Platzbenennung in der Bruchsaler Innenstadt: Otto-Oppenheimer-Platz an Stelle vom Holzmarkt
Ungewohnt vollbesetzt waren die Zuschauerplätze im Ehrenbergsaal bei der heutigen Gemeinderatssitzung. Man konnte es erahnen. Viele der Zuhörer warteten auf das Thema, das die letzten Monaten am meisten in Bruchsal polarisiert hatte, Tagesordnungspunkt 5: Straßen- und Platzbenennung in der Innenstadt.
Die Oberbürgermeisterin schilderte nochmals die Vorgänge der Gemeinderatssitzung im Juni des vergangenen Jahres, die zur Vertagung der Benennung des Plätzchens bei der Stadtkirche nach Otto-Oppenheimer führte. Sie habe gemerkt, dass dieses Thema auf jeden Fall Emotionen aufgegriffen hätte und stellte fest, dass Politikverdrossenheit auch dadurch verursacht würde, weil das Thema Emotion hinten angestellt würde.
Zur Benennung eines Platzes nach Otto Oppenheimer sagte Frau Petzold-Schick, dass sie diese Idee überzeugt habe, obwohl sie vorher als Nicht-Bruchsalerin nur sehr wenig von Otto Oppenheimer wusste. Eine Würdigung von Otto Oppenheimer empfand und empfindet sie im Sinne der Identitätsfindung als plausibel; Otto Oppenheimer war ein Bruchsaler Bürger, Jude, Mäzen. Eine Würdigung dieses Menschen wäre ein Beitrag zur Aufarbeitung des wohl schwierigsten Kapitels der deutschen Vergangenheit.
Entsprechend habe sie ihre Gemeinderatsvorlage formuliert, sie hätte nicht erwartet dass ein Otto-Oppenheimer-Platz neben der Kirche nicht disponibel sei. Entsprechend blieb diesbezüglich die Gemeinderatssitzung im vergangenen Jahr ohne Ergebnis.
Um ein Meinungsbild zu finden, habe sie im Vorfeld der Gemeinderatssitzung interessierte und betroffene Bruchsaler Bürger zu einem Meinungsaustausch eingeladen, darunter Pfarrer Neidinger, die Pfarrgemeinderatsvorsitzende, ein Mitglied der GroKaGe, eine jüdische Mitbürgerin sowie ein Mitglied der Friedensinitiative. Um in der Angelegenheit weiter zu kommen bot sie bei diesem Treffen an, den Namen Babette-Ihle-Platz wieder „einzukassieren", damit Platz um die Stadtkirche wäre sowohl für einen Marienplatz als auch für einen Otto-Oppenheimer-Platz. Sie müsse aber hohen Respekt allen Teilnehmern des Treffens zollen, die nicht damit einverstanden waren, den Namen Babette-Ihle-Platz wieder „einzukassieren". Aufgrund des Ergebnisses dieser Besprechung, bei der von Seiten der Befürworter eines Otto-Oppenheimer-Platzes erstmals der Holzmarkt als Alternative ins Gespräch gebracht wurde, wurde die heutige Gemeinderatsvorlage erstellt.
Zu eventuell historisch begründeten Problemen bei der Umbenennung des Holzmarktes wurde ausgeführt, dass der Holzmarkt erstmals 1879 nachweislich seinen Namen hatte, zwischenzeitlich auch Adolf-Hitler-Platz hieß oder nach einem französischen General benannt war und seit 1945 wieder Holzmarkt heißt.
Zunächst nahm Matthias Holoch von der CDU-Fraktion zum Vorschlag der Stadtverwaltung Stellung. Er unterstrich, dass vor Jahren von der CDU-Fraktion schon vorgeschlagen wurde, den heutigen Europaplatz Otto-Oppenheimer-Platz zu nennen. Ihm sei wichtig, dass Otto Oppenheimer gewürdigt würde; die Vorlage der Stadtverwaltung sei für ihn überraschend gewesen. Der Vorschlag der Stadtverwaltung gefiele ihm immer besser, 1. aus Gründen der Namensgeschichte (Adolf-Hitler-Platz), 2. wegen der Adresse "Technisches Rathaus, Otto-Oppenheimer-Platz 5" und 3. weil die Platzfindung das Ergebnis einer Bürgerbeteiligung sei. Die CDU stimme für eine Umbenennung des Holzmarktes in Otto-Oppenheimer-Platz.
Bezüglich des Namens Marienplatz für das Plätzchen bei der Stadtkirche sähe er, dass die christliche Tradition auf dem Rückzug sei, daher der Vorschlag Kirchplatz.
Ernst-Friedrich Schäfer von der SPD-Fraktion wies auf die historische Bedeutung des Namens Holzmarkt sowie auf die Notwendigkeit hin, dass die Briefbögen des Technischen Rathauses neu gedruckt werden müssten. Daher schlage die SPD-Fraktion vor, dass der Platz bei der Stadtkirche den Namen Otto-Oppenheimer-Platz erhalte und sollte dies nicht realisiert werden und der Otto-Oppenheimer-Platz am Holzmarkt angesiedelt werden, solle der Platz bei der Stadtkirche „am Königshof" genannt werden.
Die Freien Wähler, vertreten von Roland Foos, unterstrichen, dass Umbenennungen von Straßen oder Plätzen nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden sollten. Eine Zustimmung zur Umbenennung des Holzmarktes falle der Fraktion nicht leicht. Die Freien Wähler sehen aber das Bedürfnis in der Bevölkerung nach einer Ehrung von Otto Oppenheimer. Beim Holzmarkt handele es sich um einen würdigen Platz. Die Freien Wähler stimmen für den Otto-Oppenheimer-Platz an Stelle des jetzigen Holzmarktes.
Der Platz an der Josef-Kunz-Straße sei zu klein für Marienplatz. Und wo sei dort der Bezug zu Maria? Zu finden in der Sparkasse, dem Parkhaus, dem REWE oder dem Lausbubenbrunnen? Daher stimmen die Freien Wähler für Kirchplatz.
Hans Ribstein, FDP, sagte, dass er die Vorgehensweise der Oberbürgermeisterin für sehr respektabel und basisdemokratisch halte. Er befürchte, dass Otto Oppenheimer beim Holzmarkt ins Nichts gesetzt würde. Nach seiner Ansicht solle der Holzmarkt bleiben und der Otto-Oppenheimer-Platz als „Platzhirsch" ins Stadtzentrum gesetzt werden. Denn mittendrin sei immer gut, am besten. Die Benennung Kirchplatz findet er nicht gut, Kirchplätze gebe es eigentlich nur auf dem Dorf. Und was solle denn ein Marienplatz ohne Maria? Er wehre sich jedoch, solle der Holzmarkt umbenannt werden zum Otto-Oppenheimer-Platz, nicht dagegen, dass das Plätzchen bei der Stadtkirche Kirchplatz benannt würde.
Dr. Hartmut Schönherr von Die Grünen/Neue Köpfe verwies darauf, dass um die Stadtkirche herum bereits drei Pfarrer auf Straßenschildern verewigt seien. Seine Fraktion befürworte weiter, den Platz bei der Stadtkirche Otto-Oppenheimer-Platz zu nennen, die Fraktion fände die Alternative Holzmarkt nicht gut. Er möchte nur an die Brusler Holzlumpen erinnern, die eng mit dem Namen Holzmarkt verknüpft seien. Der Begriff Am Königshof sei gar nichts, zumal die wahrscheinlichen Reste des Königshofes überbaut wurden. Am Königshof demonstriere nur schlechtes Gewissen und sei herbei gequält. Dieser Begriff könnte auch als ironisch gemeint gesehen werden. Aber man brauche ja etwas Humor für die neue Mitte von Bruchsal. Er sei für Otto Oppenheimer bei der Kirche; Babette Ihle warte auf ihren Dichterkollegen.
Bei der an die Aussprache folgende Abstimmung sprach sich die Mehrheit der anwesenden Gemeinderäte für Otto-Oppenheimer-Platz an der Stelle des heutigen Holzmarktes aus, die Mehrheit plädierte für Kirchplatz für das Plätzchen bei der Stadtkirche.
Nach der Abstimmung über diesen Tagesordnungspunkt leerten sich die Zuschauerstühle merklich.
Nachbemerkung:
Die Nachfahren von Otto und Jakob Oppenheimer, deren Enkelkinder H. Ansell, H. Ettlinger und W. Bernkopf, haben mittlerweile trotz ihres hohen Alters zugesagt, zur Einweihung des Otto-Oppenheimer-Platzes Ende Mai nach Bruchsal, ihrer Heimatstadt zu kommen.
© Rolf Schmitt
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Kommentare
Wenig Interesse
Der Angabe, daß die Zuschauerplätze bei der heutigen Gemeinderatssitzung ungewohnt vollbesetzt waren, kann ich nicht zustimmen. Es waren knapp 50 Personen da, davon noch einige, die grundsätzlich da sind. Für eine Stadt wie Bruchsal mit 43000 Einwohnern aus meiner Sicht ein Armutszeugnis. Und das Ergebnis der leidigen Platzbenennung ebenfalls. Jetzt haben wir also einen Kirchplatz erhalten und der Holzmarkt wird in Oppenheimer Platz umbenannt, der mit Sicherheit von niemand so wahrgenommen wird. Schade, diese lange aufwendige Prozedur in vielen Akten. Sind jetzt alle zufrieden? B.D. Platz - Bruchsal dankt - Brusler Dorscht - Bernd Doll.
Nicht disponibel...
....das große Geheimnis bleibt, weshalb ein Otto-Oppenheimerplatz neben der Kirche "nicht disponibel" sei. Ist man im wahrsten Sinne des Worts zu Kreuze gekrochen? Und, Herr Holoch, von einer "Bürgerbeteiligung" habe ich nichts mitbekommen, wann soll denn eine solche stattgefunden haben?