Rest in peace, alter Schlachthof
Die Schließung des Schlachthofes, das Ende von drei Jahrzehnten Stadtkabarett, macht viele traurig. Der Schlachthof steht unter Denkmalschutz, irgendwie hätte es auch das Bruchsaler Stadtkabarett von Rainer Kaufmann verdient, unter "Denkmalschutz" gestellt zu werden.
In die Reihen derer, die das Ende einer Ära in Bruchsal bedauern, ordnen sich auch Higgins & Sina aus Untergrombach ein. Higgins & Sina betreiben in "Unterfroschbach" eine Gitarrenschule, sind aber auch oft musikalisch unterwegs mit ihrer FolkRockCountryBlues-Livemusik. So auch im Schlachthof, wo sie "oft und gern aufgetreten sind".
Auf ihrer Homepage Higgins&Sina haben sie sich von Rainer und auch von einem der letzten architektonischen Bruchsaler Schmuckstückchen, dem Schlachthof, verabschiedet:
"So, nun ist es soweit - Bruchsal verkommt endgültig zur Kulturwüste: Gestern Abend hat der Schlachthof wohl für immer seine Pforten geschlossen. Was das für das kulturelle Leben von "Bad Bruchsal" bedeutet, kann man sich an fünf Fingern abzählen.
Rainer Kaufmann gab seine Abschiedsvorstellung mit dem 1. Bruchsaler Stadtkabarett. Unter dem bezeichnenden Motto "Was ich noch zu sagen hätte..." bekamen die üblichen Verdächtigen aus Politik, Wirtschaft und Kultur der (ehemaligen) Barockstadt nochmal ordentlich ihr Fett weg. Dieser Stachel im Fleisch, wie es die anwesende Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick treffend formulierte, wird uns und der Stadt fehlen.
Auf drei Jahrzehnte Kabarett zurückblickend, konnte Rainer auf gewohnt vergnügliche, nachdenkliche und beißend ironische Weise aus dem Vollen schöpfen. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass scheinbar "uralte" Missstände nur allzu oft noch immer hochaktuell sind. Some things never change...
Man konnte viel und herzlich lachen; manchmal blieb einem das Lachen aber auch im Halse stecken. Ein würdiges Finale des Bruseler Stadtkabaretts.
Weitere Highlights des Abends waren die Beiträge von Gernot Oberst als beängstigend authentischer Giovanni Trappatoni auf lokalpolitischer Trainerbank sowie der Auftritt des Pfälzer Kabarettisten und Liedermachers Alex Entzminger. Leute, zieht euch sein Programm unbedingt rein, wenn ihr die Gelegenheit habt!
Dass der Abend in einer langen, spontanen Aftershowparty mit Alex äußerst satirisch endete, war ein würdiger Abschluß der allerletzten Veranstaltung in diesen traditionsreichen Räumen.
Für Higgins & Sina & Friends war der Schlachthof ein Ort, an dem wir oft und gern aufgetreten sind und unseren begabtesten Gitarrenschulnachwuchs der Öffentlichkeit präsentieren konnten.
Wir wünschen Rainer, seinem Team und seiner Familie alles Gute für die Zukunft und hoffen auf ein Wiedersehen, in welcher Umgebung auch immer. Nicht auszudenken, wenn Kaufmanns Talent als notorisches "Schlechtes Gewissen" seiner Heimatstadt nur noch in Georgien wirken würde - das wäre ein zu billiger Erfolg derer, die immer ein bissel Angst haben mussten, von ihm satirisch aufgespießt zu werden. Sina hat ins Gästebuch geschrieben: "Die Hoffnung stirbt zuletzt!"
Rest in peace, alter Schlachthof.
P. S.: Für mich das Wort des Abends: "Ehrenwürgerbürde" - sollte das wirklich ein Versprecher sein? Wie ich Rainer Kaufmanns spitze Zunge kenne, kann ich mir das kaum vostellen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt..."
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