Runder Geburtstag des Künstlers Karl Hubbuch lockte zahlreiche Gäste nach Gochsheim
Kraichtal (sn). Die Museumssaison ist vorbei. Genau genommen liegt das Graf-Eberstein-Schloss in Gochsheim bereits seit Anfang November im „Winterschlaf“. Doch besondere Ereignisse erfordern besondere Maßnahmen und so öffnete das Museum im Schloss am Montag, 21. November, dem 120. Geburtstag Karl Hubbuchs, noch einmal seine Pforten. Von 14.00 bis 18.00 Uhr waren Interessierte recht herzlich eingeladen, den runden Geburtstag mit Gleichgesinnten zu feiern.
Als „Geburtstagsgeschenk“ hatte eine Neuenbürgerin die Originalstaffelei von Karl Hubbuch übergeben.
Nachdem bereits am Vormittag drei Kraichtaler Schulklassen ihren Unterricht in der Hubbuch-Ausstellung abgehalten hatten, fand gegen 17.00 Uhr eine Sonderführung von Traute Hubbuch-Pfefferle, Lehrerin an der Unteröwisheimer Eisenhutschule, durch die Sammlung statt. Unter den Gästen fanden sich neben Bürgermeister Ulrich Hintermayer und Karl-Heinz Glaser, Vorsitzender des Heimat- und Museumsvereins Kraichtal, auch Ehrenbürger und Bürgermeister a. D. Berthold Zimmermann mit Ehefrau ein. Frau Hubbuch-Pfefferle, die betonte, dass sie selbst aus Neuenbürg stammt, jedoch lediglich über „tausend Ecken“ mit dem gleichnamigen Künstler verwandt ist, beschrieb Karl Hubbuch als „einen kritischen Beobachter seiner Umwelt, der der Gesellschaft mit seiner Kunst einen Spiegel vorhalten wollte“. „Zusammen mit Ellen Hubbuch, der zweiten Frau Karls, war ich als Kind im Elternhaus Hubbuchs gewesen und wer weiss, vielleicht hat mich dieser Besuch ein bisschen dazu bewogen, eine Ausbildung zur Kunsthistorikerin zu machen“, beschrieb Traute Hubbuch-Pfefferle ihre persönlichen Berührungspunkte mit dem Künstler.
Die Sonderführung von Traute Hubbuch-Pfefferle anlässlich des 120. Geburtstages des Künstlers Karl Hubbuch war gut besucht.
Neben dem Stichwort der „neuen Sachlichkeit“ erläuterte die Pädagogin dem gebannt lauschenden Publikum auch Details des berühmten Selbstportrait Hubbuchs aus dem Jahr 1914, das selbstverständlich in der Ausstellung nicht fehlen darf. Dass es sich bei Prof. Karl Hubbuch um einen „wachen Beobachter“ handelt, wird auch in seinem Werk „Das Fleisch“ deutlich, wo er den Unterschied zwischen Wohlstand und Armut unter der Bevölkerung zum Ausdruck bringt. Interessant war hierzu auch die Ergänzung eines Besuchers, der mitteilte, dass das Bild zu einem Kinderbuch gehört. Von Traute Hubbuch-Pfefferle erfuhren die Gäste weiter, dass der Künstler gerne nach Frankreich reiste, er die Franzosen und das dortige Leben sehr gemocht hat. Als Zeichen der Hoffnung nach der Zeit des Nationalsozialismus und des 2. Weltkrieges, wo Hubbuch selbst mit einem Berufsverbot belegt war, ist das 1954 entstandene Ölgemälde „Der alte Jakob baut auf“ anzusehen. Nach den Kriegstagen engagierte sich Karl Hubbuch außerdem in einer antifaschistischen Karlsruher Bewegung. In der Sonderführung wurde ebenfalls erläutert, wie es zu den bekannten Neuenbürger „Jedermann-Spielen“ unter Walter Weckenmann kam, bei denen von 400 Neuenbürgern 300 beteiligt gewesen waren. Karl Hubbuch gab seiner Zeit Anregungen für die Regie und unterstützte die Laienschauspieler beim Gestalten der Kulisse und von Plakaten.
Kurz nach dem Zusammenschluss der Stadt Kraichtal vor 40 Jahren wurde aus der Neuenbürger Hauptstraße die Prof.-Hubbuch-Straße. Diesen Umstand hat Neuenbürg dem ersten Kraichtaler Bürgermeister Berthold Zimmermann zu verdanken, der sich damals im Gemeinderatsgremium für diese Namensgebung stark gemacht hatte. Im Jahre 1985 übergab die Witwe von Karl Hubbuch, Ellen Hubbuch, der Stadt Kraichtal eine großartige Stiftung mit etwa 60 Werken ihres 1979 verstorbenen Mannes. Damit wird die Verbundenheit Hubbuchs mit Neuenbürg, dem Heimatort seiner Eltern, dokumentiert. Am 26. Dezember 1979 verstarb Karl Hubbuch in Karlsruhe, einem Ort, wo ihm die große Anerkennung leider versagt blieb.
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