Der Pflege- und Entwicklungsplan Stromberg ist fertig
Die Arbeit am Pflege- und Entwicklungsplan für das Fauna-Flora-Habitat- und Vogelschutzgebiet Stromberg sowie das Vogelschutzgebiet Weiher bei Maulbronn ist nach jahrelanger Arbeit fertig gestellt. Seit 2005 wurde an dem Plan gearbeitet, der eines mehrerer Pilotprojekte ist. „Das Schutzgebiet Stromberg ist innerhalb der Natura 2000 Gebiete ein Juwel," so Regierungspräsident Johannes Schmalzl. „Es war daher konsequent, gerade hier eines der ersten Pilotprojekte des Landes zu starten."
Die Zielsetzung eines Pflege- und Entwicklungsplanes (PEPL) ist die Erhaltung gebietstypischer Planzen- und Tierbestände. Lebensräume sollen geschützt, verbessert oder saniert werden. Die Eigenart, Vielfalt und Attraktivität einer Landschaft soll bewahrt werden. Dazu beschreibt ein PEPL wie ein Schutzgebiet zu pflege und entwicken ist. Ein PEPL enthält dazu u. a. eine Zusammenstellung der Ausgangsbedingungen sowie eine endgültige Planfassung mit dem Ziel einer naturverträglichen Nutzung. PEPLs sind für Schutzgebiete vorzulegen, die unter das Natura 2000 Programm fallen.
Für rechtmäßig bestehende Nutzungen, Planungen und Vorhaben besteht ein Bestandsschutz. Eine bestehende ordnungsgemäße land- und forstwirtschaftliche Nutzung ist ebenso weiterhin möglich wie die ordnungsgemäße Forstwirtschaft und Jagd. Allerdings dürfen neue Vorhaben nur im Einklang mit den gebietsspezifischen Erhaltungszielen erfolgen. Bei vertraglich festgelegten Maßnahmen zu Erhaltung und Entwicklung von Lebensraumtypen und Arten können im Offenland Förderprogramme nach der Landschaftspflegerichtlinie oder dem Marktentlastungs- und Kulturlandschaftsprogramm (MEKA) in Anspruch genommen werden. Vergleichbare Programme gibt es auch für den Wald.
Das zwischen Stuttgart, Heilbronn und Karlsruhe gelegene Gebiet nimmt nicht nur wegen seiner Größe von zusammen 11.794 ha, sondern auch wegen seiner Vielzahl hier vorkommender europaweit bedeutsamer Arten und Lebensräume eine Sonderstellung innerhalb der baden-württembergischen Natura-2000 Kulisse ein. In den eichenreichen Wäldern kommt beispielsweise der Mittelspecht in Dichten vor, wie sie nur noch in wenigen Gebieten erreicht werden. Auch in den Streuobstwiesen fühlen sich Grauspecht, Halsbandschnäpper und Wendehals mit einem ausreichenden Höhlenangebot und vielfältig strukturierten Grünlandflächen zur Nahrungssuche ausgesprochen wohl. Heller und Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling, die auf ein zeitlich und räumlich differenziertes Angebot an Blüten des Wiesenknopfes und Ameisen als Wirtstiere angewiesen sind, gaukeln in noch erfreulicher Anzahl über die extensiv genutzten Wiesen. Flachland-Mähwiesen, die sonst landesweit in starkem Rückgang begriffen sind, erreichen hier noch größere Flächenanteile. Typisch für den Stromberg sind auch die Kombinationen trockenwarmer Gebüsche mit Magerrasenbänder oberhalb der Weinberge.
„Mit der Fertigstellung des Planes ist die Arbeit aber noch lange nicht zu Ende, denn nun gilt es, die vorgeschlagenen Pflegemaßnahmen auf der Basis der vorliegenden Handlungsempfehlungen tatkräftig umzusetzen", betont Reinhard Wolf, Leiter des Referats 56, Naturschutz und Landschaftspflege, im Regierungspräsidiums Stuttgart. Wichtig sei, dass nun alle Beteiligten an einem Strang zögen, da es sich ja um eine Aufgabe handele, der sich alle Mitgliedsstaaten der Europäschen Union verpflichtet hätten. Dies werde allzu oft vergessen.
In dem 496 Seiten starken Planwerk werden insgesamt 21 Lebensraumtypen, 13 Arten der FFH-Richtlinie sowie 22 Arten der Vogelschutz-Richtlinie behandelt. Die bei den Landratsämtern mit dem Thema befassten Geschäftsbereiche werden den PEPL in den nächsten Tagen mit der Bitte um Umsetzung erhalten.
Das regierungsbezirksübergreifende Projekt entstand unter der Federführung und fachlichen Koordination des Regierungspräsidiums Stuttgart. Fachlicher Koordinator des Gesamtprojektes ist Dr. Claus-Jürgen Vowinkel. Die Forstliche Versuchsanstalt in Freiburg (FVA) hat mit der Erstellung eines in den Gesamtplan eingearbeiteten Fachbeitrages Wald maßgeblich mitgewirkt.
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