

http://www.bloomaul-mannheim.de/0497579a390d8c92d/index.html

http://www.kurfas-net.de/blumepeter/mannheim_und_der_blumepeter.htm

Liebe Bruchsaler, bringt das Adelfle wieder dort hin, wo er tagein, tagaus sich aufhielt. Zu seinem geliebten Platz bei der WC-Anlage. Benennt diesen Platz nach einem von euch, nach dem Adelfle. Scheut nicht die Ausgaben für ein Denkmal fürs Adelfle. Und überlegt euch, ob ihr nicht die Toilettenanlage sanieren und stehen lassen wollt. Mit dem Brünnele, an dem sich das Adelfle so gern aufhielt.

P.S.: Vielleicht noch ein Tipp für das Bruchsaler Stadtmarketing. Wie wollen Sie einen Marienplatz oder einen Pfarrer-XY-Platz vermarkten? Ist doch 08/15. Der Blumenpeter wird angesehen als "Synonym für Mannheimer Art und Lebensfreude". Das Adelfle mit den vielen Anekdoten, die ihm zugeschrieben werden, repräsentiert vielleicht auch ein wenig von der Heiterkeit und Vitalität der Bruchsaler.

Verfasst von Gast (Kontakt der Redaktion bekannt) am 10. Januar 2010 - 20:46.


Hier zwei weitere Links zum Thema Blumenpeter: http://de.wikipedia.org/wiki/Blumepeter und http://www.verdi.de/rhein-neckar/geschichten/blumenpeter.

Über den obigen Kommentar hinaus möchten wir noch festhalten:

Ja, Adolf Böser war kein „normaler“ Mensch. Ja, er hat keine besonderen Leistungen erbracht. Er hat nicht von einer Kanzel gepredigt oder einen Platz gestaltet oder eine Firma angesiedelt. Er war keiner der Normalen, dieser „öden blassen Gestalten, an die man sich partout nicht mehr erinnern kann“ (Zitat aus: „Irre! Wir behandeln die Falschen“ von Dr. med. Dipl. theol. Manfred Lütz).

Ja, es macht Sinn die „alte“ Toilettenanlage nicht abzureißen. „Haus und Grund“ schreibt: „Vorgestellt war ein Ersatz für die entfallende öffentliche Toilette.Diese erscheint nirgends mehr. Aufgrund der Kritik soll sie nunmehr im Parkhaus verwirklicht werden.“ Nein, wir Bruchsaler sind nicht auf die Gnade von SEPA angewiesen. Wir brauchen keine öffentliche Toilette in einem Parkhaus.

Ja, es ist bedeutungsvoll sich der Geschichte zu erinnern und diese zu würdigen. Menschen wie Adolf Böser werden länger im kollektiven Gedächtnis der Bruchsaler sein als irgend ein Würdenträger. So wie in Mannheim der Blumepeter, in Köln Tünnes und Schäl, in Bayern der Xarie oder in Hamburg der Hein, ist s Adölfle für Bruchsal ein Original, das man nicht so einfach vergessen wird aber auch nicht vergessen sollte. Denn Adolf Böser steht auch für eine der schwersten Zeiten der Stadt Bruchsal.

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Kommentare

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Bruchsal sollte zur Vergangenheit stehen und solche Menschen „wie´s Adölfle" dementsprechend würdigen. Mal ehrlich, jeder von uns „der´s Adölfle" kannte, hat ihn nicht für voll genommen, und der Hohn und Spott der Kinder wurde belächelt.  Dieses Mahnmal sollte nicht nur die Verfolgten und Misshandelten der Nazizeit würdigen, sondern stellvertretend darauf aufmerksam machen, dass es auch Menschen mit Handicap unter uns gibt, die genauso einen Platz in unserer Gesellschaft haben. Denn diese Menschen werden heut zu Tage viel zu sehr vor der Öffentlichkeit versteckt.

Enrico Ciuffani

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