Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte auf Inspektionsgang durch Bruchsal
Bruchsal. Dieser Tage trafen sich die AG „Menschen mit und ohne Handicap" unter Leitung von AG-Sprecher, Dieter Neff, zu einer ersten Inspektion in der Bruchsaler Innenstadt auf barrierefreie Zugänge verschiedener öffentlich zugänglicher Gebäude. Ausgangspunkt und erste Station war die Firma Profi-Foos am Güterbahn. Positives Urteil der Gruppe: genügend und ausreichend große Parkplätze sind vorhanden. Der Eingang ermöglicht ein barrierefreies Befahren(-treten) der Verkaufsräume. Besonders positiv fiel ein auch für Rollstuhlfahrer gut erreichbare Kaffeeautomat auf.
Erste Negativfeststellung allerdings war hier die schwierige Erreichbarkeit für Rollstuhlfahrer. Der Gehweg vom Profi-Foos zur Siemensunterführung ist 20 Zentimeter zu schmal. Von der Zollhallenstraße respektive Stadtmitte über die Kaiserstraße ist Profi-Foos nach Feststellung der Rollstuhlfahrer nur auf der rechten (nördlichen) Straßenseite stadtauswärts an der Ampel bei der Fa. Siemens erreichbar.
Beim nächsten Inspektionspunkt wurde festgestellt, dass der Zugang zum Bahnhofsgelände über den dortigen rückwärtigen Parkplatz beim Merkurzentrum durch die steile Rampe für Rollstuhlfahrer unmöglich ist. Als gefährliches betrachtete die Gruppe das Überqueren der Fahrbahn wegen Fehlens eines Fußgängerüberweges. Rollstuhlfahrer können hier Gefahr laufen, von Autofahrern nicht gesehen zu werden.
Auf dem Weg zum „Cinepex (für Behinderte völlig ungeeignet, weil sich die Eingangstüren nur nach außen öffnen lassen, ein Kinobesuch mithin unmöglich ist und Klingelknöpfe zum Rufen des Personals fehlen) wurde gesehen, dass das Cafe am Europaplatz leider nicht behindertengerecht ausgebaut ist. Das Cubanita wie auch das Cafe Block bleiben für Behinderte im Rollstuhl verschlossen, weil in Eingangsbereichen fünf beziehungsweise vier Stufen überwunden werden müssen. Möglichkeiten das Personal um Hilfe zu bitten sind hier nicht vorhanden. Der Geldautomat der Volksbank (Ecke Cubanita) ist für Rollstuhlfahrer ungeeignet, weil der Bildschirm vom Rollstuhl aus nicht eingesehen werden kann. Auch die Central-Apotheke ist wegen einer vorhandenen Stufe leider nicht befahrbar, während die Stadt-Apotheke hier mit ihrer leichten Erreichbarkeit besonders positiv auffiel.
Als vorbildlich betrachtet wurde dagegen der Zugang zum Stadtbusbüro, weil die Räume von Behinderten und Rollstuhlfahrern ungehindert erreichbar sind. Die Türen lassen sich nach innen öffnen und der Vorplatz sei für Wendemanöver ausreichend groß dimensioniert.
Die Zugänge zur Commerzbank, dem Tabakgeschäft, sowie eine Reihe weiterer Geschäfte in der Wörthstraße sind wegen vorhandener Treppenstufen nicht erreichbar, während die Geschäfte Haubensack und Füllhorn dagegen durch Ebenerdigkeit gut erreichbar sind. Gerade bei fehlender Erreichbarkeit wegen Treppen wurde der Wunsch laut, dann wenigstens Klingeln zu installieren, über die das Verkaufspersonal um Hilfe gerufen werden kann.
Auf dem weiteren Inspektionsgang wurde gesehen, dass das betreten des Modegeschäftes „Stilecht" und Bäckerei Rutz in der Friedrichsstraße nur mit Hilfe des gut zu sehenden Personals möglich ist. Positiv, die Geschäftsräume im Friedrichpalais und der Sparkasse sind für Rollstuhlfahrer und Behinderte gut zugänglich, wie auch die meisten in der Kaiserstraße vorhandenen Geschäfte. Ausnahme, die Sparkassenfiliale und Tschibo. Beide sind wegen vorhandener Treppen Behinderten versperrt. Umgekehrt sind nach Feststellungen der Behinderten- und Rollstuhlfahrergruppe alle Geschäfte im Sepa-Zentrum generell für Rollstuhlfahrer gut erreichbar. Besonderes Lob erhielt die Drogerie Müller, dessen Personal sich gegenüber Behinderten als besonders hilfreich zeigte. Bedauert wurde, dass auf die Toilette im Parkhaus weder vom Friedrichsplatz noch von der Kaiserstraße per Schild hingewiesen wird. Ein genereller Kritikpunkt ist, dass der für die Behindertentoilette notwendige Euro-Schlüssel nicht funktioniert.
Bemängelt wurde weiterhin der entschieden zu schmale Durchgang für Rollstuhlfahrer in der neu gestalteten Rathausstraße, wenn die dort vorhandenen Parkplätze besetzt sind, ebenso wie am Sepa-Zentrum keine Behindertenparkplätze ausgewiesen sind. Als besonderen Kritikpunkt sahen die Rollstuhlfahrer, dass die Stadtkirche keinen behinderten-/Rollstuhlfahrergeeigneten Zugang hat.
In seinem Fazit zeigte sich AG-Sprecher, Dieter Neff, am Ende der Inspektion doch erleichtert, meinte aber, dass über Gespräche mit den weniger gut erreichbaren Geschäften in der Innenstadt doch die eine oder andere Abhilfe geschaffen werden sollte, um dem gesetzten Ziel einer barrierefreien Stadt Bruchsal einen großen Schritt näher zu kommen. -ph-
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