Otto Oppenheimers lehrreiche Schulzeit
Eines seiner Poeme widmete der seiner Vaterstadt stets stark verbundene, frohsinnige Mensch Oppenheimer seinem Pennal, dem Schlossgymnasium (heute Pfarrsaal der Hofpfarrei). Artikel in der Lokalzeitung über Otto Oppenheimer, ehemaliger Gymnasiast des Bruchsaler Gymnasiums und jüdischer Tuchhandelsgeschäftsmann im renommierten familiären Betrieb in Bruchsals Bahnhofstraße, haben dem Autor dieser Zeilen jenes unbekannte Gedicht beschert. Möglicherweise fehlte es sogar in den Annalen seiner Schule. Zum 250. Jubiläum wurde eine Kopie an die Schulleitung übermittelt. Reaktion keine. Auch die Tageszeitung war nicht interessiert.
Die lockeren Verse „Zur Gymnasiumsfeier“ entstanden anlässlich der „50-Jahrfeier der Anerkennung der Bruchsaler Schule als Vollgymnasium“. Die nahm Oppenheimer zum Anlass seiner Rückbesinnung und damit die eigene Pennälerzeit auf die Schippe. Ein Leser stellte eine Kopie der vielleicht mit der Firmenschreibmaschine getippten Zeilen von 1930, verbunden mit einem freundlichen, aufschlussreichen Anschreiben, zur Verfügung.
Möglicherweise fehlte der Text sogar in den Annalen seiner Schule. Nicht gefehlt hat er anno 1955, beim 200-jährigen Gründungsgeburtstag. Der Liedvortrag zur Laute durch den „Troubadour so mancher Bruchsaler Heimatschlager“ inklusive der Bruchsaler Lokalhymne oblag damals Oppenheimers Freund, dem kriegsblinden Dr. Hans Ebecke. Die Verszeilen des munteren Reimeschmieds charakterisieren in ergötzlichem Hochdeutsch-Bruslerisch die Schulkarrieren der Vorkriegspennäler und lassen durchblicken, dass Oppenheimer seine Gymnasialzeit in bester Erinnerung hatte.
„Liebe Freunde vom Gymnasium, werte Konpenälerschar! Nun lasst uns mal bedenken und uns zurückversenken, wie es dereinstens war. /
Wenn du gehscht in das Gymnasium, fangts mit der Sexta an. Da lernsch du schon Lateinisch und kriegsch, weil das so fein isch, den ersten Größenwahn. /
Wenn du gehsch in das Gymnasium, kriegsch auch e Mütz all Jahr. Bleibsch aber du mal sitzen, langt zwei Jahr dir die Mützn . Ei, da freut sich sich dein Papa. /
Wenn du gehsch in das Gymnasium, lernsch du, potsaprament, dass „ut“ regiert den Konjunktiv. Das senkt sich in dein Herze tief bis an dein Lebensend. /
Wenn du gehsch in das Gymnasium, un kummsch zur Quarta auch, da kennsch Karl May schon comme il faut un schpicksch „De bello Gallico“ aus deinem ersten Schlauch. /
Wenn du gehsch in das Gymnasium, rucksch auch zur Tertia auf. Un wenn du hasch besonders Glück, dann geht in der Mathematik mal eine Gleichung auf. /
Wenn du gehsch in das Gymnasium, ochs ja das Griechische. Der gute alte Herr Homer macht sonst dir oft das Leben schwer mit seiner Odyssee. /
Wenn du gehsch in das Gymnasium, und deine Stimm’ mutiert, hat man dich Lausbu oft erwischt, wenn du statt dem Gsangsunterricht im Hohlweg hast poussiert. /
Wenn du gehsch in das Gymnasium und hasch Sekundagrad, da fühlsch du dich schon wunderweis, denn der Professor sagt jetzt „Sie“. „Sie Hornvieh im Quadrat!“ /
Wenn du gehsch in das Gymasium, sauf nie in Saus und Braus! Wenn dir im Gsicht ein Kater glänzt und du zu oft Physikstund schwänzscht, geht’s leicht mit Karzer aus. /
Wenn du gehsch in das Gymasium und gar Primaner bischt, kennsch du Horaz und Sophokles, den Plato und den ganzen Käs und schimpfsch dich Humanischt. /
Wenn du gehsch in das Gymasium und hascht das Abitur, gschtehsch du erst ein, wie schön es war, zu ärgern deine Lehrerschar. Von Reue keine Spur. /
Drum, Freunde vom Gymnasium, hört diesen Rat von mir: Erzeuget einen filium und schickt ihn auf’s Gymnasium. Dann wirds ein Kerl wie wir!“
Da kann man Oppenheimer nur amüsiert sekundieren mit „Gaudeamus igitur“, insbesondere auch beim Erzeugen des geforderten Filius’.
Stefan Schuhmacher
Faksimile des übermittelten Oppenheimer-Gedichtes zum Schuljubiläum anno 1930:
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