Reminiszensen, Geothermie, Doll und Bruchsal!
Reminiszensen....
befördern die Einweihung des „ersten Geothermiekraftwerkes in Baden-Württemberg.
17 Millionen Euro, knapp 35 Millionen DM (weil das Projekt schon zur DM-Zeit gefräßig nach Haushaltsmitteln schnappte) kostete das Kraftwerk mit einer Leistung von (brutto? netto?) 550 MW. Zum Vergleich: Eines der neueren Windräder verfügt über 1,5 Millionen MW.
Allerdings – es ist ein Forschungsprojekt, so ausdrücklich die EnBW, die mit Übernahme der Schlussfinanzierung ein trauriges Ende des Projekts verhinderte. Jetzt kann sich der Atom-Konzern auch mit regenerativer Energie schmücken: da darf es schon etwas mehr sein.
Den Bruchsalern ist, soweit mit ausreichend Erinnerungsvermögen ausgestattet, noch die Pannen (= Kosten) Serie geläufig.
Die Ursprünge der üppig sprudelnden (Haushaltsmittel-) Quelle sind in hochfliegenden Plänen des Ex-OB zu suchen: "Bad Bruchsal" war dereinst das Ziel des Bruchsal-Herrschers.
Dieses Projekt deckt das Vergessen – jetzt ruft der Planet nach Rettung. Da trifft es sich gut, dass just ein Energie-Erzeuger, der kräftig zur steigenden Erd-Betriebs-Temperatur beiträgt, jetzt auch die Rettung managt. Ziel in beiden Fällen: Steigende Dividenden. Das allein ist nichts Schlimmes, denn so funktioniert die Welt, ob mit oder ohne Kapitalismus.
Es gilt nur, diese Überlegungen zu beachten, wenn man als Bürger zur Bewertung schreitet.
Denn die Höhe des Ressourcen-Einsatzes (Geld!) entscheidet darüber, ob ein Projekt gut oder schlecht, richtig oder falsch ist.
Nun wünschen wir uns alle, dass wir unseren geliebten Riesen-Flachbildschirm-Fernseher klimaneutral betreiben dürfen, anstatt auf die kahle Wand zu starren (oder gar uns mit dem Nachbarn zu unterhalten).
Aus dieser Perspektive ist jede Energiequelle eine gute Quelle, gleich aus welchem Grund sie existiert und egal, was sie uns kostet.
Jürgen Schmitt
P.S.
Wir wollen ja schließlich vor Weihnachten noch in den Media-Markt
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Kommentare
Übrigens
Ein LCD TV mit der Diagonale eines Röhrenfernsehers verbraucht in etwa gleich viel Strom wie letztgenannter (je nach Einstellung). Wer aber unser tolles, neues Geothermiekraftwerk entlasten möchte, sollte lieber gleich zu einem neueren LED TV greifen - konsumieren für den Klimaschutz, sozusagen...
Verfasst von Dominik (Kontakt der Redaktion bekannt) am 18. Dezember 2009 - 15:29.
Geothermie
Hallo,
der obengenannte LED TV ist ein LCD TV, der allerdings zur Beleuchtung eben keine Kathodenstrahlröhre sondern LEDs verwendet. Das kann zu Stromeinsparungen führen. Samsung hat es deshalb in GB verboten bekommen diese Fernseher so zu benennen:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Britischer-Werberat-LED-TV-ist-ir... Samsungs "LED" Fernseher
Womit mal wieder bewiesen wäre
Womit mal wieder bewiesen wäre, dass auch ein britischer Werberat mit kleinkarierten und inkompetenten Menschen besetzt sein kann.
Als Laie könnte man bei LED allerhöchstens vermuten, dass die Bildpunkte aus LEDs bestehen. Wäre dem so, würde dem Kunden ein eher schlechtes Merkmal suggeriert (LED Werbetafeln bieten bei weitem kein so gutes "Bild" wie ein LCD TV) - wo ist hier also der Wettbewerbsvorteil oder die für den Kunden nachteilige Irreführung?
1,5 Mio. MW?
Achtung - hier sind ein paar Einheiten aber gewaltig durcheinander gekommen.
Die Geothermieanlage hat 550 kW laut EnBW.
Eine Windkraftanlage 500 kW bis 6 MW.
(1 MW = 1000 kW, W = Watt)
Der Vergleich der Anschaffungskosten ist interessant: Eine Windkraftanlage mit 550kW würde wohl rund 0,5 Mio. EUR kosten, die Geothermieanlage hat 17 Mio. EUR gekostet.
Ergibt Faktor 34 zuungunsten der Geothermie...
Kostenfaktor Geothermie
Näheres hier allerdings auch nicht sehr erhellend. Weitere Auskünfte soll Herr Dipl.-Ing Schopp hierzu erteilen - der ist allerdings gerade ausgeschieden. Na ja, vielleicht hat er ja einen Nachfolger. Führungspositionen bleiben nicht so lange unbesetzt wie Arbeitsplätze an der Basis. Man hört allerdings munkeln, der Herr kaufmännische Geschäftsführer Solberg wolle den Laden in Zukunft alleine schmeißen. Nun - warum nicht. Das Schlimmste scheint ja überstanden zu sein. Die Geothermie bzw. das heiße Wasser laufen. Die Zuschüsse aus Steuermitteln auch. Und als kaufmännisch-technischer Gesamtverantwortungsgeschäftsleiter wird Herr Solberg dann sicherlich auch dafür sorgen, dass der Internetauftritt der ewb gelegentlich den tatsächlichen Verhältnissen entsprechend überarbeitet wird. Ungeachtet all dessen bin ich nach wie vor der Meinung, dass es nicht Aufgabe einer Kommune ist, sich mit derartigen Experimenten zu beschäftigen und jahrelang Personal zu binden. Die Kostenseite ist natürlich geschönt - gerade die im Personalbereich der Gemeindeverwaltung angefallenen Kosten wurden nie erfasst und der ewb in Rechnung gestellt. Aber das war natürlich vor Einführung der Doppik - oder doch nicht ganz?
Kalina-Kreisprozess
Die ewb sprechen vom KALINA-Cycle-Prinzip (deutsch: Kalina-Kreisprozess), das der russischen Ingenieur Alexander Kalina in der 1970er Jahren entworfen hat. Das Verfahren soll besonders für Thermalquellen mit einer Temperatur unter 100°C geeignet sein. Das Verfahren gilt noch als experimentell.
Die europäischen Lizenzen an diesem Verfahren hat die Firma Siemens erworben.
Näheres auch bei: http://de.wikipedia.org/wiki/Kalina-Kreisprozess
In Deutschland findet man eine etwas größere Anlage dieser Art in Unterhaching (http://de.wikipedia.org/wiki/Geothermiekraftwerk_Unterhaching). Dort gibt es allerdings 5x mehr heisses Wasser. Auch dort lohnt es sich noch nicht einmal mit der erhöhten Einspeisevergütung für alternative Energieen, wie man an der Förderung durch das Bundesumweltministerium erkennen kann.
Das mit der Förderung haben die Unterhachunger besser hinbekommen, als wir hier in Bruchsal!