Der Pfälzer Bub und sein richtig schwarzweiß gescheckter Ball
Der Pfälzer Bub brachte jedes Jahr im Sommer seinen Pfälzer Dialekt und seinen deutschen Fußball mit in unsere Straße.
Im Geiste machte ich das ganze Alphabet durch, um auf seinen Vornamen zu kommen, aber die langen Jahre dazwischen machten mir einen Strich durch die Rechnung.
Mein zweitältester Bruder freute sich immer riesig auf den quirligen kleinen Kerl und auf dessen richtigen schwarzweiß gescheckten Ball. Der Pfälzer Bub besuchte seine Verwandten, die Nickel hießen,und die gute Nachbarn waren. Das Ehepaar war kinderlos und kinderfreundlich. Es war gut situiert und der kleine Neffe fühlte sich bei den älteren Herrschaften sehr wohl.
Manchmal kam der Bub zu uns zum Spielen, wenn draußen der Regen kein Ende nehmen wollte, und dann hörte ich mit gespannten Ohren seinen komischen Dialekt, der dem unsrigen nur entfernt ähnelte. Er redete niemand mit dem Namen an, sondern deutete meist mit dem Finger nach der gewünschten Person. Der Pfälzer Bub war schmal und drahtig und geeignet zum Libero. Alles hörte auf sein Kommando wenn er wieder auf die Straße stürmte, und dann gehorchten zwanzig Bubenbeine seiner lauten Stimme und dem Lederball.
Meine Hüpfspiele wurden von ihm ganz einfach in eine "Fußgängerzone" hübsch entfernt gelegt, und wortlos beugte ich mich der Gewalt. Da gab es dann schon Pässe, die meine Quadrate oder meinen verlängerten Rücken trafen, und manchmal ging auch ein Kellerfenster in die Brüche. Dann wurden die Spardosen der betreffenden Buben geplündert, und den betroffenen Leuten mit einem tiefen Diener das Geld für das neue Glas überreicht.
Nie werde ich vergessen, wie der Pfälzer Bub seine Leute auf den Spielplan rief! Das hörte sich etwa so an: "Hee, onerer, saach em onere, dass de onere dem onere saache soll, der onere soll de Ball hergewwe!" Das war für mich chinesisch. Zu deutsch hieß das: "He, anderer, sag dem anderen, dass der andere dem anderen sagen soll, der andere soll den Ball hergeben!". Ein Trainer für Kaiserslautern, aber nicht für den Rest der Welt!
Der Pfälzer Bub kam drei heiße Sommer lang, um seine hitzigen Spiele austragen zu lassen. Dann ertönte die strenge Stimme nicht mehr auf der Straße.
Es kam ein Reiseboom auf Italien, und ich glaube, die Nickels fuhren mit dem Fußballfan zu sämtlichen Fußballarenen in der Sommerpause. Die deutschen Buben in unserer Straße hatten jedenfalls meinen Ball und ihre Straße wieder.
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