Otto Oppenheimer - Eine Bruchsaler Lebensgeschichte I

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Teil I
Samstag, 13. Februar 2010 - 16:27

Nahezu jeder Bruchsaler kennt das Lied „Der Brusler Dorscht". Auch wenn der Text nicht jedem sogleich gegenwärtig ist, so kann doch jeder, wirklich jeder, nach nur einmal Zuhören den Refrain des Liedes mitsingen: „Denn der Dorscht, ja der Dorscht, ja der alte Brusler Dorscht war die Leidenschaft des Grafen, alles andre war ihm worscht!" Aber nur die wenigsten Bruchsaler wissen von der Lebensgeschichte Otto Oppenheimers, der auf die Melodie „Der Kreuzfidele Kupferschmied" diesen Gassenhauer dichtete. Den "Brusler Dorscht" verfasste er 1901 anlässlich seines Junggesellenabschiedes.


Otto Oppenheimer war ein waschechter Brusler. Am 7. September 1875 kam er in Bruchsal zur Welt als Sohn von Louis Oppenheimer, gebürtig aus Michelfeld und dessen Frau Berta, geborene Bär, eine Untergrombacherin. Er war das siebte und letzte Kind der Familie. Die Beschneidungszeremonie fand in der Bruchsaler Synagoge in der Friedrichstraße statt.

Bahnhofstraße

Bahnhofstraße in Bruchsal, ca. 1901

Otto war noch keine acht Jahre alt als seine Mutter starb. Nach der Volksschule besuchte er das Bruchsaler Gymnasium. Wahrscheinlich trat er nach dem Ende seiner Schulzeit in die Firma seines Vaters ein. Sein Vater Louis Oppenheimer betrieb in Bruchsal in der Bahnhofstraße 4 einen Tuchgroßhandel, dessen Kerngeschäft der Handel mit Uniformstoffen war.

Im Alter von 26 Jahren heiratete Otto Oppenheimer in Rothweil am Neckar Emma Wälder. Sie hatten zwei Kinder. Tochter Suse wurde 1903 geboren und die Tochter Annie im Jahre 1906.

Nach dem Tod seines Vaters Louis Anno 1907 übernahm Otto Oppenheimer den elterlichen Betrieb.

Otto Oppenheimer sah es als seine selbstverständliche Pflicht seinem Vaterland gegenüber an, sich als Soldat am 1. Weltkrieg zu beteiligen. Im August 1915 wurde er zum Militär eingezogen.

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Ca. 1920

Nach seiner Entlassung aus der Armee konzentrierte er sich wieder auf seine Tätigkeit als Geschäftsführer seines Tuchgroßhandels. Ende des Krieges erwarb er den gesamten Tuchbestand der liquidierten badischen Bekleidungsstelle und schuf sich so eine solide Ausgangsbasis, um auf dem hart umkämpften Textilmarkt bestehen zu können. Nach der Inflation 1923 erweiterte die Firma Louis Oppenheimer ihr Angebot um zivile und gemusterte Stoffe; das Großhandelshaus exportierte insbesondere in die Schweiz, Belgien, Luxemburg, Finnland, Jugoslawien und Lettland.

Otto Oppenheimer, der sich als Kunstmäzen verstand und Kunst sammelte, insbesondere Grafiken, war 1923 Mitbegründer des rührigen städtischen Kunstvereins. Auch bei der Gründung der Bruchsaler Großen Karnevalsgesellschaft im selben Jahr war er dabei.

Bürger Bruchsals

Zweiter von rechts: Otto Oppenheimer (?) Nachtrag: Recherchen ergaben, dass es sich hier nicht um Otto, sondern um dessen Bruder Jacob handelt.

Mit Adolf Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 waren die Weichen gestellt in den Untergang Deutschlands. Das Regime der Nationalsozialisten betrieb die systematische Entrechtung und Ermordung der europäischen Juden sowie anderer religiöser, ethnischer und gesellschaftlicher Gruppen.

2. Teil am Sonntag, 14. Februar 2010

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