Otto Oppenheimer - Eine Bruchsaler Lebensgeschichte II

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Teil II
Sonntag, 14. Februar 2010 - 11:11
SA- und SS-Männer

SA- und SS-Männer überwachen die Reinigung von Lattenzäunen durch jüdische Bürger Bruchsals und Funktionäre der SPD und KPD.

Im März 1933 wurden politische Funktionäre der SPD und KPD sowie jüdische Bürger Bruchsals gezwungen, Straßen, Häuserwände und Lattenzäune von politische Plakaten zu säubern. Im April des gleichen Jahres wurde Otto Oppenheimer seines Amtes als Beiratsmitglied der Bruchsaler Strafanstalten enthoben.

Anlässlich der Beerdigung von Ottos Bruder Jakob im September 1933, der unter großer Anteilnahme der Bruchsaler Bevölkerung zu Grabe getragen wurde, schrieb der "Bruchsaler Bote": "Der Fabrikant Tröstler und der Kolonnenführer Zimmermann legten für den Krieger- und Militärverein und die Sanitätskolonne Kränze am Grabe des lieben Kameraden nieder ... Stadtpfarrer Stöckle dankte dem Entschlafenen mit herzlichen Worten im Namen der Schwestern des St. Josefshauses. Die Schwesternschaft war in großer Zahl beim Begräbnis zugegen." Die NS-Zeitung "Der Stürmer" berichtete dazu: "Die Judenbeerdigung gab dem ehemals schwarzen "Bruchsaler Boten" Anlass, dem Juden Oppenheimer ein Loblied zu singen, dessen süßliche Schleimigkeit einem das Kotzen kommen lässt."

Wie viele andere jüdischen Mitbürger glaubte auch Otto Oppenheimer daran, dass der nationalsozialistische Spuk bald enden müsse. Doch die Verhältnisse in Deutschland wurden immer schwieriger für die jüdischen Mitbürger. Durch die Nürnberger Rassengesetze von 1935 (das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre sowie das Reichsbürgergesetz) wurde die antisemitische Ideologie juristisch fundamentiert. Diese Gesetze ermöglichten den Nationalsozialisten endgültig die von ihnen angestrebte vollständige "Rassentrennung". Das Reichsbürgergesetz erklärte nur Personen "deutschen oder artverwandten Blutes" zu Trägern der vollen politischen Rechte. Konsequent wurde die jüdische Bevölkerung weiter isoliert. Im März 1936 wurde ihnen das Reichtstagswahlrecht entzogen, Auslandspässe wurden nur noch in Ausnahmefällen erteilt, ab Oktober 1938 wurde in alle Pässe jüdischer Mitbürger ein großes "J" gestempelt.

Die o. g. Gesetze sowie u. a. die im Juni 1938 erlassene "Dritte Verordnung zum Reichsbürgergesetz" ermöglichten die Ausplünderung der jüdischen Firmen sowie die Verdrängung der jüdischen Unternehmen aus der deutschen Wirtschaft. Die Gesetze erlaubten es, den Besitz der deutschen Juden unter wirtschaftlichen Vorwänden zu beschlagnahmen und zu "arisieren".

Verkaufsanzeige Oppenheimer

Der Käufer der Firma Oppenheimer sichert zu, 'dass sämtliche Gesellschafter arisch sind.'

Viele Firmeninhaber sahen hier ihre Chance, Konkurrenzunternehmen aufzukaufen und unter eigenem Namen weiterzubetreiben oder bei Bedarf zu liquidieren. In Bruchsal bestanden von 112 im Jahre 1933 registrierten jüdischen Betrieben lediglich noch 40 % mit 45 Eintragungen zum Sommer 1938. Und deren Lage wurde immer aussichtsloser, da es der "arischen" Bevölkerung nicht erlaubt war, "beim Juden" zu kaufen.

Die Verhältnisse in Deutschland zwangen auch Otto Oppenheimer zu der Einsicht, dass unter diesen sich ständig verschlechternden Verhältnissen ein weiteres Bleiben nicht mehr möglich war. So fasste er schweren Herzens den Entschluss, seine Firma zu verkaufen und seine Heimat zu verlassen.

Der Verkauf der Tuchhandlung Louis Oppenheimer gestaltete sich insofern nicht schwierig, als das Unternehmen wirtschaftlich gesund war und trotz zahlreicher Schikanen seitens der NSDAP zwischen 1933 und 1936 sogar neue Kunden hinzu gewinnen konnte. Im August 1938 übergab Otto Oppenheimer seine Firma an seinen langjährigen Mitarbeiter, den leitenden Angestellten Ernst Franke. Der Käufer nutzte im Nachhinein die Notlage des Verkäufers aus: Franke kürzte einseitig den vereinbarten Kaufpreis - als "Ausgleich für jahrelange, minderbezahlte Arbeit".

Pass Oppenheimer

Seite aus dem Pass von Otto Ottenheimer mit Stempel der Fremdenpolizei des Kantons Zug

Otto Oppenheimers Tochter Annie war bereits 1934 zusammen mit ihrem Ehemann, Richard Bär, ebenfalls ein gebürtiger Bruchsaler, nach Zug in die Schweiz ausgewandert. Dort betrieb Richard Bär weiterhin seinen Handel mit Leder. Die Eheleute Otto und Emma Oppenheimer emigrierten 1938 in die Schweiz zu Tochter und Schwiegersohn.

Teil III am kommenden Montag, 15. Februar 2010

 

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Kommentare

Gibt es eigentlich einen

Gibt es eigentlich einen Oppenheimer Straße in Bruchsal? Mir nicht bekannt.

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