Pest oder Cholera
Auch Bruchsal.org scheint der allgemeinen Meinungsmache erlegen zu sein. Man glaubt doch nicht, dass der Unterschied zwischen Pest und Cholera so groß sein kann, damit man den Unterschied nicht sieht, bzw. sehen möchte. Vom geistigen und physischem Alter mag Joachim Gauck der vielleicht bessere sein, aber ideologisch und parteilich ganz bestimmt nicht. Joachim Gauck und Christian Wulff führen uns nur vor Augen, dass es in der Parteienlandschaft einen Einheitsbrei gibt. Es gibt keine erkennbaren Konturen und Abgrenzungen mehr zwischen CDU, SPD, Grüne und FDP. Selbst die Linken sind sich uneins ob Sie jetzt einen eigenen Kandidaten aufstellen sollen oder ob sie mit zusammen gekniffenen Zähnen, Gauck wählen sollen. Wie sie sich entscheiden die Linken sind in der Gauck-Falle.
Jeder weiß, dass unsere Bundeskanzlerin ihr Lehre bei Helmut Kohl erfolgreich absolviert hat. Der Hauptzweck dieses Studiums war: Wie entsorge ich meine Rivalen ohne dass sie es merkeln? Was anderes ist das mit Christian Wulff nicht. Würde sie ihn jetzt nicht wegloben so müsste Sie sich mit ihm um die neue Kanzlerfrage streiten. Und man weiß Angie kämpf nicht mit offenem Visier, sondern sitzt Probleme gerne intrigant aus.
Der SPD und den Grünen ist mit ihrem Bundespräsidenten- Kandidat Gauck anscheinend der große Wurf gelungen. Sogar die CDU treue SPRINGER Pressse schlägt sich auf die rote Seite. Nicht ohne Grund heben, Rot-Grün einen Joachim Gauck auf ihr Schild. Zum einen die Macht der CDU/FDP Koalition, spricht Angela Merkel zu brechen. Und zum anderen die Linke vorzuführen. Was offensichtlich ist, Herr Gauck spaltet die Lager auf. Viele in der CDU und FDP können sich einen Präsidenten Gauck besser vorstellen. Das wiederum bedeutet, sollte Joachim Gauck gewählt werden, müssen wir uns auf Neuwahlen im Herbst einrichten. Tja und die Linke? Die SPD hat der Linken die Pistole auf die Brust gesetzt. Seit ihr nicht für Gauck, dann habt ihr die "Schuld" als "DDR-Nostalgiker" und "Stasi-Verharmloser"
Nach der CDU hatte Gabriel auch der Linkspartei Gauck als Kandidaten vorgeschlagen. Er stieß allerdings auf Zurückhaltung. Dies habe ihn sehr überrascht. „Mir fehlt die Phantasie für ein rationales Argument." Sollten Teile der Linken Gauck ablehnen, da dieser die Aufklärung der DDR-Vergangenheit vorantreibe, sei dies Grund für eine Neubewertung der Partei.(Focus.de).
Nachdem ich anfänglich auch dachte Gauck ist der Bessere, kommen mir, je mehr ich über Gauck lese, meine Zweifel, ob er wirklich der bessere Präsident wäre.
Auf den NachDenkSeiten lese ich heute Hintergrundinformationen über Joachim Gauck: "Er ist Mitglied des Verbandes Atlantik-Brücke und Mitglied im Senat der von Helmut Schmidt, Kurt Biedenkopf u. a. gegründeten Deutschen Nationalstiftung."
Quelle: Wikipedia
Welche Ziele verfolgt diese Stiftung? Siehe dazu ein Papier vom November 1996: "Wir brauchen in Deutschland politische Schritte mit einer längeren Perspektive. Folgende wichtige Komponenten sind für die Gesundung Deutschlands nötig:
- Umbau der Sozialversicherung;
- Renovierung der öffentlichen Finanzwirtschaft;
- längeres Anhalten der Realeinkommen;
- Verzicht auf weitere DM-Aufwertungen;
- eine umfassende Deregulierung auf allen Gebieten."
Quelle: Deutsche Nationalstiftung [PDF - 79,8KB]
In anderen Worten: Der Kandidat, zu dessen Wahl die Hartz IV-Plattform aufruft, ist Mitglied einer Stiftung, deren politische Intentionen in Hartz IV kulminierten (angemessen zynische Kommentare mögen unsere Leser sich jetzt bitte selbst dazu denken).
An der politischen Ausrichtung der Stiftung hat sich seither nichts geändert, im Gegenteil: 2009 meinte sie sich gar gegen Angriffe der FAZ wehren zu müssen: "In seinem Artikel bezichtigt Herr Weidermann Uwe Tellkamp rechtskonservativer, demokratieverachtender und nationalistischer Tendenzen und rückt die Deutsche Nationalstiftung wegen der Verleihung des Nationalpreises 2009 gleich mit in diese Ecke."
Diese Gesellschaft scheint Gauck zu suchen.
Die politischen Kräfte, denen Gauck seine Dienste anbietet, haben verstanden:
„Zumindest die FDP hätte sich, wenn sie schon nicht einen eigenen Kandidaten durchsetzen konnte, für Joachim Gauck entscheiden können; für einen Mann, den man, sofern man ihn einer politischen Richtung zuordnen möchte, einen Liberalen wird nennen dürfen.
Wenn Sie Zeit haben, hören Sie einmal diese Rede und diese Rede von Gauck an; beide gehalten auf Veranstaltungen der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Besser kann man liberale Grundsätze kaum formulieren. "
Dass die LINKE Joachim Gauck trotz des zu erwartenden Medienechos nicht wählen will, verdient Respekt.
Dem kann ich mir nur anschließen. Deshalb ist der Unterschied zwischen Wulff und Gauck gar nicht so groß. Der eine ist ein Parteisoldat und der andere ein Soldat des Neoliberalismus. Pest oder Cholera? Aber was interessiert schon meine Meinung wählen kann ich keinen von Beiden.
Nachtrag: Hier finde ich gerade einen Verweis der die Atlantik- Brücke ziemlich gut beschreibt. Im Vorstand sind Namen wie Prof. Dr. Michael Hüther, Roland Berger, Eckart von Klaeden oder Guido Westerwelle (Mitgliedschaft ruht während seiner Tätigkeit als Außenminister) zu finden. Aus dieser Mitte möchte ich keinen Bundespräsidenten sehen.
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Kommentare
Wulffs Mitgliedschaften ebenso schockierend
Auch Christian Wulff bekleckert sich mit seiner Mitgliedschaft bei "Pro Christ" nicht gerade mit Ruhm und ist damit (zumindest für mich) auch nicht an dieser Position passend:
Esowatch Artikel
Pro Artikel
Damit bleibt es wohl wirklich bei Pest oder Cholera nach Typhus.
Mundhalter
Na ja - dann eben den Wulff. Der wird wenigstens den Mund halten.
Die Würde des Menschen.......
Bemerkenswert auf welchem Niveau sich der Artikel bewegt.
Die kritisierte Rede von Gauck stellt die Würde des Menschen an die erste Stelle.
Verständlich, dass sich der Autor des Artikels damit nicht identifizieren kann, ist sein Anliegen doch lediglich eine unsachliche Hetze gegen die Kandidaten mit mühsam zusammengezimmerten "Argumenten". Von der Würde des menschen keine Spur.
Wann ist ein Mensch mit Pest oder Cholera gleichzusetzen ?
"Gut" dass dann die Kommentare wenigstens das niedrige Niveau halten.
Die Nähe eines katholischen Politikers zu evangelikalen Organisation ProChrist (die man mal so eben in Gänze in die Fundamentalismusecke stellt) als einzige (!) Begründung zu liefern, dass Wulf nicht wählbar wäre, ist mit viel Verständnis Comedy, mehr aber nicht.
Wir haben schon eine journalistisch miese Tageszeitung hier, wäre nett wenn Bruchsal.org eine Alternative bliebe !
In dieser "Zeitung" haben sie
In dieser "Zeitung" haben sie wenigstens die Möglichkeit, auf den Artikel zu Antworten und bessere Argumenten auf zu zeigen.
Die Würde des Menschen
Eigentlich wollte ich mir eine Antwort auf den Kommentar von FUZZY sparen, aber dann fand ich dieses Video und dieses Video soll meine Antwort auf den Kommentar sein.
Außerdem bin ich durch die NachDenkSeiten darauf aufmerksam gemacht worden. ;-)
Gruß
Enrico Ciuffani
Bericht, Kommentar oder Glosse?
Man davon abgesehen, ob Gauck oder Wulff der bessere oder schlechtere Bundespräsident bzw. das kleinere Übel sein wird, handelt es sich um eine Diskussion, die endlos geführt werden kann.
Was mich mehr stört, ist die Tatsache, das dieser Artikel durch und durch subjektiv ist und zudem streckenweise einer gewissen Polemik nicht entbehrt.
Man sollte sich auch bei einer von Bürgern gemachten Netzzeitung an gewisse journalistische Grundregeln halten.
Demnach wäre Ihr Bericht wohl eher deutlich als Kommentar zu kennzeichnen gewesen oder bestenfalls als Glosse anzusehen.
Früher glaubten viele blind, was sozusagen "schwarz auf weiss" geschrieben stand. Heute wird dieses blinde Vertrauen gern in Medien wie Wikipedia & Co. entgegengebracht. Leider gibt es hier, wie auch an anderen Stellen, nicht nur korrekte Informationen.
Sicher sind die "NachDenkSeiten" eine interessante und auch gut gemachte Inspiration. Dennoch sollte man auch hier seinen eigenen Verstand noch zu Wort kommen lassen und nicht einfach alles übernehmen, nur weil es der eigenen Meinung entspricht.
Interessant finde ich vor allen Dingen den ersten Satz Ihres Berichtes:
Zitat: "Auch Bruchsal.org scheint der allgemeinen Meinungsmache erlegen zu sein. "
Sie schreiben für Bruchsal.org und unterstellen gleichzeitig, daß deren Autoren Meinungsmache betreiben? Man stelle sich mal vor, ein FOCUS-Redakteur würde schreiben, das man in FOCUS mehr oder weniger nur oberflächliche kurze Artikel lesen kann. Oder ein BILD-Schreiberling würde auf der Titelseite in fetten Lettern verkünden "BILD lügt".
Zugegeben, in beiden Fällen würde dies wohl der Wahrheit entsprechen, aber die Arbeitgeber wären wohl alles andere als "amused".
Aber Sie haben mit Ihrer Behauptung bezüglich der Meinungsmache nicht ganz unrecht. Ironischerweise ist Ihr eigener "Artikel" ein Beweis dafür.
Letztlich finde ich es auch etwas befremdlich, wenn eine Netzzeitung für Bruchsal und die Region sich zwar zur Wahl des Bundespräsidenten äussert, aber kein Wort darüber verliert, daß z.B. die Invista-Teppichfaserwerke in Östringen schließen (offensichtlich aus Profitgier des US-Konzerns) und damit 450 Menschen in der Region Ihren Arbeitsplatz verlieren. Oder sollte ich den betreffenden Artikel hier nur nicht gefunden haben?
"Bürgerjournalismus" ist zwar eine feine Sache, aber wenn man für sich den Anspruch stellt, eine Alternative zu den anderen Medien darzustellen (hier in erster Linie wohl zu den BNN)), dann sollten auch bestimmte grundsätzliche Qualitätsmerkmale nicht unbeachtet bleiben. Prinzipiell halte ich Bruchsal.org jedoch für eine gute Sache.
Zuletzt noch ein Wort zu Ihrem eingestellten Video. Jeder Mensch wird tagtäglich manipuliert oder beeinflusst. Sei es vom Ehepartner, von den eigenen Kindern, Arbeitskollegen, Schulkameraden und natürlich auch von Medien und Werbung. Niemand kann sich dem vollkommen entziehen, wichtig bleibt aus meiner Sicht vielmehr, wachsam zu bleiben und sich selbst immer wieder zu hinterfragen. Eine Fähigkeit, mit der leider zunehmend immer weniger Zeitgenossen ausgestattet zu sein scheinen.