Qualitätsjournalismus?

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oder: Bruchsaler Rundschau, ein Sturm- und Hetzblatt?
Sonntag, 18. März 2012 - 10:49

Man weiß ja, dass der Chefredakteur der Bruchsaler Rundschau, Herr Daniel Streib, nicht so richtig mit der Oberbürgermeisterin, Frau Petzold-Schick, können soll. Zu tief ist wohl seine Zuneigung zu Ehrenbürger und Ex-OB Bernd Doll, zu sehr neigt er doch wohl dem politischen Lager zu, das unter Aufbietung aller möglichen Kräfte eine Oberbürgermeisterin Petzold-Schick verhindern wollte. Noch nicht vergessen ist die doch etwas einseitige Berichterstattung der Bruchsaler Rundschau zur Oberbürgermeisterwahl des Jahres 2009. Leider ist für Herrn Daniel Streib jedoch genau dies eingetroffen, Frau Petzold-Schick wurde gewählt. Nun muss er mit der neuen OB leben – und diese mit ihm.

Wie schwer sich Herr Streib mit der Oberbürgermeisterin tut, durfte man in der Samstagsausgabe der Bruchsaler Rundschau von vorvergangener Woche (03. März 2012) wieder lesen. Recht prophetisch schreibt Daniel Streib unter der Headline „Neues Motto“ bereits zwei Tage vor dem Bürgerempfang darüber, dass die Oberbürgermeisterin die Gelegenheit sicher nicht ungenutzt lassen werde, um für ihre Bahnstadt-Pläne zu werben. So weit so schlecht. Wer beim Bürgerempfang war weiß, dass Frau Petzold-Schick auch über ihr neues Thema Bahnstadt gesprochen hat, neben vielen anderen Themen, und wer Ohren hat zu hören und Augen hat zu sehen, der weiß sehr wohl, dass das Thema Bahnstadt sowohl im Gemeinderat als auch beim „Mensch auf der Straße“ höchst umstritten ist.

Äußerst unangenehm ist jedoch, mit welcher Gehässigkeit Lokalredakteur Daniel Streib seinen Kommentar abfasste. Muss er denn den Inhalt der offiziellen Ankündigung der Stadtverwaltung – diese wurde doch sicher nicht von der Oberbürgermeisterin selbst verfasst – abqualifizieren mit „in diesen salbungsvollen Worten“?

Natürlich würde die Bahnstadt bei Realisierung teuer für die Stadt Bruchsal werden; für nix gibt’s nix. Aber. Auch wenn Herr Streib kein Freund der Bahnstadt-Pläne ist, so rechtfertigt dies nicht diese Sprachwahl: „Und dafür müsste man ein paar Milliönchen in die Hand nehmen dürfen.“ Entschuldigung. Von einem Chefredakteur einer angesehenen Zeitung erwarte ich Kommentare mit weniger billiger Effekthascherei als der Verwendung von Begriffen wie „Milliönchen“ oder „salbungsvoll“. Pardon, das ist Schülerzeitungsniveau.

Feuerwehr

Den Nachweis, dass es noch unterirdischer gehen kann, führte Peter Huber, Fachredakteur für Polizei- und Feuerwehrberichte. Dieser beklagt sich in seinem Kommentar in der Bruchsaler Rundschau vom Montag, 12. März 2012, „Geniale Idee?“ darüber, dass die Stadtverwaltung eine Nachrichtensperre zur Serie von Brandstiftungen in Bruchsal verhängt habe. Dies dürfte ihn, der mehr oder weniger aktiver Feuerwehrangehöriger ist, (vielleicht deswegen, um wunderbar bequem an alle Feuerwehr- und viele Polizeiinformationen zu kommen?), besonders treffen. Vielleicht wurden jedoch nur die Damen und Herren der Feuerwehr auf Bitten der Polizei von ihrem Dienstvorgesetzten auf § 14 Abs. 1 Ziff. 7 des baden-württembergischen Feuerwehrgesetzes hingewiesen? Danach ist "... über alle Angelegenheiten Verschwiegenheit zu wahren, von denen sie im Rahmen ihrer Dienstausübung Kenntnis erlangen und deren Geheimhaltung gesetzlich vorgeschrieben, besonders angeordnet oder ihrer Natur nach erforderlich ist...".

Es ist schön wenn Herr Huber betont, dass die Redaktion der Bruchsaler Rundschau „fest auf dem Boden des deutschen Pressegesetzes steht und sich nicht um Befindlichkeiten von Amtsleitern der Bruchsaler Stadtverwaltung kümmern muss. Wo kämen wir dahin?“ Wo kämen wir jedoch hin, wenn ein rasender Reporter sich jede Information bei Feuerwehr oder Polizei abgreifen könnte ohne Rücksicht darauf, dass dadurch die Ermittlungstätigkeit der Polizei behindert werden könnte? Kein Amtsleiter der Stadt Bruchsal hat Herrn Huber verboten zu recherchieren und über seine Recherche zu berichten. Ob dadurch die Arbeit der Polizei erleichtert wird, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Im gleichen Kommentar beschwert sich Herr Huber vehement über die Stadtverwaltung, „die sich in den letzten beiden Jahren ohnehin mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat.“ Nun, nicht bekannt ist, wie oft Herr Streib und Herr Huber mit dem früheren Oberbürgermeister Bernd Doll mal lecker essen waren und so an die eine oder andere Information kamen, die anderen nicht zugänglich war. Einen so pauschalierten Vorwurf in dieser Form und mit diesen Worten zu erheben hinterlässt jedoch tatsächlich einen äußerst schalen Geschmack.

Mehr als schal wird jedoch der Geschmack beim Lesen des letzten Satzes des Huber'schen Kommentars: „Unter behördlichen Informationssperren haben die Deutschen schon einmal gelitten.“ Was soll denn dieser unsägliche Hinweis auf die Zeiten des Nationalsozialismus? Was soll denn diese Gleichsetzung der Öffentlichkeitsarbeit der Bruchsaler Stadtverwaltung mit der Öffentlichkeitsarbeit, wie sie zu Zeiten der Nazi-Diktatur gang und gäbe war? Dieser Satz und dieser Vergleich von Peter Huber ist eines: Abgrundtief unappetitlich – und das wohl mit Billigung seines Chefs, Herrn Daniel Streib.

Übrigens: Im Jahre 1992 berichtete ein Herr Rübenacker in den Badischen Neuesten Nachrichten über ein Klassikkonzert, das er, im Gegensatz zu dem damaligen Oberbürgermeister Bernd Doll, gar nicht berauschend fand. Herr Doll beschwerte sich daraufhin vehement bei den Badischen Neuesten Nachrichten, mit dem Ergebnis, dass dieser Herr Rübenacker, freier Mitarbeiter, keine Aufträge mehr von seinem bisherigen Arbeitgeber bekam. Deutschlandweit löste diese Affäre ein Rauschen im Blätterwald aus. Zu hoffen ist, dass die von Herrn Streib und Herr Huber in so peinlicher Form vorgeführte Bruchsaler Stadtverwaltung nebst Oberbürgermeisterin die Größe hat, auf Machenschaften wie im Jahre 1992 verzichten zu können.

Peter Huber bei bruchsal.org: Beklemmende Zeugenaussage

Affäre Doll / Rübenacker bei bruchsal.org: Leseempfehlungen zum Sonntag

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Kommentare

Einfach unterirdisch

Auf bruchsal.org habe ich im letzten Jahr den Versuch eines Provinz-Politikers, die Pressefreiheit qua eigener Machtvollkommenheit auszuhebeln, kritisiert und mich vor die Freiheit des geschriebenen Wortes gestellt. Nach diesem Kommentar muss ich mich wieder zu Wort melden.

Wenn man um die seit Jahren gepflegten Vorlieben und Verflechtungen von Peter Huber zu allen, die eine Uniform tragen, weiß und auch um seine Berichterstattung, dann richtet sich dieser Kommentar von selbst, er wäre keiner Antwort wert. Einfach unterirdisch.

Was aber gar nicht geht, ist der letzte Satz. Der ist von der Meinungsfreiheit, die einem Journalisten zusteht, nicht mehr gedeckt. Damit wir uns richtig verstehen: Niemand darf einen Redakteur daran hindern, eine Sache zu recherchieren und das Ergebnis zu publizieren, ob es der Obrigkeit genehm ist oder nicht. Und natürlich ist eine sachlich begründete Kritik an einer obrigkeitlichen Informationssperre erlaubt. Eine sachliche Kritik wohlgemerkt, nicht nur persönliche Verärgerung über Liebesentzug. Dies allerdings mit den Gepflogenheiten der NS-Zeit in Verbindung zu bringen, ist mehr als nur schamlos.

Nach einer solchen Entgleisung gäbe es für mich nur eine Konsequenz: Die sofortige Bitte um Versetzung in den einstweiligen Ruhestand. Wer will von diesem Mann auch nur noch einen Satz lesen?

Vielen Dank

für diesen Beitrag, Herr Schmitt. Leider ist es mit der Abonnementskündigung der Bruchsaler Rundschau wie mit einem Kirchenaustritt: man kann es nur einmal vollziehen.

Hohn gegenüber der Leserschaft

Dieses Bild hätte besser zum Artikel gepasst.

BNN Werbung

Das Schlimme

in unserer Region ist, dass tatsächlich viele Leute in unserer Gegend denken, was in den BNN steht ist die reine Wahrheit. So dass öfter mal Streitgespräche aufkommen:"Es isch doch in de Zeitung gschdanne.... no bisch selwa schuld, wann se net abonniert hasch.... soviel Geld wersch iwarich hawe...." :-)

Vor nicht allzulanger Zeit war ein furchtbarer Artikel über den Dirigenten eines Liederkranzes zu lesen, der kaum zu ertragen war. Dort war davon zu lesen, dass dieser Dirigent Chöre unterrichte weil dies seine "Woche fülle". -> wohl auch seinen Geldbeutel. Wer nicht spurt bekomme von ihm eins auf die Finger oder wird gleich hinausgeworfen.... und sowas druckt auch die BNN noch in grosser Auflage ab.

Manchmal muss man sich schon fragen, ob sie nichts gescheites zu schreiben haben oder ob scheinbar immer der Geist der Nachkriegsemporkömmlinge und solcher die es noch werden wollen bedient werden muss.

BNN...

... habe ich schon lange abbestellt.
Stand sowieso nur Käse drin. Die wichtigen und interessanten Informationen kann man sich heute aus dem Netz holen. Diese werden sowieso zum größten Teil, von der "Gleichgeschalteten Presse", dem Leser vorenthalten.

und jetzt auch noch im Kleinformat...

das ist doch noch dazu eine versteckte Preiserhöhung. Abbestellen.

Nur die Ruhe

Nun regt Euch doch alle nicht so auf. Wer in Bruchsal die Positionierung der BNN nicht kennt, der muss schon blind und taub sein, und das seit 50 Jahren. Ich kenne eigentlich niemanden mehr, der die dort geäußerten politischen Meinungen wirklich ernst nimmt, selbst die Konservativen in meiner Bekanntschaft nicht.

Die BNN hat eher Mitleid verdient. Sie hat keinen wirklichen politischen Einfluss mehr, eiert momentan ohne ihre Stammklientel durch die Gegend, denn die stirbt vor sich hin oder setzt sich politisch selber außer Gefecht. Und wenn man das Blatt aufmacht und mal auf die Anzeigenhäufigkeit und die Dicke achtet, dann stellt man fest, dass sie bald nicht mehr sein wird, von wegen Mangel an Anzeigen und so.

Wir sollten uns weiterhin ernsthaft darüber unterhalten, wie wir eine vernünftige, unabhängige und interessante Presse überhaupt sicherstellen (obwohl Bruchsal interessanterweise schon seit Jahrzehnten ohne diese lebt). Die BNN spielt da schon lange keine Rolle mehr, in Zukunft noch weniger. Auch Bruchsal.org, so nett dieser Spielplatz auch ist, kann naturgemäß diesen Platz nicht einnehmen.

Lehrreich, Herr Huber?

Qualitätsjournalismus

man sollte nicht alles glauben was man ließt oder gesagt bekommt.
Sondern sich seine eigene Meinung bilden.

Bildungsgelückt Meinungsgebildet

"man sollte nicht alles glauben was man ließt oder gesagt bekommt.
Sondern sich seine eigene Meinung bilden." (Verfasst von Gast (Kontakt der Redaktion bekannt) am 15. März 2012 - 10:09.)

Es gibt ja allerhand Leute, die brauchen sich keine Meinung zu bilden. Sie haben bereits eine.

Mir fehlt zur Meinungsbildung zunächst die Information.

Bislang war ich der Ansicht, das Lesen einer Lokalzeitung wäre hierfür hilfreich.
Nach dem Genuss der heutigen Ausgabe der Bruchsaler Rundschau stelle ich fest, dass man dort vom Internet gelernt hat: Man lässt die Leser selbst schreiben.
Pensionierte Fachkräfte wie zum Beispiel aus der Bildungsbranche verbreiten Kassandrarufe über eine Schulart, die bislang nur auf dem Papier existiert.
Auch ein Bundestagsabgeordneter, zufällig aus der Region, darf frisch, fromm, fröhlich, frei den Niedergang der Bildung bejammern. Schließlich habe sich das bisherige Schulsystem ja bewährt. (Ob der Herr Abgeordnete wohl täglich mit einem Mercedes von 1975 herumfährt? Der hat sich schließlich auch bewährt, so wie die Deutsche Post mit ihrer fortschrittlichen Fernmeldeabteilung, wie jeder weiß.)

Nun erhebt sich für mich als Leser der Bruchsaler Rundschau schon die Frage, wieso Leserbriefschreiber in dieser Lokalzeitung Meinungen über Sachverhalte äußern dürfen, über die diese Zeitung noch nicht hinreichend berichtet hat.
Ich erinnere mich nicht über einen aktuellen Bericht über die neue Schulform Gemeinschaftsschule, die beispielsweise in Rheinhausen-Oberhausen derzeit Gestalt annimmt - pikanterweise an dem Ort, an dem der oben angeführte Herr Abgeordnete als Anwalt eine Kanzlei betreibt. Wäre es angesichts dieser Situation nicht angebracht, wenn Herr Streib selbst die Ärmel hochkrempelte um die derzeitigen Veränderungen in der Schullandschaft zu dokumentieren ?

Qualität der BNN

Selber schuld, wer die BNN in Bruchsal noch immer liest. Nach Beendigung meiner beruflichen Tätigkeit war es mir ein großes Bedürfnis, dieses Blatt abzubestellen.Was ich denn auch zeitnah getan habe.

Umweltverschmutzung.

Die BNN ist eigentlich Umweltverschmutzung. Schade ums Papier. Immerhin hat man sich jetzt selbst reduziert (=kleineres Format). Um dpa-Meldungen und einseitige schlecht formulierte Lokalberichte zu lesen benötige ich jedenfalls keine Zeitung.
Lese aus Prinzip, Überzeugung und mit großer Lust schon seit langem eine große überregionale Zeitung und bin stolz darauf noch keinen Cent zur Unterstützung dieses einseitigen, provinziellen und kleinkarierten Blatts ausgegeben zu haben!

Das ist doch schön. Auf so

Das ist doch schön. Auf so eine großartige Leistung können Sie wirklich stolz sein. Ich wünschte, ich könnte auch so etwas tolles.

Es geht doch was

"...Ich erinnere mich nicht über einen aktuellen Bericht über die neue Schulform Gemeinschaftsschule, die beispielsweise in Rheinhausen-Oberhausen derzeit Gestalt annimmt..." (Ein Zitat aus meinem Beitrag vom 15. März 2012 - 20:33) http://www.bruchsal.org/comment/reply/16597/8010#comment-8010

Unter dem Titel "Wir sind eine starke Schulgemeinschaft" berichtet die Bruchsaler Rundschau heute auf Seite 9 über den "Schnuppertag" bei der neuen Gemeinschaftsschule in Oberhausen.

Alternative?

Wir haben die BNN schon länger nicht mehr selbst abonniert. Aber ich gebe zu, dass ich sie noch lese. Schon allein deshalb, weil man gewisse Dinge selbst über bruchsal.org nicht oder zu spät erfährt. Aktuelles Beispiel ist die Meldung von vor ca. 1 Woche zu einer der weltweit ersten künstlichen Netzhaut-OPs, die in Karlsruhe stattfand. Dazu war woanders nirgends etwas zu lesen.

Es gibt somit m.E. zur BNN noch keine vernünftige Alternative, wenn man sich über regionale Geschehnisse informieren möchte. In welcher "Qualität" die Meldungen geschrieben werden, steht dann noch auf einem anderen Blatt. Einer einzelnen Quelle allein traue ich meist sowieso nicht, wenn ich mir eine Meinung bilden will oder muss.

Aber ich glaube auch, dass die Heimatzeitung immer den schlechtesten Ruf hat. Ich höre noch meinen in Bayrisch-Schwaben lebenden Vater über die "Augsburger Allgemeine" schimpfen, was das für ein "rotes Blatt" sei. Ich selbst finde die NRZ katastrophal, auch zur "El Pais", einer richtig fetten spanischen Zeitung, komme ich ab und zu und stelle fest, dass man guten Journalismus auch in Spanien nicht unbedingt zur Pflicht macht.

Am sympathischten ist mir persönlich immer noch die Frankfurter Rundschau, wenn es um die Einschätzung bundes- oder landespolitischer Angelegenheiten geht. Nur erfahre ich da halt nichts über umwälzende Neuerungen in Untergrombacher Schrebergärten. :-))

In Bruchsal wohnen...

... und am Leben teilnehmen heißt auch BNN lesen.
Da führt kein Weg dran vorbei - sonst lebt man wie Robinson.
Da muss ich Morgan le Fay Recht geben.

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