Riskanter Besuch beim Online-Arzt DrEd

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Mittwoch, 18. Juli 2012 - 11:50

Wer sich an die von deutschen Ärzten von London aus betriebene Online-Praxis namens DrEd wendet, geht ein hohes Risiko einer Falschbehandlung ein. Die Stiftung Warentest rät deshalb davon ab, sich über die Online-Arztpraxis "behandeln" zu lassen.

Tester hatten sich mit zwei Krankheiten, an denen sie vermeintlich litten, an DrEd gewandt: Bei der Sprechstunde "Blasenentzündung" clickte eine Testerin die Symptome "Blasenschmerzen" und "andere Symptome" an. Nach wenigen Minuten bekam sie ein Rezept für ein Antibiotikum angeboten, ohne dass die Online-Ärzte weitere Auskünfte über die "anderen Symptome" verlangten. Die Angaben hätten aber auch auf Nierensteine oder sogar einen Tumor hindeuten können. Die Testperson bräuchte also eine Untersuchung, zumindest einen Urintest. Stattdessen bekam sie ein Antibiotikum, das ihr eventuell gar nicht hilft, mit den verbundenen Wirkungen und Nebenwirkungen.

Bei der zweiten Krankheit ging es um die Chlamydien-Infektion, eine sexuell übertragbare Krankheit. Hier verließ sich der Online-Arzt auf die erfundene Aussage der Testperson, sie habe einen Selbsttest mit positivem Ergebnis durchgeführt, und stellte ein Rezept für ein Antibiotikum aus. Die Tester ließen sich die Rezepte nach Hause schicken und mussten drei, beziehungsweise fünf Werktage darauf warten - sehr spät für die brennenden Probleme.

Das Fazit der Tester: Reale Patienten gehören nicht in eine virtuelle Arztpraxis. Das Risiko einer Falschbehandlung ist immens.

Der ausführliche Bericht ist online unter www.test.de veröffentlicht.

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Kommentare

Das sind die Auswüchse...

...einer verfehlten Politik und einer gescheiterten Gesundheitsversorgung

Aber der Reihe nach:

Im "Bericht der Interministeriellen Arbeitsgruppe "Soziale und gesundheitliche Versorgung" des Kabinettsausschusses "Ländlicher Raum"" heißt es zum Thema Telematik bzw. "Telemedizin":

Auch Entlastungsmöglichkeiten für Landärzte wie Landarzttaxis, Gemeindeschwestern, verstärkter Einsatz von Telemedizin seien grundsätzlich denkbar.

oder

Soweit tatsächlich die Schließung eines Krankenhauses eine örtliche Versorgungslücke hinterlasse, könnten neue Strukturen wie Portalkrankenhäuser oder MVZ dies für den ambulanten Bereich ausgleichen. In diesem Zusammenhang werde der Telemedizin besondere Bedeutung zukommen.

oder unter "Generelle Empfehlungen"

2. Der Kabinettsausschuss begrüßt den Einsatz von Telemedizin...

Was ist Telemedizin eigentlich? Auch darüber gibt der Bericht Auskunft:

Im Rahmen des Impulsprogramms doIT-regional wurde ein solches Programm im Ostalbkreis bereits konzipiert. Mittels hochaufgelöster Foto-Handy sollen Foto- bzw. Video-Sequenzen mit Informationen über den Patienten an Fachärzte in beteiligten Kliniken geschickt werden. Dort werden die Aufnahmen befundet sowie kommentiert und Zweitmeinungen eingeholt.
Dies soll eine häusliche Betreuung auf medizinisch hohem Niveau ermöglichen sowie die Behandlungsdauer verkürzen und Transportkosten reduzieren.

Willkommen in der Zukunft!


eventuell

sind die Patienten von Morgen, Kandidaten für den Darwin-Award, wenn sie sich hier behandeln lassen. Vielleicht kann man es im ein-oder anderen Fall auch unter passiver Sterbehilfe verbuchen.....

Was spricht dagegen?

Das Projekt eHealth im Ostalbkreis ist nur ein Teilprojekt des doit-regional.
Die Möglichkeit, dass ein (Haus)Arzt Bilder, Fotos und Videosequenzen an Fachärzte sendet, um eine Zweitmeinung einzuholen, was soll daran schlecht sein?

Im Zweifelsfall kann der Arzt immer noch eine Überweisung zum Facharzt ausstellen. Nicht der Patient, der Arzt holt die Zweitmeinung ein!

Dasselbe gilt für den Facharzt. Weshalb soll es nicht möglich sein, das der sich eine Zweitmeinung einholt? Früher geschah dies oft am Telefon, heute können wir bildgebende Medien nutzen.

Telemedizin kann auch sein, das Telemetriedaten (Blutdruck, Puls) direkt zum Arzt gesendet werden.

Man kann den Fortschritt nicht zurückdrehen, man muss ihn nutzen. Nur weil manche Dinge zu Beginn noch fehlerhaft sind (DrEd) bedeutet dies doch nicht das "AUS".

Ich behaupte, dass viele Menschen, die bei sich einen Gesundheitsmangel zu erkennen glauben, als erstes im Internet recherchieren, bevor sie zum Arzt gehen. Und ich behaupte weiter, dass das Verständnis für den Gesundheitsmangel dadurch wächst und für den mündigen Kranken von Vorteil ist.

Dass dabei auch Scharlatane sind, die irgendwelche Heilsversprechen machen, wer kanns verhindern?

Schön wär 's..

.. wenn ein Arzt eine Zweitmeinung einholen würde, aber dies tun oft genug "Gemeindeschwestern", Ersthelfer wie Rettungssanitäter usw.(siehe Zitat oben, siehe verlinktem Bericht)

Wir wär' s denn, wenn wir uns darum bemühen, statt unsere Gesundheit "neuen Technologien" anzuvertrauen, für genügend Ärztepräsenz zu sorgen?

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