Ratlos im Gemeinderat von Bruchsal!

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Der Gemeinderat und die Vergnügungssteuer
Montag, 1. Februar 2010 - 12:31

Die letzte Gemeinderatssitzung am Dienstag, 26. Januar 2010, ließ einen etwas ratlosen Besucher zurück. Diskutiert wurde über eine Spielautomatensteuer, über einen Prozess, den die Stadt Bruchsal gegen drei Spielautomatenaufsteller führen musste und verlor und eine Brandrede des Vorsitzenden der FWV-Gemeinderatsfraktion, Herrn Roland Foos, zum Thema Spielhallen. Der ratlose Besucher machte sich mittlerweile zu diesem Thema kundig und fand das Folgende heraus:

Gemeinden können für am Ort ansässige Spielhallen (gerne auch Spielhöllen genannt) eine sogenannte Spielhallensteuer, der richtige Begriff ist „Vergnügungssteuer", von den Glücksspielautomatenbetreibern einfordern. Für die Kommunen ist diese Spielautomatensteuer sehr interessant, da diese zu 100 % dem Stadtsäckel zugute kommt. Auch in Bruchsal wird diese Vergnügungssteuer eingefordert, allerdings mit einem seit 10 Jahren unverändert niedrigen Steuersatz. Für die Spielhallenbetreiber in Bruchsal ein Glücksfall, denn andernorts werden längst wesentlich höhere Summen von Seiten der Kommune gefordert.

Drei Klägern, sprich Spielautomatenaufstellern, waren die seither erhobenen Steuern trotzdem immer noch zuviel. Diese gingen vor Gericht, klagten gegen unsere Stadt und gewannen auch den Prozess. Jedoch nicht, weil die Steuer zu hoch gewesen wäre, sondern weil - dies geschuldet der Komplexität des deutschen Steuerrechts - die „Erhebungsform" gerichtlich beanstandet wurde. Für den an Zahlen Interessierten: Der Rückzahlungsbetrag soll sich auf einen 7-stelligen Betrag belaufen. Jetzt bemüht sich die Stadt darum, diese enormen Rückforderungsansprüche durch den Erlass einer rückwirkend geltenden Satzung zu begrenzen.

Doch jetzt wieder zurück in die Gemeinderatssitzung.

Daher sollte bei der letzten Gemeinderatssitzung der Gemeinderat auch neben der rückwirkend zu reparierenden Satzung eine neue Satzung beschließen, um sich den im Landesdurchschnitt erhobenen Steuersätzen der Vergnügungssteuer anzunähern. Wie oben bereits angeführt, ist der Steuersatz der Stadt Bruchsal seit 10 Jahren unverändert niedrig - die Spielhallenbetreiber hat dies sicher sehr gefreut.

Spielhölle

Die Diskussion schien eindeutig darauf hinauszulaufen, dass die Vergnügungssteuer auf eine landesübliche Höhe angepasst wird, bis Herr Foos von den Freien Wählern das Wort ergriff. In seinem vehementen Statement trat Herr Foos für eine deutlich geringere Anhebung der Geldspielautomatensteuer ein als in der Vorlage der Stadtverwaltung gefordert. Der Vortrag von Herrn Foos sowie die zusätzliche Diskussion um eine „Sondersteuer für Gewaltspiele" wurde in der Bruchsaler Rundschau gar als „Irritationen aus den Fraktionen" bezeichnet. Daher wurde dieser Punkt vertagt.

Für mich als Bruchsaler Bürger ergeben sich zu diesem Thema einige Fragen: Warum wurde in Bruchsal über ein Jahrzehnt die Vergnügungssteuer - anders als in anderen Kommunen - nie angehoben? Können die eingeklagten Rückzahlungsansprüche durch eine rückwirkend geltende Satzungsänderung verhindert werden? Beim Begriff Spielautomaten denke ich an „Cubanita" oder „Merkur-Zentrum" und sogenannte „Affären", die immer wieder durch Bruchsal und die hiesige Presse schwaberten. Gibt es hier Verbindungen?

Und vielleicht noch eine ganz persönliche Anmerkung. Ich hatte kürzlich das „Vergnügen", einige spielsüchtige Menschen kennen gelernt zu haben. Menschen, die ins Zittern geraten, wenn sie ihr sauer verdientes Geld nicht in den Schlitz eines Spielautomaten werfen dürfen, Menschen, die regelmäßig ihren gesamten Monatslohn verspielen und sich hoch verschulden, um ihrer Spielsucht frönen zu können. Mitmenschen, die wegen ihrer Spielautomatensucht ihre Familie und Freundschaften im wahrsten Sinne des Wortes „aufs Spiel setzen". Menschen, die auf Kosten der Solidargemeinschaft, sprich Krankenkassen, in teuren Behandlungen von ihrem Leiden - ja, bei der Spielsucht handelt es sich um eine Krankheit, verursacht durch die Aufstellung von krank machenden Spielautomaten - geheilt werden müssen.

Günther Zellner von der Evangelischen Gesellschaft: „Unsere Suchtberatung für Spielsüchtige ist gerade total ausgelastet." Dies ist die eine Seite. Die andere Seite sind Unternehmer, die sich dadurch finanziell gesund stoßen, in dem sie durch das Aufstellen von Spielautomaten Voraussetzungen schaffen, die Mitmenschen krank machen können. Daher kann die Vergnügungssteuer wohl nicht hoch genug sein. Und überhaupt: Braucht man diese Spielhöllen?

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Kommentare

NEUWAHLEN um diesen Sumpf trockenzulegen

Ich kann da nur sagen, was Bruchsal braucht sind Neuwahlen, die diesen Sumpf ein für alle mal trockenlegen -wenn die Bürger hoffentlich mal schlau genug sind.
Und Herr Foos soll sich schämen! Das ist ja so offensichtlich, dass er hier Klientelpolitik betreibt, mir fehlen nur noch die Worte. Sprach der Herr eigentlich für alle freien Wähler???
Sollte ihm als Gemeinderat nicht sogar daran gelegen sein, dass die Steuereinnahmen fließen, insbesondere, wenn sie von leistungsfähigen Zahlern erbracht werden?
Aber Politik muß wohl so sein... Deswegen resignieren auch so viele...

Fassungslos

Sie erinnern sich liebe Leser, wir hatten diese Diskussion um Kompetenz im Gemeinderat schon einmal an anderer Stelle. Dennoch muß ich fragen wie es möglich ist, dass im Zusammenhang mit einer solchen Steuer offensichtlich Lobbyisten einen solch großen Einfluß haben können. 10 Jahre deutlich niedriger Steuersatz????

Kann mal bitte jemand darlegen, wieviel EURO das denn insgesamt ausmacht?

Ich gehe mal davon aus, dass hiermit bestimmt die ein oder andere Schultoilette oder ein Kindergartenbad hätte saniert werden können...

Aber ja, scheint in dieser Stadt ja niemanden wirklich zu stören... Jedenfalls nicht einen Gemeinderat, dessen Verpflichtung es ist, genau solche Dinge zu verhindern. Bernd Doll scheint noch mehr "Einfluß" gehabt zu haben, als viele schon vermutet hatten.

Kann ich bitte auch weniger

Kann ich bitte auch weniger Steuern zahlen?

Schließlich kann ich mit meinem Computer auch "spielen" und wann das dazu notwendig ist um weniger zahlen zu müssen, werde ich sofort die ersten Spiele installieren. Damit wird meine Arbeit denn zum Vergnügen und ich spare Steuern.

Ich wusste doch... in Bruchsal kann man preiswert einkaufen und leben, dank unseres Gemeinderates.

Ach ja! Wir brauchen auch unbedingt mehr Parkplätze vor Spielhallen! Sonst schaffen es einige nicht, in der Mittagspause schnell mal ein paar Euro zu verzocken!

Foos

Sehr richtig Herr Maier!!
Soll im Baumarkt demnächst ein Spielcenter eröffnet werden, nachdem ja im ehemaligen Haushaltswarengeschäft ein attraktiver 1 Euro Laden entstanden ist. Solche Leute braucht Bruchsal! Die Stadt hat ja Herrn Foos für 3 Millionen das Baumarktgelände gesichert.

Ach drum!

Jetzt verstehe ich, warum die halbe Stadt aus Spielhöllen und Wettbüros besteht. Langzeitstrategie!
Da kommt mir die Vision: lass' doch die Stadtverwaltung kaserniert. Da ist sie unter sich und wird nicht von Bittstellern belästigt.
In den Rest des Rathauses kann dann ein Spielkasino installiert werden um die städtischen Finanzprobleme zu lösen
- und in die Stadtkirche Zockerbude mit Internetcafé und Minarett
- und ins Schneider Puff mit Stadtbahnanschluss.
Keine Angst, im flächendeckenden Kerngebiet ist jede Sauerei erlabt.
Die restlichen (bürgerlichen) Innenstadtbewohner ziehen dann gemeinsam auf den Weiherberg und lassen sich von Nordsonne bescheinen (der geheime neue Planungsamtschef aus Pforzheim kann euch den Witz erklären).
Buffbaäh! Narhallamarsch! Prost! Mahlzeit!
Ich meine es ernst und will mich nicht für die GroKaGe qualifizieren.

Eduard Holoch

Las Bruchsal

Jetzt wird mir einiges klar. Bruchsal soll zum little Las Vegas Deutschlands werden. Wenn ich mir die „Spielhöllen“ Situation hier IM Städle anschaue und was so außen herum sich angesiedelt hat, sind wir auf dem besten Weg dort hin. Wie die Pilze sind diese Spielunken in den letzten Jahren aus dem Boden geschossen, dank nahrhaftem Boden. Es wäre doch an der Zeit, mal über ein Casino der Extraklasse im Kaufhaus Schneider nachzudenken. Nächster Schritt wäre dann ein Player-Ticket beim KVV und Max-Bus, mit Rubbelfelder:

[] Freifahrt [] ½ Preis [] Gewinn. Bruchsaler-Gambling-Night mit Spielhöllen-Hopping dank Max und AST.

Durch LED-Technik ist der Energieverbrauch für ein Lichterspektakel auch kein Problem mehr – wir haben die Zeichen von Blanco, in den letzten Jahren, verkannt.

Dazu kommt, dass die Herren Spielautomat, mit dem Erwirtschafteten der letzten 10 Jahre, z.B. im Falle Journee am Bahnhof, das Objekt inzwischen besitzen, keine müde Mark investieren  wollen und auf Teufel komm raus, wieder einen Pächter mit Automaten Ambitionen suchen. – Schade drum – aber passt ins Konzept.

Hab mir mal die Mühe gemachen, eine Karte, Bruchsaler Vergnügungsteuerpflichtiger Einrichtungen und noch potenziell möglicher Objekte, zu erstellen. (nur was mir spontan eingefalle ist)

Spielhöllensituation

>Ich meine es ernst und will

>Ich meine es ernst und will mich nicht für die GroKaGe qualifizieren.

Schade!

Wir hätten zwar keinen Platz im Gemeinderat, dafür aber im Elferrat zu vergeben. Da geht es auch Lustig zu, jeder darf Mitreden und der Präsident sagt was passiert :-)

Im Bereich der Fußgängerzone

Im Bereich der Fußgängerzone wäre noch fast einen komplette Passage frei für die Unterhaltungsindustrie... und Parkplätze gibt es in der Ecke auch genug...

Kübel- und Holzmarkt. Da haben die Fußgänger eh schon jeden Tag ein Glücksspiel... "Werde ich von jetzt von einem Aus-, Einparker überfahren oder schaffe ich es ohne pläsuren?"

 

..

Also bei betroffenen Menschen - Spielern kann ich nur sagen, www.spielautomatensucht.de
in diesem buch das man auf dieser homepage erwerben kann werden mehrere betrugsfälle aufgedeckt ausserdem hilft es spielern weg vom Automaten zu kommen, wirklich hilfreich! Ich kann es nur weiterempfehlen!

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