Otto Oppenheimer - eine Bruchsaler Lebensgeschichte III
In der Schweiz bemühten sich die Oppenheimers und die Bärs um die Ausreise in die Vereinigten Staaten, was sich als sehr schwierig heraus stellen sollte. Denn für die Einreise in die USA waren Affidavits, das sind beglaubigte Bürgschaftserklärungen, notwendig. Diese konnten von Freunden und Bekannten abgegeben werden, um die Einreise in die USA zu ermöglichen und so den Nazi-Häschern auf dem Kontinent zu entgehen.
Zu dem Aufenthalt in der Schweiz und die darauf folgende Emigration in die USA, also von 1938 bis 1941, gibt es keine oder nur sehr spärliche Informationen. Wahrscheinlich gelang es der Familie, im Jahre 1941 Plätze auf einem Passagierschiff nach Cuba zu bekommen.
Dort warteten sie auf die amerikanischen Visa. Von Havana auf Cuba aus reisten Emma und Otto Oppenheimer, deren Tochter Annie und Schwiegersohn Richard Bär sowie deren 11-jähriger Sohn Martin Raphael an Bord der SS Shawnee in die USA. Am 12. Dezember 1941 betraten sie nach längerer Schiffsreise erstmals amerikanischen Boden. Wie die meisten Immigranten mussten sie wohl vor der Weiterreise auf das Festland auf der New York vorgelagerten Einwandererstation Ellis Island, der zentralen Sammelstelle für Immigranten, den Einwanderungsbehörden Rede und Antwort stehen. Otto Oppenheimer wurde zunächst inhaftiert, konnte aber bereits nach einem Tag weiter reisen zu ihrer neuen Bleibe in New York. Mutmaßlich bezogen sie gleich nach ihrer Ankunft eine Wohnung in einem erst 1938 errichteten Wohnblock am Henry Hudson Parkway in der Bronx, New York.
Otto Oppenheimer war jetzt bereits 66 Jahre alt. Zu alt für einen Neuanfang. Verbittert, krank und verarmt mussten er und seine Frau den Angehörigen zur Last fallen.
Anfang Februar 1951 starb Otto Oppenheimer an einem Herzschlag in seiner Wohnung in der Bronx. Bereits am nächsten Tag wurde er nach jüdischer Sitte auf dem Cedar Park Friedhof in Paramus, New Jersey, beerdigt. Seine Frau Emma verstarb 19 Jahre später, im Jahre 1970. An ihrem Todestag wohnte sie noch immer in der Wohnung am Henry Hudson Parkway.
Otto Oppenheimer schrieb einige Zeit vor seinem Tod an einen Bekannten aus Bruchsal einen längeren Brief, der wie folgt endete:
"Und dass unser geliebtes Brusel trotz aller Nöten dieser jetzigen furchtbaren Zeit wieder aufblühen möge, wie damals vor fünfzig Jahren, mit diesem innigen Wunsche schließe ich diesen Dankbrief und verbleibe mit den besten Wünschen, auch von meiner Frau, für Sie und Alle, die sich meiner so lieb erinnert haben.
Ihr
Otto Oppenheimer"
Zeittafel:
- 7. September 1875 •Geburt von Otto Oppenheimer (Kaiserstraße 76)
- 27. September 1878 •Geburt von Emma Wälder
- 13. April 1883 •Tod der Mutter Berta, geb. Bär
- 11. Februar 1892 •Geburt von Max Ettlinger in Karlsruhe, späterEhemann von Tochter Suse
- 28. Januar 1898 •Geburt von Richard Bär, später Ehemann vonTochter Annie (Söternstraße 8)
- 27. April 1901 •Junggesellenabschied; "Brusler Dorscht" erstmalsvorgetragen im damaligen Hotel Keller am Bahnhof
- 6. Mai 1901 •Hochzeit in Rothweil am Neckar mit Emma Wälder
- 4. Januar 1903 •Geburt der Tochter Suse
- 10. Februar 1906 •Geburt der Tochter Annie
- 5. Mai 1907 •Tod des Vaters Louis Oppenheimer
- ab August 1915 •Teilnahme am 1. Weltkrieg
- 1923 •Mitbegründer des städtischen Kunstvereins
- 4. Januar 1925 •Hochzeit vom Suse Oppenheimer mit Max Ettlingeraus Karlsruhe
- 1. Mai 1928 •Hochzeit von Annie mit Richard Bär aus Bruchsal
- 25. April 1933 •Ausschluss von Otto Oppenheimer aus dem Beiratder Bruchsaler Strafanstalten
- 4. September 1933 •Tod von Ottos Bruder Jakob
- Fastnacht 1938 • Erstmals tritt bei der Bruchsaler Fastnacht "GrafKuno" in Erscheinung
- 15. August 1938 •Verkauf der Tuchhandlung Louis Oppenheimer
- 1938 •Emigration in die Schweiz
- 12. Dezember 1941 •Ankunft in New York
- 8. Februar 1951 •Tod von Otto Oppenheimer
- 6. August 1965 •Tod von Richard Bär
- 1970 •Tod von Emma Oppenheimer, geb. Wälder
- 19. September 1976 •Tod von Annie Bär, geb. Oppenheimer
- August 1982 •Tod von Max Ettlinger
- November 1985 •Tod von Suse (Susan) Ettlinger, geb. Oppenheimer
Verwendete Literatur:
- Jürgen Stude, Geschichte der Juden in Bruchsal
- Jürgen Stude, Geschichte der Juden im Landkreis Karlsruhe
- Alexia Kira Haus, Bruchsal und der Nationalsozialismus
- Informationen von Botschaftsrat a. D. Gerhard Holler
- Stadtarchiv Bruchsal
- Eigene Recherchen im Internet
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