Rollibegehung der AG "Menschen mit und ohne Handicap"
Am Dienstag, den 14. August führte die AG “Menschen mit und ohne Handicap” der Lokalen Agenda eine Rollibegehung gemeinsam mit der Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick, Manfred Schmitt von der Straßenverkehrsbehörde, Oliver Krempel vom Bau- und Vermessungsamt sowie Bettina Pfeiffer vom Agenda-Büro durch.
Seitens der AG waren deren Gruppensprecher Dieter Neff sowie Eduard Holoch und Dieter Zimmermann vertreten. Eine große Schar interessierter Bürger sowie direkt betroffener Rollstuhlfahrer hatten sich der Gruppe angeschlossen.
Der Weg führte vom Bahnhof über einige neuralgische Punkte wie den Fußgängerübergang beim Europaplatz über den Busbahnhof und die Wörthstraße zum Friedrichsplatz. Auf dem Prüfstand standen die barrierefreie Erreichbarkeit der Innenstadt.
Menschen mit Behinderung oder ältere Menschen mit Rollator, aber auch Eltern mit Kinderwagen stoßen täglich auf Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Dazu zählen unter anderem Bordsteine, Treppen, unvorhergesehene Erhöhungen, Baustellen, Fußgängerüberwege, Behindertenparkplätze oder zugeparkte Gehwege.
Die Arbeitsgruppe möchte mit ihrer ersten öffentlichen Begehung die Problematik aufzeigen und bei der Bevölkerung, vor allen Dingen auch bei den Autofahrern, für mehr Verständnis werben.
Dieter Neff erläuterte zu Beginn den Zweck der Veranstaltung, bedankte sich bei der Oberbürgermeisterin für ihr Interesse und stellte die oben angeführten Vertreter der Verwaltung vor, bevor es zum ersten problematischen Punkt ging, nämlich zum Fußgängerüberweg am Europaplatz.
Da gibt es derer ja gleich zwei nebeneinander im Abstand von ca. 20 bis 30 Metern. Der gefährlichere von beiden ist ohne Zweifel der Übergang direkt nach der Kurve vor dem Merkur-Center.
Wie sich das für einen Rollstuhlfahrer darstellt, konnte ich dort selbst erleben, schob mich Dieter Neff doch eigenhändig mit dem Rollstuhl über den Übergang, wobei ich inbrünstig betete, dass wir nicht überfahren werden.
Wenn Sie ins Video reinschauen, stellen Sie selbst fest, welches Verkehrsaufkommen da vorhanden ist, und aus der Sicht eines Rollstuhlfahrers sehen Sie wirklich nicht viel und müssen darauf hoffen, dass die schnell ankommenden Fahrzeuge Sie rechtzeitig erkennen und anhalten.
Der Übergang wurde heftig diskutiert und von allen als gefährlich eingestuft. Vorschläge zur Problembehebung gab es genügend, wie z.B. Errichtung einer Ampel, Anbringung eines Zebrastreifens, es wurde teils heftig debattiert, doch zu einer Lösung kam niemand, zu schwierig die Situation dort. Von Oliver Krempel wurde der Vorschlag gemacht, doch den ca. 30 m weiter bahnhofwärts gelegenen Übergang vor dem Kino zu benutzen. Hier käme eventuell ein Zebrastreifen in Frage, und Manfred Schmitt von der Straßenverkehrsbehörde erläuterte das Für und Wider eines solchen.
Mein Vorschlag hierzu wäre: Wenn der Übergang in der Kurve doch so gefährlich ist, einfach schließen, gleich daneben gibt es doch einen zweiten, wesentlich sichereren, wenngleich Eduard Holoch meinte, dass die Fahrzeuge, aus der Kurve kommend, schon wieder beschleunigten und der Übergang demnach auch nicht sicherer sei.
Wie dem auch sei, für die Stadtverwaltung war diese Sicht der Dinge neu und man will überdenken, was da zu tun sei. Vor dem "Cubanita" erläuterte Manfred Schmitt von der Straßenverkehrsbehörde dann auch die verschiedenen Versionen der Behindertenausweise und welche Berechtigungen damit verknüpft sind, zu sehen im Video unten.
Am Busbahnhof herrschte Einigkeit darüber, dass die beiden großen Oleanderbüsche direkt auf der Behindertenauffahrt ein Hindernis darstellen und weg müssen, so schön sie auch aussehen. Es wird sich sicherlich ein anderer Ort dafür finden lassen.
Bei der weiteren Begehung Richtung Friedrichsplatz über die Wörthstraße wurden Themen wie farbliche Kennzeichnung von Bordsteinabsenkungen diskutiert und wie Blinde vom Bahnhof sicher in die Innenstadt geleitet werden können, ein sehr komplexes Thema, da sich Maßnahmen für Behinderte und Blinde manchmal nicht vertragen
(Blinde erkennen an Bordsteinabsenkungen z.B. nicht, wo die Straße anfängt, hier muß ein geriffelter Straßenbelag Abhilfe schaffen - Blindenleitsysteme sind nicht in der Innenstad anwendbar, im Bahnhofsbereich funktioniert das aber ganz gut usw.).
Dieter Neff war mit dem Ablauf und dem Ergebnis der Begehung sehr zufrieden, zeigte sie doch einige Schwachstellen auf, die der Verwaltung vorher so nicht bekannt waren. Bleibt zu hoffen, dass diese, wie versprochen, auch reagiert und das ein oder andere Problem abstellt
Wie immer: Nach dem Start des Videos auf das Zahnradsymbol klicken und dann auf 1080 oder 720p, um das Video mit erhöhter Auflösung abzuspielen.
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Kommentare
Danke
als Gruppensprecher der AG Menschen mit und ohne Handicap möchte ich mich auch hier für die tolle Mitarbeiter aller Beteiligten bedanken.
Ein großes Dankeschön auch an Herrn Waldemar Zimmermann für die tolle Berichterstattung und die Filmaufnahmen.
Und mit dem Agenda Motto: „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern“
Verbleibe ich mit den besten Wünschen
Dieter Neff
Gruppensprecher AG Menschen mit und ohne Handicap
P.S.: Keine 24 Stunden nach der Rollstuhlbegehung war die Behinderung durch die riesige Orleanderkübel am Busbahnhof beseitigt, sprich diese wurden durch kleinere ausgetauscht.
Auch hierfür unseren besten Dank.